In diesem Jahr wird die Landesgartenschau in Überlingen am Bodensee stattfinden. Foto: Jürgen Heppeler

17 Städte und Gemeinden wollen eine Landesgartenschau, doch nur sechs sind zu vergeben. Da muss man sich etwas einfallen lassen: eine Netzbrücke, eine Seilbahn und was noch?

Stuttgart - Tübingen will sie, Offenburg auch und Ludwigsburg sowieso: Immer mehr Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg haben Interesse an der Ausrichtung einer Landesgartenschau. Bis zum Stichtag am 19. Dezember seien 17 Bewerbungen für die sechs Schauen zwischen 2031 und 2036 eingegangen, teilte der Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) am Freitag mit. Die Chance, den Zuschlag zu erhalten, ist damit im Vergleich zur letzten Vergaberunde vor zwei Jahren noch einmal gesunken. Damals hatten sich 14 Kommunen beworben. Jetzt würden die eingereichten Konzepte geprüft, eine Fachkommission bereise alle Bewerberstädte. Den Zuschlag will der Ministerrat im Sommer 2020 erteilen.

Allein für die drei großen Landesgartenschauen im Vergabezeitraum mit einer Landesförderung von jeweils fünf Millionen Euro liegen acht Bewerbungen vor, drei stammen aus der Region Stuttgart. Hier sind Ludwigsburg, Nürtingen und Winnenden, das gemeinsam mit Schwaikheim antritt, im Topf. Konkurrenz gibt es aus Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis), Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall), Offenburg, Rastatt und Tübingen.

Im Team zum Erfolg?

Im Hinblick auf eine Vorbereitung auf den Klimawandel biete eine Gartenschau wichtige Entwicklungsimpulse, sagte Hauk. Tatsächlich spielt das Thema bei allen Bewerbungen eine Rolle. „Wir wollen, dass jeder Einwohner höchstens 200 Meter von seiner Wohnung entfernt eine grüne Oase findet“, sagte der Ludwigsburger Baubürgermeister Michael Ilk. Dafür soll sich ein großer grüner Ring durch alle Stadtteile ziehen. Auch Tübingen will mit der Umgestaltung des westlichen Stadteingangs auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren und im Gebiet Seiben einen neuen klimagerechten Stadtteil schaffen. Rastatt spricht in seinem Konzept von einem Klimaschutzpark. Dort soll vom Schloss bis zu den Rheinauen eine Achse geführt und auf einem ehemaligen Kasernengelände ein neuer Stadtteil entwickelt werden. „Wir sind voller Begeisterung“, sagte die Stadtsprecherin Heike Dießelberg.

In Ludwigsburg muss sich diese Begeisterung nach der gescheiterten Bewerbung vor zwei Jahren erst wieder einstellen. Aber auch andere nehmen einen erneuten Anlauf. Man habe das Konzept der „blühenden Quellen“ verfeinert und zu einem Klimaanpassungskonzept fortentwickelt, heißt es aus Bad Mergentheim. Die Entsiegelung von 40 000 Quadratmeter Fläche und eine Seilbahn zum Ketterberg gehören zum Konzept.

Nürtingen nimmt den dritten Anlauf

Zum dritten Mal nach 1996 und 2009 versucht es Nürtingen mit einer Bewerbung und hat sich dafür die Dienste des bereits mehrfach erfolgreichen Büros Planstatt Senner gesichert. Der Neckar und seine Zuflüsse sollen erlebbar gemacht werden. In Offenburg will man die Kinzig zurück ins Stadtbild holen und die Biodiversität erhöhen. Winnenden plant im Bahnhofsumfeld ein neues Stadtquartier, dessen Grünräume bei einer Landesgartenschau entwickelt werden sollen.

„Keine Stadt würde so sehr von einer Gartenschau profitieren wie wir“, ist sich der Crailsheimer Oberbürgermeister Christoph Grimmer (parteilos) sicher. Unter dem Motto „Wächst, blüht, verbindet“ sollen die Jagstauen wieder erlebbar gemacht werden. Augenfällig soll dies durch eine große Netzbrücke für Fußgänger und Radfahrer werden, die sich über den Fluss und die Bundesstraße spannt.

Für die drei auf kleinere Gemeinden zugeschnittenen Gartenschauen (Förderung: zwei Millionen Euro) wurden sogar neun Vorschläge eingereicht. Dabei treten einige Kommunen im Team an. So bemühen sich Bad Ditzenbach, Bad Überkingen, Deggingen, Mühlhausen im Täle und Wiesensteig (alle Kreis Göppingen) gemeinsam um eine interkommunale Schau. Marbach hat sich mit dem Nachbarn Benningen (beide Kreis Ludwigsburg) zusammengetan. Leimen will mit Nußloch die Schau in den Rhein-Neckar-Kreis holen. Weitere Bewerbungen stammen aus Altensteig (Kreis Calw), Bad Bellingen (Kreis Lörrach), Bretten (Kreis Karlsruhe), Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall), Riedlingen (Kreis Biberach) und Schwaigern (Kreis Heilbronn).

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