Kein Studierwilliger soll im Oktober auf der Straße stehen, jeder freie Platz besetzt werden. Foto: dpa

In den nächsten Tagen beginnen an vielen Hochschulen im Land die Nachrückverfahren.

Stuttgart - Katrin F. (Name geändert) hat ihren Studienplatz zum Wintersemester bereits in der Tasche. Ende Juli erhielt die ­19-Jährige eine Zulassung für das Fach Geschichte, Mitte August – wenige Stunden nach ihrer Sprachprüfung, kam dann per E-Mail die Zusage für Englisch. Auch die ­beiden anderen Universitäten, an denen sie sich für ein Lehramtsstudium beworben hatte, schickten ihr kurz darauf eine Be­stätigung.

Wie viele Abiturienten sich bis zum 15. Juli an den Hochschulen im Südwesten um einen Studienplatz beworben haben, lässt sich derzeit nicht beziffern. „Wir haben kein Gesamtbild“, sagte Jochen Schönmann, Sprecher des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums, am Montag. Die meisten der rund 70 Hochschulen vermelden Rekorde bei den Bewerberzahlen – eine Folge des doppelten Abiturjahrgangs an den allgemeinbildenden Gymnasien. Insgesamt 95.000 Schüler haben in diesem Sommer die Schule mit einer Studienberechtigung verlassen, – 20.000 mehr als vor einem Jahr. Wie viele von ihnen erst einmal ein freiwilliges Jahr machen oder ins Ausland gehen, ist unklar.

Auch aus den Bewerberzahlen lassen sich derzeit noch keine verlässlichen Rückschlüsse ziehen. Denn viele Studenten haben sich vorsichtshalber an mehreren Hochschulen beworben. Wie viele der bisher zugelassenen Studenten tatsächlich ihren Studienplatz annehmen, wissen die Hochschulen erst nach Ablauf der Rückmeldefrist – die nicht einheitlich geregelt ist. So hat die Universität Stuttgart diese Frist kürzlich um eine Woche bis zum 29. August verlängert. Mancherorts reicht es, wenn die angehenden Studenten im September Bescheid sagen.

In den Studiengängen ohne Zulassungsbeschränkung können sich Studierwillige bis Ende September einschreiben

Danach beginnt dann das so genannte Nachrückverfahren – dann kommen die Bewerber zum Zug, die bisher keine Zusage erhalten haben. Selbst wer dann keinen Studienplatz erhält, muss nicht verzagen. In den Studiengängen ohne Zulassungsbeschränkung können sich Studierwillige bis Ende September einschreiben – die Hochschulen haben sich im Rahmen des Hochschulpakts verpflichtet, alle aufzunehmen. Von den insgesamt 520 grundständigen Studiengängen an den Universitäten haben 287 eine Zulassungsbeschränkung, bei den Hochschulen für angewandte Wissenschaften – den früheren Fachhochschulen haben 303 von 346 Studiengängen einen Numerus clausus, bei den Pädagogischen Hochschulen 31 von 48 Studiengängen.

Einen Rekord verzeichnen die Hochschulen nicht nur bei den Studienanfängern. Auch für ein Masterstudium haben sich nach Angaben der Hochschulen mehr Interessenten als in den Vorjahren entschieden. Überraschend ist das nicht – denn mit der steigenden Zahl von Bachelorabsolventen steigt auch die Zahl der möglichen Bewerber. für ein Masterstudium. Vor zehn Jahren hat die Umstellung auf das gestufte Studiensystem begonnen.

Nach einer Umfrage der Deutschen Presseagentur kommen an der Hochschule Offenburg auf jeden der 224 Plätze zehn Bewerber. „Wir würden gerne mehr Master-Studienplätze anbieten, bekommen im Moment aber noch nicht die notwendigen Ressourcen vom Land“, sagte Prorektor Andreas Christ. Bei der Auswahl zähle die Abschlussnote des Bachelorstudium.

Universität Stuttgart betrachte Masterabschluss als Regelabschluss eines wissenschaftlichen Studiums

An der Hochschule Esslingen stehen für rund 1100 Bewerber 128 Masterstudienplätze zur Verfügung. „Wir möchten guten Absolventen, die sich weiter vertiefen wollen, die Möglichkeit geben, einen Master zu absolvieren und denjenigen, die weiter forschen wollen, den Weg nach oben öffnen“, sagte Manuela Nieß, Leiterin der Studentischen Abteilung. Wollten Studierende in der freien Wirtschaft oder bei Verbänden arbeiten, reiche der Bachelor aus, um auch in einem Unternehmen Karriere zu machen, sagte die Pressereferentin Cornelia Mack.

Die Universität Stuttgart betrachte den Masterabschluss als Regelabschluss eines wissenschaftlichen Studiums, sagte Prorektor Frank Gießelmann. Zum Wintersemester haben sich laut Wissenschaftsreferentin Andrea Mayer-Grenu 3452 Bewerber für ein Masterstudium beworben. Da es nur für die technisch orientierte Betriebswirtschaftslehre eine Zulassungsbeschränkung gibt, bekommen alle fachlich geeigneten Bewerber einen Platz. Bachelorabsolventen der Uni Stuttgart würden diese fachliche Eignung in der Regel allein mit Bestehen des Bachelorstudiengangs nachweisen können.

Erstmals seien die Masterstudiengänge ausgelastet, sagt Ministeriumssprecher Schönmann. In den nächsten Jahren müssten sie weiter ausgebaut werden, nötig seien mittelfristig 7000 zusätzliche Plätze für ein Masterstudium. Dass ein Großteil der Bachelorstudenten ein Masterstudium anstrebt, ist allerdings nicht im Sinne der Erfinder. Der Bachelorabschluss soll Studierende befähigen, erfolgreich in die Arbeitswelt zu wechseln. Wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, braucht hingegen auf jeden Fall ein Masterstudium.

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