Seniorensport könnte zu einer Massenbewegung werden – wie hier auf dem Esslinger Rathausplatz. Foto: Ines Rudel

Die Esslinger Bewegungstreffs feiern ihr zehnjähriges Bestehen. Nach schwierigem Anfang hat sich die Idee, sich auf einfache Weise fit zu halten, bundesweit etabliert. Sie basiert auf dem Bewegungsprogramm „Fünf Esslinger“.

Esslingen - Es ist seine Passion, Menschen zum Laufen und zur sportlichen Betätigung zu animieren. Wilhelm Scheuter, den alle nur Willi nennen, hat nicht nur einst den Schurwaldlauf in Esslingen etabliert. Er hat auch Lauftreffs organisiert. Und vor zehn Jahren hatte er, mittlerweile auch schon selber Mitglied des Stadtseniorenrats, die Idee, seine Altersgenossen auf ungewöhnliche Weise vor dem Einrosten zu bewahren.

Am Mittwoch haben Willi Scheuter, seine 30 ehrenamtlichen Mitstreiter und rund 200 Menschen der älteren Jahrgänge auf dem Rathausplatz das zehnjährige Jubiläum der Esslinger Bewegungstreffs gefeiert. Der Bewegungstreff hat sich dabei von Esslingen aus zu einem bundesweiten Erfolgsmodell entwickelt. Fast ständig ist Wilhelm Scheuter in der gesamten Republik unterwegs, um seine Idee von einem niederschwelligen, altersgemäßen Sportprogramm vorzustellen. Bundesweit trainieren bereits rund 200 Gruppen nach dem Esslinger Vorbild, das in der Vergangenheit mit Preisen geradezu überhäuft worden ist.

Die vereine haben abgewinkt

Vergeblich hatte Wilhelm Scheuter anfangs versucht, Sportvereine für seine Idee zu begeistern. Doch die winkten ab. Man habe schon viele Angebote für ältere Menschen gemacht. Doch die Resonanz sei verschwindend gering gewesen. Also setzte Scheuter auf den Stadtseniorenrat als Mitveranstalter und lud zum ersten Bewegungstreff nach Wäldenbronn.

Der Anfang sei schwierig gewesen, räumt er ein. Doch schon bald habe sich das Angebot herumgesprochen. Heute gibt es in Esslingen bereits 17 Bewegungstreff-Gruppen. 20 könnten es schon noch werden, meint der Initiator lachend. Das Prinzip ist denkbar einfach: Die Bewegungstreffs finden – egal bei welchem Wetter – jede Woche und immer im Freien statt. Wichtig ist dabei, dass die Menschen in Wohnortnähe ein Angebot finden.

Muskelkraft für Arme und Beine

Die Teilnahme ist absolut kostenlos. Jeder kann kommen und gehen, wann er will. Die Übungsbegleiter legen den Schwerpunkt auf Gymnastikübungen, mit denen die Koordination und die Beweglichkeit gefördert und Muskelkraft in den Armen und Beinen aufgebaut wird.

Zurück greifen sie dabei auf das mittlerweile auch schon international bekannte Sportprogramm „Fünf Esslinger“, das der Esslinger Arzt Martin Runge entworfen hat. Dabei werden auch solche Menschen angesprochen, die bisher noch keinen Sport getrieben haben. Denn die Übungen sind leicht, machen Spaß, überfordern nicht und entfalten ihre Wirksamkeit durch regelmäßiges Wiederholen.

Beitrag zur gesundheitlichen Chancengleichheit

Bei der Jubiläumsfeier, deren Abschluss natürlich eine Übungseinheit auf dem Rathausplatz bildete, betonte Marius Osswald die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Angebots. Der Leiter des Esslinger Amts für Soziales, Integration und Sport, das den Bewegungstreff zusammen mit dem Stadtseniorenrat organisiert, sagte: „Mit ihrem einzigartigen Angebot leisten die Bewegungstreffs einen Beitrag zur gesundheitlichen Chancengleichheit.“

Die Freude an der Bewegung, aber auch der Kontakt zu anderen Gleichaltrigen, bereichere den Alltag von Senioren um viele schöne Erfahrungen und wirke Isolation und Vereinsamung entgegen. Auch weil dieses Thema die Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten noch viel stärker als heute beschäftigen werde, seien die Bewegungstreffs so wichtig.

Zu den zahlreichen Auszeichnungen für die Bewegungstreffs und ihren Initiator Wilhelm Scheuter ist am Mittwoch noch eine weitere hinzugekommen. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg hat die Bewegungstreffs als „Good-Practice-Beispiel“ geehrt.

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