Das Kunstprojekt „Der große Albgang“ hat in den Jahren 1999/2000 Maßstäbe gesetzt. Mit den „Lebens-Bühnen“ im Freilichtmuseum Beuren will der Landkreis Esslingen nun rund 17 Jahre später an den Erfolg anknüpfen. Foto: Rudel/Archiv

Junge Künstler werden im kommenden Jahr das Freilichtmuseum Beuren in einen Kunstort verwandeln. Mit dem „Lebens-Bühnen“ will der Kreis Esslingen an den Erfolg des großen Albgangs 1999/2000 anknüpfen.

Beuren - Die Latte liegt hoch. Gleich im ersten Satz nimmt die Ausschreibung für das im kommenden Jahr auf dem Gelände des Freilichtmuseums Beuren geplante Kunstprojekt „Lebens-Bühnen“ direkt Bezug auf das große Vorbild. Wie bei dem zur Jahrtausendwende vom Landkreis Esslingen initiierten Skulpturenprojekt „Der große Albgang“ soll die Kunst in einen Dialog mit der vorgefundenen Umgebung treten. Nur, dass der „Lebens-Bühnen“-Gesprächspartner dann nicht die Natur sein wird. An ihre Stelle treten die Gebäude des Museumsdorfs am Albtrauf.

„Zu entwickeln sind Dialoge mit den im Freilichtmuseum Beuren versammelten Lebens-Bühnen aus unterschiedlichen schwäbischen Dörfern“, heißt es in dem Text, mit dem sich der Landkreis ausdrücklich an „junge bildende Künstlerinnen und Künstler aus der Region“ wendet. Die Resonanz auf den Aufruf gibt den Initiatoren jetzt schon recht. „Bisher haben rund 25 Künstlerinnen und Künstler ernsthaftes Interesse bekundet und sich die Ausschreibungsunterlagen schicken lassen“, sagt Mechthild Wilke, bei der die organisatorischen Fäden im Esslinger Landratsamt zusammenlaufen.

Sportlicher Zeitplan

Bei zwei Sonderführungen über das Museumsgelände am Fuß der Schwäbischen Alb haben sich die ersten Interessenten schon mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut gemacht. Ihnen bleibt, vom Bewerbungsschluss am Mittwoch, 15. Juni, an gerechnet, nicht mehr viel Zeit, um die hohen künstlerischen Erwartungen zu erfüllen und etwa – wieder ein Zitat aus dem Ausschreibungstext – „vor dem Hintergrund sich ständig verändernder Begrifflichkeiten zu Fragen des Strukturwandels und einer regionalen Identität Annäherungen an Mythen und Realitäten zu finden, die sich mit der Geschichte der in Beuren wieder aufgebauten Häuser und ihrer einstigen Bewohner verbinden“.

Die künstlerische Annäherung an die Historie kann sowohl über Skulpturen und Plastiken, als auch über Videoarbeiten oder interaktive Installationen erfolgen. Darüber hinaus erwartet die Jury, dass in jedem der sieben Öffnungsmonate mindestens ein Künstler vor Ort arbeiten und das Publikum in den Entstehungsprozess mit einbinden soll. „Das werden wir auch im Veranstaltungsprogramm des Museums kommunizieren“, sagt Mechthild Wilke. Und hier beginnt die sportliche Herausforderung auch für die Organisatoren. „Wenn wir das Programmheft wie sonst auch zur Stuttgarter Freizeit- und Tourismusmesse CMT fertig haben wollen, dann bleibt nicht mehr viel Vorlauf“, sagt die Kunstkoordinatorin der Landkreis-Verwaltung, zumal die Jury erst Ende des Jahres bekanntgeben will, wer den Zuschlag erhält.

Als Etat stehen 35 000 Euro zur Verfügung

Für das Projekt sind im Landkreis-Haushalt rund 35 000 Euro eingestellt. „Wir haben, je nach Zeit- und Materialaufwand, eine Spannweite von 3500 Euro bis 5000 Euro pro Künstler vorgesehen“, sagt Mechthild Wilke. Neben dem Geld haben die Mitwirkenden noch die Gewissheit, dass ihre Kunst von mindestens 75 000 Besuchern wahrgenommen wird. „Das ist der Publikumszuspruch in einer üblichen Museumssaison“, sagt Mechthild Wilke, die davon ausgeht, dass über das Kunstprojekt wesentlich mehr Besucher einen Zugang zu dem Museumsdorf finden werden. Auch hier liegt die Latte hoch: „Der große Albgang“ hatte seinerzeit mehr als 100 000 Besucher auf die Schwäbische Alb gelockt.

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