Sägen bringt Segen. Judith Heß und Daniel Kondratiuk haben die erste Harmonieprüfung ihrer jungen Ehe souverän gemeistert. Foto: Ines Rudel

Premiere im Beurener Museumsdorf. Im Hopfensaal des Öschelbronner Hauses können sich Paare jetzt das Ja-Wort geben.

Beuren - Heiraten im Schloss – welches Hochzeitspaar träumt nicht davon. Na gut: Bauernschloss. Um der ganzen Wahrheit die Ehre zu geben: Eigentlich ist es nur ein mehr als 200 Jahre altes, zu groß geratenes Bauernhaus, das vor sechs Jahren aus Gäufelden-Öschelbronn (Landkreis Böblingen) in das Freilichtmuseum Beuren umgezogen ist. Aber hübsch anzuschauen ist es, wie es da inmitten der blühenden Obstwiesen am Albtrauf liegt. Ein idealer Ort, um den Bund fürs Leben zu schließen. Im Hopfensaal des historischen Bauernhauses hat sich jetzt das erste Brautpaar auf dem Museumsgelände das Ja-Wort gegeben.

Judith Heß und Daniel Kondratiuk haben sich getraut – in doppelter Hinsicht. Ihre standesamtliche Trauung im Museumsdorf war eine Premiere. Der Beurener Bürgermeister, Daniel Gluiber, hatte die formellen Voraussetzungen geschaffen, indem er den Hopfensaal als Trauzimmer gewidmet hat. „Im Rahmen einer zweijährigen Testphase können sich Paare jetzt dort standesamtlich trauen lassen“, sagt Ira Pesla, die Standesbeamtin des 3600 Einwohner zählenden Erholungsorts unter dem Hohenneuffen. Die vier Termine, die die Gemeinde in diesem Jahr anbietet, sind schon ausgebucht. Im kommenden Jahr kann die Standesbeamtin heiratswilligen Paaren noch drei freie Freitage anbieten.

Die Idee ist schon im Jahr 2002 geboren worden

„Die Vision verfolgen wir, seit das Rathaus aus Häslach auf dem Gelände steht“, sagt Steffi Cornelius, die Leiterin des in der Trägerschaft des Landkreises Esslingen betriebenen Museums. Und das ist immerhin schon seit dem Jahr 2002. Der schmucklose Ratssaal im 1787 erbauten Schul- und Rathaus hat der damals noch selbstständigen Reutlinger Kreisgemeinde nebenbei als Trauzimmer gedient. Um in der schäbigen, abgewetzten Umgebung wenigstens ein bisschen Stimmung aufkommen zu lassen, hat der damalige Schultes Otto Bauer, kraft Amtes auch Standesbeamter, bis in die 1960er-Jahre hinein den alten Dual-Plattenspieler in Gang gesetzt. Die Melodie des italienischen Komponisten Enrico Toselli (1883-1926), die eine kratzende Nadel der Telefunken-Schallplatte entlockt hat, dürfte den Häslacher Paaren noch Jahre nach der Trauung in den Ohren geklungen haben.

Judith Heß und Daniel Kondratiuk haben ihr Ja-Wort – weitgehend nebengeräuschfrei und in noblerem Ambiente – von der norwegischen Popgruppe A-ha und deren Hit „Shapes that go together“ musikalisch umrahmen lassen.

Geburtstag am Hochzeitstag

Für beide hat der nun mit dem standesamtlichen Segen versehene Start ins gemeinsame Leben ein zweites Alleinstellungsmerkmal bereit gehalten. Judith Heß hat Hochzeitstag und Geburtstag gleichzeitig gefeiert. Und Daniel Kondratiuk muss sich nicht länger den Kopf zerbrechen, ob es jetzt ein Schloss, ein Bauernschloss oder ein Bauerhaus war, in dem er den Bund fürs Lebens besiegelt hat. Gewiss ist: Er hat an seinem Arbeitsplatz geheiratet. Der studierte Historiker ist seit dem Jahr 2013 Mitarbeiter des Freilichtmuseums Beuren und zeichnet für dessen umfangreiches Veranstaltungsprogramm verantwortlich.

Entsprechend museal ist es nach der Zeremonie zugegangen. Nachdem das Paar durch das Spalier der Museumsmitarbeiter geschritten war, musste es sich im gemischten Doppel an der historischen Zweimann-Handsäge beweisen. Um der Chronistenpflicht Genüge zu tun: Die beiden haben die erste Harmonieprüfung ihres gemeinsamen Lebens mit Bravour bestanden.

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