Der Tanz- und Hochzeitssaal der Wilhelmshöhe soll einem Parkplatz weichen. Im Freilichtmuseum Beuren könnte ihm ein neues Leben als Erlebniszentrum blühen. Foto: Horst Rudel

Das Freilichtmuseum Beuren hat ein begehrliches Auge auf den Tanz- und Hochzeitsaal der Gaststätte Wilhelmshöhe in Geislingen geworfen. Hinter den Kulissen wird heftig daran gearbeitet, ein Finanzierungskonzept für den rund 1,6 Millionen Euro teuren Umzug auf die Beine zu stellen.

Beuren/Geislingen - Das Freilichtmuseum Beuren wird ein Erlebnis- und Genusszentrum für traditionsreiche regionale Sorten und Lebensmittel. Das steht fest.

Um die Idee mit Leben zu füllen, benötigt das Museum geeignete, möglichst zusätzliche Räume. Das ist eine Tatsache.

Darin soll die Dauerausstellung alter Obst-, Gemüse- und Getreidesorten gezeigt werden, aber auch thematische Veranstaltungen und vielleicht ein Schaukochen durchgeführt werden. Das ist unbestritten.

Jetzt ist den Museumsleuten ein Objekt in den Schoß gefallen, das zum Konzept passt, wie der Deckel auf den Kochtopf. Das ist noch geheim.

Dem Tanz- und Hochzeitssaal der ehemaligen Gaststätte Wilhelmshöhe in Geislingen (Kreis Göppingen), nach dem Verkauf des Hauptgebäudes dem Abbruch preisgegeben, könnte in den Beurener Herbstwiesen ein zweiten Leben beschieden sein. Das Gebäude passt in seiner ehemaligen Funktion in das museumspädagogische Konzept der Museumsmacher, die in ihren rund zwei Dutzend historischen Gebäuden einen Einblick in das dörfliche Leben der Großelterngeneration geben.

Der Tanzschuppen soll Mittelpunkt des Erlebnis- und Genusszentrums werden

Noch besser allerdings passt es als Mittelpunkt des geplanten Erlebnis- und Genusszentrums.

Umsonst ist das Objekt der Begierde nicht zu haben. Den Tanzsaal selbst bekäme der Landkreis zwar zum Nulltarif, für den Umzug allerdings müsste er tief in die Tasche greifen. Eine fachgerechte Translozierung, das heißt der Abbau in Geislingen und der naturgetreue Aufbau im gut 40 Kilometer entfernten Museumdorf in Beuren, dürfte ersten Schätzungen zufolge mit 1,6 Millionen Euro zu Buche schlagen. Allerdings sind hinter den Kulissen inzwischen schon alle Hebel in Bewegung gesetzt worden, um diesen Betrag auf ein erträgliches Maß herunterzubrechen, bevor der Schul- und Sozialausschuss des Kreistags sich erstmals mit dem Thema befasst.

Dem Vernehmen nach steht der Förderverein des Freilichtmuseums mit rund 200 000 Euro bereit, um das Projekt im Sinne einer Anschubfinanzierung auf den Weg zu bringen. Würde das Gebäude aufs Museumsgelände umziehen, dann würde der Landkreis das Geld sparen, das er für ein ohnehin notwendiges Toilettengebäude auf den Tisch legen müsste.

Sondierungsgespräche machen Hoffnung

Erste Sondierungsgespräche hinsichtlich möglicher Landeszuschüsse sind auf wohlwollende Zustimmung gestoßen. Die grundsätzliche Förderfähigkeit des Vorhabens sei gegeben, so lauten die Signale seitens der Landesbehörden. Sprudeln alle Geldquellen wie vorgesehen, dann würde der Landkreis für einen Betrag von deutlich unter einer Million Euro einen Zuwachs für sein Freilichtmuseum bekommen, das nicht nur einen musealen, sondern auch einen konzeptionelle Mehrwert hätte.

Trotz der fortgeschrittenen Verhandlungen halten sich die Akteure bedeckt – die offiziellen Verlautbarungen zum Tanzschuppen haben große Ähnlichkeit mit dem Tanz auf dem Drahtseil. „Es stimmt: wir sind auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten“, sagt Steffi Cornelius, die Museumsleiterin. „Ja, wir sind auf der Suche nach einem Projekt, in das wir unser angespartes Geld investieren können“, sagt Hans Weil, der Vorsitzende des Vereins der Freunde. Ähnlich schmallippig äußert sich Peter Keck, der Leiter der Pressestelle im Landratsamt Esslingen. „Die Überlegungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen. Sobald sich die Sache konkretisiert, werden wir die Frage in den Gremien des Kreistages behandeln“, so Keck.

Die nächste Möglichkeit, das Thema auf die Tagesordnung zu rücken, bietet sich am Donnerstag, 16. Februar. Dann trifft sich der Kultur- und Schulausschuss des Kreistags zur ersten Sitzung im neuen Jahr.

Das zumindest ist nicht geheim.

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