Judith Rühle pflegt die Gärten. Foto: Steinert

Im Freilichtmuseum in Beuren erzählen nicht nur die Häuser spannende Geschichten. Auch die Gärten geben einen Einblick in die Kulturgeschichte.

Beuren - Die Rechnung geht auf: 184 Schilder stehen für 184 Pflanzensorten. Vom Stuttgarter Riesen, einer Zwiebelsorte, über den Erdbeerspinat bis hin zu der Stangenbohne Neckarkönigin haben die im Freilichtmuseum Beuren angebauten Kulturpflanzen nun auch für die in der Pflanzenkunde nicht sattelfesten Besucher einen Namen und ein Gesicht. Die neuen einheitlichen Pflanzenschilder, auf denen Art, Sorte, lateinischer Name und Besonderheiten vermerkt sind, sind ein weiterer Meilenstein auf dem Weg des Museums zum Erlebnis- und Genusszentrum für alte Sorten.

Die Museumsmacher sehen die einzigartige, im Museumsdorf kultivierte Sortenfülle als einen wichtigen Teil der regionalen Kulturlandschaft und des Lebens der Menschen dort. So wie das von Johanna und Johann Habisohn, die 1945 aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden. Die Flüchtlinge haben in Weidenstetten im Alb-Donau-Kreis eine neue Heimat gefunden und hinter dem Tagelöhnerhaus, in dem sie zur Miete wohnten, einen kleinen Garten bewirtschaftet. Haus und Garten sind mittlerweile ins Freilichtmuseum umgezogen.

Pflanzen mit Migrationshintergrund

In dem „Flüchtlingsgarten“, wie er in den 50er Jahren angelegt worden ist, gedeihen nun vor allem Pflanzen mit Migrationshintergrund. „Wir zeigen nicht nur die Hausgeschichte, sondern wollen auch die dazugehörende Kulturlandschaft begreifbar machen“, sagt Judith Rühle, die als wissenschaftliche Volontärin an dem Kennzeichnungsprojekt mitgearbeitet hat. Und so wachsen dort mit den Tomaten, den Paprika, der schweizerischen Maissorte Rheintaler Riebel und der edlen Artischocke Mediterrano lauter Pflanzen, die Menschen aus anderen Regionen der Welt mit auf die Schwäbische Alb gebracht haben.

Die Lieblingspflanze von Judith Rühle aber ist der Erdbeerspinat. Geschmacklich nichts Halbes und nichts Ganzes – weder süße Erdbeere noch gehaltvoller Spinat – setzt der Strauch mit den kleinen roten Früchten zumindest optische Akzente. Im Bauerngarten, der neben dem Haus aus Öschelbronn angelegt worden ist, leuchtet er neben der Stangenbohne Neckargold, dem Rettich Neckarruhm und dem Tettnanger Hopfen – und inzwischen auch auf Judith Rühles Balkon zu Hause.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: