Die Kabine ist schmucklos. Doch sie lebt von den Geschichten der Besucher. Foto: Michael Steinert

Im Freilichtmuseum Beuren hat die Sommersaison begonnen. Am ersten Öffnungswochenende hat neben vielen Besuchern auch die zeitgenössische Kunst Einzug ins historische Museumsdorf am Albtrauf gehalten.

Beuren - Eigentlich bewahrt das Freilichtmuseum Beuren die Vergangenheit. Doch in der aktuellen, am Samstag begonnenen Saison öffnet sich das historische Museumsdorf am Fuß der Schwäbischen Alb ganz bewusst der Gegenwart. Der Künstler Tobias Ruppert und die Schriftstellerin Sudabeh Mohafez haben mit ihrem Kunstprojekt „Archiv der Gegenwart – Stellungnahmen zum Leben heute“ den Sammlungsauftrag des Museums auf ihre Weise neu interpretiert.

Künstler erstellen ein „Archiv der Gegenwart“

In einer Aufnahmekabine, die in der Waschküche des ehemals in Häslach beheimateten Rathauses aufgebaut ist, bitten sie die Besucher um „besondere Momente“. Die an eine Telefonzelle erinnernde Kabine ist mit einem Aufnahmegerät versehen. „Bitte erzählen Sie uns von einem besonderen Moment aus ihrem Alltagsleben und berichten Sie auch, warum er für Sie so besonders war“, so lautet die Aufgabenstellung. Wer sich auf das Experiment einlässt, hat drei Minuten Zeit, aus seinem Leben zu erzählen. Die Momentaufnahmen werden anonym aufgezeichnet und später von dem Künstlerduo in eine Textcollage übertragen. Das so entstehende Abbild des heutigen Lebens wird als literarischer Text im Rahmen einer szenischen Lesung am 5. November im Freilichtmuseum präsentiert.

Das Archiv der Gegenwart ist der Auftakt des Kunstprojekts „Lebens-Bühnen – Zeitgenössische Kunst im Freilichtmuseum“, das sich über die gesamte Museumssaison erstrecken wird. Nach und nach werden Künstlerinnen und Künstler ihre Akzente auf dem Museumsgelände setzen. Das Auswahlgremium hat dabei Wert darauf gelegt, dass die Museumsbesucher in den Entstehungsprozess der Kunst mit einbezogen werden.

Neben dem umfangreichen Programm an Führungen und den beliebten Aktionstagen steht in diesem Jahr auch ein rundes Jubiläum an. Mit der Wiederbelebung des bis zum Jahr 1992 in Nürtingen beheimatete Krämerladens der Helene Schach bereichert der Förderverein den Museumsbetrieb seit dem Jahr 1997.

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