Die jüdische Laubhütte aus Baisingen ist Teil der Sonderausstellung. Foto:  

Das Freilichtmuseum Beuren beteiligt sich am Sonntag, 1. September, am Tag der jüdischen Kultur. Da trifft es sich gut, dass im Museumsdorf die Ausstellung „Jüdisches Leben im ländlichen Württemberg“ noch aufgebaut ist.

Beuren - Juden auf dem Dorf – das ist über die Jahrhunderte hinweg bis hinein in die Gegenwart eine Geschichte von Ausgrenzung und Integration gewesen. Der europaweit begangene Tag der jüdischen Kultur am Sonntag, 1. September, soll dazu beitragen, die Gräben zu schließen und das Judentum, seine Geschichte, seine Traditionen und seine Bräuche bekannt zu machen. Im Regionalen Freilichtmuseum des Landkreises Esslingen in Beuren finden die Besucher an dem Gedenktag, der mit dem Tag des jüdischen Neujahrsfestes „Rosch Hashana“ zusammenfällt, einen besonders niederschwelligen Zugang zur jüdischen Kultur. Ist der Tag doch eingebettet in die Sonderausstellung „Jüdisches Leben im ländlichen Württemberg“.

Als Türöffner dient ein umfangreiches Mitmachprogramm, in dessen Rahmen es unter anderem Bastelangebote für Kinder und die typische jüdische Neujahrsspeise – Apfel mit Honig – gibt. Den Hunger nach Information stillen die Mitglieder der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, angeführt von dem Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Stuttgart, Yehuda Pushkin. Zusätzlich werden am Tag der jüdischen Kultur zwei Führungen durch die im Museumsdorf aufgebauten Stationen der Sonderausstellung angeboten. Die Kuratorin der Ausstellung, Brigitte Haug, erzählt anhand der acht Beispiele vom Leben der jüdischen Landbevölkerung in der Region zwischen Neckar und Schwäbischer Alb.

Laubhütte mit bewegter Vergangenheit

So ist im Freilichtmuseum auch eine originale Laubhütte zu sehen, deren bewegte Vergangenheit allein schon das wechselvolle Auf und Ab im Zusammenleben der Religionen zeigt. Die Leihgabe des Synagogenvereins aus dem Rottenburger Teilort Baisingen (Kreis Tübingen) stammt aus den 1920er Jahren und hat der dortigen jüdischen Gemeinde als geselliger Mittelpunkt beim Laubhüttenfest, der jüdisch-fröhlichen Variante des Erntedankfestes, gedient. In den Zeiten der Judenverfolgung als Hühnerstall entweiht, genießt die Baisinger Laubhütte inzwischen als Kulturdenkmal einen besonderen Schutz.

Zu den Exponaten zählt auch, als Beleg für die Annäherung der Kulturen, das Original der vor 36 Jahren unterzeichneten Partnerschaftsurkunde zwischen dem Landkreis Esslingen und der israelischen Stadt Givatayim. Brigitte Haug beginnt ihre Führungen um 14 und 16 Uhr.

Umfangreiches Begleitprogramm

Die Ausstellung „Jüdisches Leben im ländlichen Württemberg“, die mit einem umfangreichen Begleitprogramm aufgewartet hat, ist noch bis zum 1. November, dem Ende der diesjährigen Museumssaison zu sehen. Sie war im Rahmen des von den sieben Freilichtmuseen des Landes initiierten Gemeinschaftsprojekts „Anders. anders? Ausgrenzung und Integration auf dem Land“ von der Baden-Württemberg Stiftung und vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gefördert worden.

Der Europäische Tag der jüdischen Kultur wird jeden ersten Sonntag im September in mehr als dreißig Ländern gefeiert. Das Angebot reicht von Synagogenführungen bis hin zu offenen Türen in den Gedenkstätten. Das länderübergreifende Programm für Baden-Württemberg und das französische Elsass kann über den Internet-Auftritt der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg unter www.lpb-bw.de abgerufen werden.

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