Bette Midler im Jahr 2017: Sie nimmt den Tony Award als beste Schauspielerin in einem Musical für die Titelrolle in „Hello Dolly“ entgegen. Foto: dpa/Michael Zorn

Sie sei der Beweis, sagt die Schauspielerin Bette Midler, dass man zwischen Kakerlaken aufwachsen und es doch zur Essenseinladung ins Weiße Haus bringen könne. Am 1. Dezember 2020 wird sie 75 Jahre alt – liegt aber mit dem aktuellen US-Präsidenten im Hader.

Frankfurt a.M. - Bette Midler twittert gern. Meinungsfreudig und streitlustig äußert sie sich zu Politik und Gesellschaft, etwa zur Lage von Frauen. „Eine Art Feministin“ sei sie, seit ihr klar wurde, „dass es Männer gibt, die Frauen gegenüber kalt ihre Macht ausspielen“. Mit Donald Trump liefert sie sich viel beachtete bissige Duelle. Sie tritt auch mal daneben, etwa, als sie sich über den Akzent von Melania Trump lustig machte, wofür sie sich später entschuldigte. Rund zwei Millionen Follower verfolgen ihre Sprüche. Am 1. Dezember wird sie 75 Jahre alt.

Midler ist ein Multitalent. Gerade mal 155 Zentimeter groß, blitzende Augen und silberblonde Haare, füllt sie dank ihrer Präsenz und Ausstrahlung auch die größte Bühne. „Wenn Sie etwas können, das die Leute live sehen wollen, dann haben Sie eine große Karriere vor sich“, sagte sie einmal dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Hit-Songs wie „The Wind beneath my Wings“, Bühnenshows („The Showgirl must go on“) und Filme wie „The Rose“ machten sie berühmt.

Zwischen Kakerlaken

Auch im Alter ist Midler aktiv. So begeisterte sie 2017/18 am Broadway die Zuschauer in der Neuinszenierung des legendären Musicals „Hello, Dolly!“ Die Wiederaufführung brachte Rekordeinnahmen und Midler wurde mit dem Tony Award geehrt, eine ihrer vielen Auszeichnungen. Sie erhielt mehrere Golden Globes, Emmys und Grammys, verkaufte gut 30 Millionen Alben und war zweimal für den Oscar nominiert.

Den Erfolg hat Bette Midler sich hart erarbeitet. 1945 wird sie in Honolulu auf Hawaii in eine jüdische Familie mit osteuropäischen Vorfahren geboren. Die Mutter ist Näherin, der Vater Maler. Die Midlers sind damals arm, „richtig arm“ wie sie dem „Jewish Chronicle“ sagte: „Ich bin der Beweis, dass man zwischen Kakerlaken aufwachsen kann und trotzdem später zum Dinner mit dem Präsidenten im Weißen Haus sitzt.“

Nicht auf Männer bauen

Bette, nach Hollywoodstar Bette Davis benannt, jobbt in einer Ananas-Fabrik, versucht sich beim Radio und studiert an der Uni Dramaturgie. „Mein Vater vertrat sein Leben lang stur die Auffassung, ich hätte Lehrerin oder Krankenschwester werden sollen. Alles andere war in seinen Augen Zeitverschwendung.“ Aber Bette singt zu gern. Sie träumt von der Bühne und zieht nach New York, ihre Karriere im Blick. „Meine Eltern brachten mir bei: Verlass’ dich nicht auf einen Mann. Bau’ nicht darauf, dass du heiratest und er für dich zahlt. Das hab’ ich kapiert.“

In New York macht die junge Sängerin sich über Auftritte in Musicals und in Bühnenshows populärer Homosexuellen-Saunen wie den „Continental Baths“ einen Namen. Musikalisch begleitet wird sie von Barry Manilow, der 1972 „The Divine Miss M“ produziert, Midlers erstes Album. Midler liebt die Girl Groups der frühen 60er Jahre, die sie bis heute inspirieren, Bands wie die Ronettes oder die Shirelles.

Auch ernste Rollen

Als Komödiantin bewährt sie sich auch im Kino. Mit Woody Allen hat sie Ehekrach in „Ein ganz normaler Hochzeitstag“ (1991), in „Zoff in Beverly Hills“ (1986) bringt sie Nick Nolte aus der Fassung und in der turbulenten Komödie „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ gibt sie das kongeniale Gegenüber von Danny DeVito. 1993 begeistert sie viele Kinofans in der Fantasy-Komödie „Hocus Pocus - Drei zauberhafte Hexen“, gemeinsam mit Sarah Jessica Parker und Kathy Najimy. Und im Remake der „Frauen von Stepford“ (2004) ist sie die einzige unangepasste Hausfrau.

Dass Midler auch ernste Rollen liegen, beweist sie 1979 in Mark Rydells Drama „The Rose“, das sich lose am Schicksal von Janis Joplin orientiert. Midler verkörpert eindrucksvoll eine psychisch schwer belastete Rock- und Bluessängerin. Im „Club der Teufelinnen“ (1996) spielt sie, clever und burschikos, die ältere übergewichtige Brenda, die von ihrem Ehemann betrogen und ausgenutzt wird. Sie ersinnt einen genialen Racheplan, den sie mit Goldie Hawn und Diane Keaton umsetzt.

New York begrünen

Zum Bedauern der drei Stars war keine Fortsetzung des „Clubs der Teufelinnen“ geplant. Aber 2020 kam die erfreuliche Nachricht: Midler, Hawn, und Keaton werden in „Family Jewels“ wieder gemeinsam vor der Kamera stehen. Sie spielen drei Frauen, die gemeinsam die Weihnachtsfeiertage verbringen müssen, nachdem der Mann, mit dem sie alle einmal verheiratet waren, tot umgefallen ist. Wann der Film in die Kinos kommt, steht noch nicht fest.

Mit dem Performancekünstler Martin von Haselberg, Vater ihrer Tochter Sophie, ist Bette Midler seit 1984 verheiratet. Sie leben in New York, wo sie 1995 das „New York Restoration Project“ ins Leben rief. Dessen Ziel ist es, die Stadt zu begrünen, lebenswerter zu machen. Den Anstoß dazu gab Midlers deutscher Schwiegervater mit seinem Garten mitten in Frankfurt. „Ich möchte eine Million Bäume pflanzen“, hat Midler sich vorgenommen. Aber Corona zwingt erst mal zum Innehalten. „Ich habe angefangen, wieder Gitarre zu spielen. Ich bin zwar nicht gut, aber es ist ein großartiges Hobby.“

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