Zum ersten Mal könnten Kriminelle laut der Göppinger Kreissparkasse im Landkreis die Stimme eines Angehörigen per Künstlicher Intelligenz gefälscht haben. Die Polizei ist skeptisch. Die Masche misslang aber dank aufmerksamer Bankangestellter.
Vermutlich unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz haben Kriminelle versucht, eine Seniorin aus dem Landkreis um 40 000 Euro zu betrügen. Das berichtet die Kreissparkasse Göppingen. Die Betrüger wendeten dazu demnach eine weiterentwickelte Variante des sogenannten Enkeltricks an: Die Frau erhielt einen Schockanruf, in dem sich ein Unbekannter als ihr Enkel ausgab. Er habe, so behauptete er, einen Unfall verursacht und benötige nun dringend 40 000 Euro, sonst müsse er ins Gefängnis. Die Seniorin ließ sich laut der Göppinger Kreissparkasse verunsichern, unter anderem, weil sie die Stimme am Telefon tatsächlich als die ihres Enkels identifizierte.
Polizei ist skeptisch
Dieses Vorgehen entspreche weitgehend dem Muster des sogenannten Enkeltricks. „Neu ist, dass in diesem Fall die Stimme des Enkels vermutlich mithilfe Künstlicher Intelligenz ‚geklont‘ wurde“, schreibt das Göppinger Kreditinstitut. Möglich sei das durch sogenanntes Audio-Deepfake. Eine kurze Sprachaufzeichnung genüge, um am Computer eine Stimme zu imitieren und für betrügerische Zwecke zu verwenden. „Das ist der erste uns bekannte Fall im Kreis Göppingen, bei dem eine Kundin durch Stimm-Manipulation betrogen werden sollte“, erklärt Uwe Janke, Pressesprecher der Kreissparkasse Göppingen.
https://www.esslinger-zeitung.de/inhalt.trickbetrueger-mit-neuer-masche-falscher-lka-beamter-sahnt-ordentlich-ab.a66fdd7f-5ac8-4f5a-a4ff-66023c7503b3.html
Thomas Hagel, dem Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ulm, ist die möglicherweise neue Masche von KI-Stimm-Manipulationen noch nicht bekannt. Wie er auf Nachfrage erklärt, sei es zwar denkbar, dass die Stimme des Enkels tatsächlich durch eine Künstliche Intelligenz imitiert werde, doch für sehr wahrscheinlich halte er einen solchen Betrugsfall dennoch nicht. Der Grund: Es sei zu kompliziert. Im konkreten Fall bräuchten die Betrüger zum einen die Spur der Stimme des Enkels und müssten zum Zweiten die Verbindung zur Großmutter herstellen, so Thomas Hagel.
Emotionaler Druck ist gewaltig
Für wahrscheinlicher hält er eine andere Art der Täuschung. Der Polizeisprecher berichtet, dass die Verursacher von Schockanrufen ihren Opfern häufig mit der eigenen Stimme nur vorgaukeln, eine bekannte Person zu sein. „Häufig glauben die Betroffenen durch den emotionalen Druck dann tatsächlich, dass es sich bei dem jeweiligen um die bekannte Person handelt“, so der Pressesprecher. Polizeisprecher Hagel spricht von einem „psychologischen Trick, der in vielen Fällen verfängt“.
Im Falle der Kundin der Göppinger Kreissparkasse ist jedenfalls noch einmal alles gut gegangen. Zwei Mitarbeiterinnen der Kreissparkasse vereitelten den Betrugsversuch laut der Mitteilung des Geldinstituts. „Im Medialen Beratungs- und Service-Center der Bank, wo die Dame zunächst anrief, erkannte eine Mitarbeiterin das Betrugsmuster“, so Uwe Janke. „Sie warnte die Kundin und in formierte die zuständige Finanzberaterin. Diese nahm umgehend Kontakt zu der Seniorin auf.“
Ungereimtheiten fielen dem Opfer auf
Wachsam sei auch das Bankpersonal an der Kasse der Filiale gewesen, in der das Opfer zwischenzeitlich das geforderte Geld abheben wollte. Es gelang demnach, die Auszahlung zunächst auf einen anderen Tag zu verschieben. Durch die Warnungen von unterschiedlichen Seiten sei die Kundin dann schließlich selbst misstrauisch geworden. „Ihr fielen nun Ungereimtheiten in den Telefonaten auf und sie brach den Kontakt zu dem vermeintlichen Enkel ab“, so Janke. „Wir sind froh, dass wir dazu beitragen konnten, dass die Kriminellen leer ausgingen.“