Dass man den Tätern rasch auf die Spur kommt, ist wohl wenig wahrscheinlich (Symbolfoto: dpa). Foto: /Patrick Seeger

Manchmal sollten Berichte wie diese etwas früher gelesen werden. So aber merkt ein älterer Stuttgarter zu spät, dass er auf eine Betrugsmasche hereingefallen ist.

Stuttgart - Der Blick in die Zeitung hat den 80-Jährigen misstrauisch gemacht. Da war etwas über eine sonnengebräunte Betrügerin zu lesen, die als falsche Polizistin auftritt und ihrem Opfer in Feuerbach mehrere Zehntausend Euro abgenommen hat. Das Opfer war auf eine vorgetäuschte Geschichte über einen bevorstehenden Einbruch hereingefallen. Ob ihm das jetzt auch passiert sein könnte?

„Es ist so“, sagt Polizeisprecherin Monika Ackermann. Auch der 80-Jährige aus Bad Cannstatt ist auf die Masche mit den falschen Polizisten hereingefallen. Auch er hat mehrere Zehntausend Euro verloren. In seinem Fall hat das Geld ein angeblicher verdeckter Ermittler entgegengenommen. Dem Cannstatter hatte man zuvor vorgegaukelt, sein Geld sei auf der Bank nicht mehr sicher, weil dort mehrere Betrüger arbeiteten.

Das Spiel mit der Angst

Dass man den Tätern rasch auf die Spur kommt, ist wohl wenig wahrscheinlich. Die Ermittlungsgruppe Pitfall, die sich in Stuttgart schwerpunktmäßig um die betrügerischen Angriffe von falschen Polizisten und falschen Enkeln kümmert, hat nur wenig Habhaftes zu dem Fall in der Hand. Begonnen hatte alles bereits am 31. August: Bei dem Betroffenen meldete sich telefonisch ein angeblicher verdeckter Ermittler, der ihm erklärte, dass sein Vermögen auf der Bank in Gefahr sei. Deshalb werde gerade ein Ermittlungsverfahren gegen Bankmitarbeiter geführt, die angeblich das Geld ihrer Kunden abzweigten.

Der Betrüger am Telefon überzeugte den 80-Jährigen davon, dass er unter höchster Geheimhaltung mehrere Zehntausend Euro abheben und der Polizei zur sicheren Verwahrung übergeben sollte. Ein paar Tage später, am 4. September, fuhr der Senior über 30 Kilometer auf der B 10 nach Uhingen (Kreis Göppingen), um das Geld dort auf dem Parkplatz eines Baumarkts zu übergeben. Angeblich an einen Polizeikollegen – in Wahrheit aber an den Komplizen des Anrufers.

Wo die Täter gerade zuschlagen

Der 80-Jährige schöpfte lange keinen Verdacht. Erst der Zeitungsbericht über einen ähnlichen Betrug in Feuerbach weckte Zweifel. Am Montag rief er per Notrufnummer bei der echten Polizei an. „Von dem Geldkurier am Baumarkt liegt uns keine genaue Beschreibung vor“, sagt Polizeisprecherin Ackermann. Allerdings dürfte es sich hier auch nur um die Handlanger der Betrüger handeln – denn die dürften von zahlreichen Telefonzentralen in der Türkei aus agieren.

Die Täter sind mobil, und sie sind bundesweit unterwegs. Ein Blick auf die Schwerpunkte der Tatorte zeigt, dass die Abzocker trotz mehrerer Fälle im Großraum Stuttgart derzeit weniger im Südwesten, sondern in Hessen, Nordrhein-Westfalen und im Norden unterwegs sind. „Von den 40 bis 50 Anrufen täglich zu Beginn des Jahres ist gerade wenig zu spüren“, sagt Monika Ackermann. Welche weiten Wege die Geldabholer gerade gehen, zeigt einer der wenigen Fälle, bei denen Täter erwischt werden.

...und dann ist die echte Polizei schneller

Einen Tag, nachdem der Cannstatter sein Geld in Uhingen übergeben hatte, schlug die Polizei in Frankfurt erfolgreich zu. Eine 84-jährige Frau aus dem Stadtteil Seckbach hatte dort mehrfach mehrere Tausend Euro zur Abholung in einem Versteck hinterlegt. Als die Täter am 5. September erneut Beute machen wollten, schlug die echte Kripo zu. Die hatte die Stelle observiert. Bei drei Männern im Alter von 19, 22 und 28 Jahren klickten die Handschellen. Sie stammen aus dem Raum Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen, waren 180 Kilometer nach Hessen gefahren.

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