Die Polizei kann einen Tatverdächtigen beim Geldabholen fassen. Foto: dpa/Oliver Berg (Symbolbild)

Die Tätergruppierungen setzen auf abwechselnde Maschen, damit ihre Opfer nicht auf die Geschichten gefasst sind.

Ein paar Wochen lang haben bei den Telefonbetrugsmaschen die Schockanrufe dominiert. Das hat sich nun wieder geändert: In den zurückliegenden Tagen haben mehrere Tätergruppen mit der ebenfalls schon länger kursierenden Masche der falschen Polizeibeamten operiert. „Die Anrufer wechseln immer wieder ihre Methoden“, sagt die Polizeisprecherin Ilona Bonn. Damit wollen sie versuchen, die Angerufenen zu überraschen. „Wenn sich eine Geschichte herumgesprochen hat, nehmen sie eine andere, die kann dann auch früher schon mal verwendet worden sein“, so Bonn.

 

Am Donnerstag und am Samstag operierten Täter bei Fällen, die der Polizei bekannt wurden, mit Geschichten von angeblich bevorstehenden Einbrüchen. Sie gaben sich als Polizeibeamte aus.

Am Donnerstag konnte ein Betrug nicht vereitelt werden. Die Anrufer erzählten einer 86-Jährigen, dass sie von der Polizei seien und man in ihrer Nachbarschaft zwei Tatverdächtige festgenommen habe. Diese Personen würden die Gegend beobachten, um Einbrüche zu verüben. Die Frau erschrak und glaubte deswegen im Schock die Geschichte. Auch nahm sie den falschen Polizisten ab, dass diese ihren Schmuck überprüfen wollten, und ließ diesen von einem Boten abholen. Erst danach wurde ihr klar, dass sie bestohlen worden war, und sie zeigte die Tat an.

In einem zweiten Fall konnte eine angerufene 54-Jährige der Polizei zu einem Erfolg verhelfen. Auch ihr wurde bei einem Anruf gegen 19.30 Uhr erzählt, dass eine Einbrecherbande festgenommen worden sei und die Polizei nun Wertsachen kontrollieren müsse. Die Frau durchschaute die Masche, ließ sich aber zum Schein darauf ein. Sie schaltete die echte Polizei ein und legte einen Umschlag – ohne Geld oder Wertsachen darin – wie mit den Anrufern vereinbart vor ihrem Haus ab. Als ein Bote kam, um diesen abzuholen, nahm die Polizei den Mann fest. Er kam am Montag vor einen Haftrichter und sitzt nun in Untersuchungshaft.

Zu den variierenden Maschen gehört auch, dass die Anrufenden sich nicht nur als Polizei, sondern auch als Staatsanwaltschaft oder Personen vom Amtsgericht ausgeben. Auch ist es in jüngster Zeit vorgekommen, dass Übergabeorte fernab des Wohnorts vereinbart wurden. Damit wollen die Gruppierungen vermutlich verhindern, dass Bekannte eingreifen, wenn sie die potenziellen Betrugsopfer auf dem Weg zum Übergabeort treffen und ihnen etwas komisch vorkommt. So hatte in der vergangenen Woche ein Mann die Aufforderung erhalten, von Karlsruhe nach Stuttgart zum Amtsgericht zu kommen und dort eine Kaution zu übergeben. Er sollte mit einem sogenannten Schockanruf überrumpelt werden. Man erzählte ihm, seine Tochter habe einen tödlichen Unfall verursacht und komme nur um eine Haft herum, wenn er eine Kaution hinterlege. Durch einen Anruf der echten flog der Schwindel auf. Die Polizeisprecherin Bonn sagt, durch den Treffpunkt am Gericht sollen die Forderungen der Betrüger offenbar „amtlich“ wirken.