Beamte aus Baden-Württemberg heben einen internationalen Betrügerring aus. Die hatten in sozialen Netzwerken für sich geworben. Der Schaden liegt im Millionenbereich.
So etwas gibt es auch nicht alle Tage: Ermittlern aus Baden-Württemberg ist ein Schlag gegen eine internationale Betrügerbande gelungen. Mehrere Millionen Euro soll eine Organisation ergaunert haben, indem sie Anleger davon überzeugte, in Kryptowährungen zu investieren. Die komplette Schadenshöhe wird noch ermittelt. Insgesamt könne sich das „im dreistelligen Millionenbereich belaufen“, sagt Oliver Hoffmann, Abteilungsleiter für Wirtschaftskriminalität im Landeskriminalamt Baden-Württemberg.
Vier Callcenter mit 200 Arbeitsplätzen durchsucht
Nach mehr als einem Jahr Recherche- und Ermittlungstätigkeit kam es am 11. Januar zum so genannten „action day“. Ermittler durchsuchten rund zwei Dutzend Objekte in Serbien, Bulgarien und Zypern, darunter vier Callcenter, in denen mehr als 200 Arbeitsplätze angelegt waren. Dabei wurden zahlreiche Verdächtige festgenommen, darunter auch ein Deutscher.
Die Betrüger hatten auf sozialen Netzwerken für Investitionen in Kryptowährungen geworben. Den Opfern wurde nach ersten Investitionen ein hoher Gewinn vorgetäuscht, was viele von ihnen zu weiteren Investitionen veranlasste. Den Stein ins Rollen brachte die Anzeige eines getäuschten Investors aus Esslingen im vergangenen Frühjahr. Er hatte insgesamt 85 000 Euro verloren. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg nahmen die Ermittlungen auf – und die wurden immer umfangreicher.
Zusammenarbeit mit Europol
In Zusammenarbeit mit Europol und Eurojust stellte das LKA in der Folge mehr als 30 Beamte ab, um die Täter zur Strecke zu bringen. Mehr als die Hälfte davon seien IT-Spezialisten gewesen, die den Einsatz in Serbien unterstützt hätten, sagt Oliver Hofmann. Die umfangreichen Daten, die dabei beschlagnahmt wurden, müssten nun allerdings erst noch ausgewertet werden. „Damit stehen wir erst am Anfang“, so Hoffmann, der schätzt, in einem halben Jahr deutlich mehr zu wissen.
Opfer auf der ganzen Welt
Die Ermittler suchen nicht nur nach Tätern, sondern auch nach Opfern. In Baden-Württemberg wurden Anleger aus Dettingen, Zimmern, Wernau und Waiblingen ermittelt. Zudem sind Anleger aus anderen Teilen des Bundesgebietes, aus Europa, Australien und Kanada Opfer des Betruges. Den Gesamtschaden schätzen die Ermittler allein bei den deutschen Opfern auf mehr als zwei Millionen Euro – wobei bei weitem noch nicht alle Betrogenen bekannt sein dürften.
„Die exzellente Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft Stuttgart und des LKA Baden-Württemberg bewahrt zahlreiche potenzielle Opfer weltweit davor, künftig in die Betrugsfalle zu tappen“, sagt der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Achim Brauneisen. Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Zusammenarbeit der Behörden koordiniert.