Der Präventionsbeamte Walter Spiller gibt Tipps zum Schutz vor betrügerischen Anrufen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Weil aktuell die Welle der Anrufe falscher Polizeibeamter nicht abreißt, tourt die Polizei durch die Stadtteile, um potenzielle Opfer aufzuklären. Was die Bürger zu berichten wissen, wundert sogar die Polizei.

Stuttgart - Es vergehen keine fünf Minuten, ohne dass jemand stehen bleibt und von Erlebnissen mit betrügerischen Anrufern erzählt. „Zurzeit ist die Hölle los“, sagt der Präventionsbeamte Stefan Geiß und wendet sich der nächsten Passantin auf dem Marktplatz in Sillenbuch zu. Und er meint damit nicht den Andrang und die Nachfrage am Informationsstand der Polizei. Sondern den regelrechten Telefonterror, mit dem Betrüger aktuell die Stadt überziehen. Sie geben sich als Polizisten aus, um an das Geld der Opfer zu kommen. In der laufenden Anrufwelle haben Täter mit der Masche bereits eine halbe Million Euro erbeuten.

Ein Ehepaar aus Heumaden spricht lange mit den Präventionsbeamten Stefan Geiß und Walter Spiller. Sie wurden in der aktuellen, seit Himmelfahrt anhaltenden Welle von Anrufen von den Tätern kontaktiert – und erfahren, dass die Betrüger nichts dem Zufall überlassen. Dieser meldete sich und behauptete, bei Nachbarn sei eingebrochen worden. Dort habe man einen Zettel mit dem Namen des Ehepaares gefunden, sie seien die nächsten Einbruchsopfer. „Ich habe das gleich durchschaut und zum Anrufer gesagt, ich glaube ihm nicht, ich würde nun die Polizei anrufen. Da sagte er, er würde auflegen – und ich hörte ein komisches Klicken in der Leitung, was war das?“, will der 75-Jährige wissen. „Das kennen wir“, sagt Stefan Geiß. Die Täter würden die Leitung halten und nur technisch vortäuschen, sie hätten aufgelegt. „Wenn sie dann die 110 wählen, landen sie wieder beim Betrüger“, sagt Geiß. Wobei die 110 immer die richtige Nummer sei. „Aber legen sie erst richtig auf und stellen sie sicher, dass die Verbindung unterbrochen war“, fügt er hinzu.

Die Nachbarn passen aufeinander auf – das lobt die Polizei

Die 110 könne man immer anrufen. „Auch wenn nichts passiert ist“, sagt Geiß. es gebe keinen Grund, diese Nummer zu scheuen. Auch sei es für die Polizei wichtig, jeden Versuch zu kennen. „Daraus können wir dann wieder was über das Vorgehen ableiten“, erklärt der Beamte.

Schon steht die nächste Dame am Stand und berichtet von ähnlichen Anrufen. Im Haus des Heumadener Ehepaares habe der Täter offenbar die ganze Nachbarschaft abgeklappert. Man habe sich gegenseitig gewarnt, berichten sie. „Das ist super, es braucht immer auch ein Netzwerk, um aufeinander aufzupassen. Schön, dass das in ihrem Haus funktioniert“, sagt der Präventionsbeamte Geiß.

Die Polizei verteilt an diesem Vormittag auf dem Marktplatz nicht nur Lob – sie bekommt auch reichlich. „Ganz, ganz toll, dass sie da sind“, ruft eine Frau. Sie arbeite auf der Bank und erlebe, wie oft Senioren Geld abheben wollen, nachdem sie Anrufe von falschen Polizisten oder Enkeltrickbetrügern erhalten haben. „Wir sind geschult und greifen dann schützend ein. Aber es ist erschreckend, wie oft es vorkommt“, fügt sie hinzu.

Die drei Stunden auf dem Marktplatz zeigen: Die Masche ist bekannt. Dennoch sind die Senioren verunsichert. „Wir haben bei dem Gespräch gleich gemerkt, welchen Druck die Betrüger aufbauen, kein Wunder, dass viele drauf reinfallen“, sagt das Paar aus Heumaden. Zum Selbstschutz wollen sie ihre Namen aus dem Telefonbuch nehmen lassen. „Das bringt leider nichts, digital finden die Täter das immer“, müssen die Beamten sie enttäuschen. Es gebe nur einen Schutz: Auflegen und die echte Polizei informieren.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: