Die Fellbacherin, deren demente Mutter Opfer eines Vollmachtmissbrauchs wurde, hat sich tief in das Thema eingearbeitet (Symbolfotos). Foto: dpa/imago

Eine Fellbacherin hat den Missbrauch von Vollmachten bei ihrer dementen Mutter erlebt und engagiert sich bei der Initiative Vollmachtmissbrauch. Sie erklärt, was Angehörige tun können.

Sie hat den Vollmachtmissbrauch selbst erfahren: Frau S. aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis) wurde von ihrer dementen Mutter mehr und mehr abgeschirmt. So wurde Letztere ganz gezielt Opfer eines Betrügers, der die Demenz der Mutter ausgenutzt hatte. „Das Thema ist viel zu wenig in der Öffentlichkeit bekannt“, sagt die Fellbacherin. Denn viele gingen aus Scham nicht zur Polizei, da der Täter meist aus dem nahen Umfeld komme. Und ein anderer wichtiger Faktor sei, dass die gesetzlichen Grundlagen für eine effektive Strafverfolgung nicht ausreichend seien.

 

Umso mehr habe sie gefreut, dass das Thema in einer XY-Sendung am 28. Mai vergangenen Jahres aufgegriffen worden sei. Außerdem habe die Initiative Vollmachtmissbrauch eine große Resonanz auf den Bericht in unserer Zeitung erfahren.

Das Thema Vollmachtmissbrauch werde auch aufgrund der steigenden Zahl demenzieller Erkrankungen immer wichtiger (Symbolfoto). Foto: imago images/photothek

„Das hat mich motiviert, weiterzumachen und für unser Thema zu kämpfen“, sagt Frau S. Sie sei in den vergangenen Monaten aktiv auf verschiedene Politiker zugegangen. Einige Abgeordnete der CDU hätten nun eine offizielle Anfrage an die Landesregierung gestellt, um bei dem Thema schneller voranzukommen und um sich den aktuellen Stand darstellen zu lassen. So wird nachgefragt, wie viele solcher Missbrauchsfälle in Baden-Württemberg in den vergangenen zehn Jahren bekannt geworden seien. Auch wie hoch die Schäden in den genannten Fällen seien. Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Christina Stumpp habe zusagt, „das Thema nach Berlin mitzunehmen“, so die Fellbacherin.

Betroffene Fellbacherin: Verlässliche Zahlen gebe es bisher kaum

„Leider ist die erforderliche Statistik bei Vollmachtmissbrauch sehr schwer zu führen“, sagt Frau S. Ihr Fall des Vollmachtmissbrauchs ihrer Mutter sei beispielsweise als Betrugsfall aufgenommen worden und lande in der Statistik der Wirtschaftskriminalität. Außerdem stelle sich die Frage, ob überhaupt Erhebungen hierüber angestellt worden seien, denn der Missbrauch von Vollmachten geschehe in der Regel hinter verschlossenen Türen.

„Verlässliche Zahlen haben wir bisher nur aus Berlin“, sagt die Betroffene aus Fellbach. In der Sondersendung von Aktenzeichen XY zum Thema Betrug sprach die ermittelnde Kriminalbeamtin von einem steigenden Problem und nannte erschreckende Zahlen: Allein in Berlin seien in den vergangenen zehn Monaten 33 Millionen Euro Schaden entstanden.

Die Fellbacherin hat sich in die Thematik auch durch die persönliche Betroffenheit tief eingearbeitet und engagiert sich in der Initiative Vollmachtmissbrauch. Der Initiative ist es ein Anliegen, zum Nachweis der Größe des Problems sowie zur Statistikerhebung beizutragen. „Daher rufen wir dazu auf, dass sich betroffene Angehörige bei uns melden“, sagt sie. „Hilfreich für die Statistik wäre dabei, wenn uns recherchefähige Aktenzeichen genannt werden könnten“, so Frau S.

Die Initiative Vollmachtmissbrauch macht sich für Aufklärung stark

Das Problem sei, wie sie immer wieder aufs Neue erfahre, sehr weit verbreitet. Aufgrund der Demografie und der steigenden Zahl von Demenzkranken rechne die Initiative und das Landeskriminalamt mit zunehmenden Fällen. Der Initiative sei ein großes Anliegen, dass Gerichte und Staatsanwälte für die Thematik mehr sensibilisiert würden. Denn oft würden Vollmachten nicht genau geprüft, auch manche Pflegekassen seien zu wenig geschult, um die Inszenierungen der Täter erkennen zu können. Auch manche falsche Annahme halte sich lange – etwa jene, die neue Vollmacht gelte wie ein Testament. Das sei beispielsweise nicht korrekt. „Da müsste an vielen Stellen mehr hinterfragt werden“, sagt die Fellbacherin. Mehrere Vollmachten könnten nebeneinander gelten.

 

Auch der Inhalt der Vollmachten aus gesunden Zeiten, bevor die Demenz diagnostiziert wurde, werde oft nicht ernst genommen. In den vielen Unterlagen zum Stand der Gesetze werde stetig betont, es sei wichtig festzuhalten, wie und wann die Demenz festgestellt wurde. Am Klinikum Stuttgart könne beispielsweise beim Zentrum für seelische Gesundheit eine demenzielle Erkrankung diagnostiziert werden. „Was ich jedem rate, wenn ein Verdacht des Vollmachtmissbrauchs besteht: Alles dokumentieren“, sagt die Betroffene. Auch scheinbar unwichtige Dinge sollten festgehalten und, wenn möglich, fotografiert werden. „Denn bei Vollmachtmissbrauch geht es immer um ein Menschenleben“, macht Frau S. deutlich.

Weitere Infos gibt es unter: www.vollmachtmissbrauch.de.

Die Sondersendung Aktenzeichen XY Vorsicht Betrug vom 28. Mai 2025 ist in der Mediathek des ZDF abrufbar. Dort geht es auch um Erbschaftsbetrug mit Vollmachten.