Über drei Monate werden noch bis Ende Mai in vielen Unternehmen neue Betriebsräte gewählt. Foto: Imago

Die IG Metall zieht eine Zwischenbilanz der Betriebsratswahlen im Südwesten: Ihren Kurs sieht sie infolge deutlicher Mehrheiten in großen Unternehmen bestätigt.

Die bundesweiten Betriebsratswahlen laufen erst seit knapp drei Wochen und noch bis Ende Mai. Doch die IG Metall zieht schon mal eine erste Zwischenbilanz – womit allerdings auch viel Eigenwerbung für den weiteren Wahlverlauf verbunden ist.

 

„Die bisherigen Ergebnisse sind ein deutliches Vertrauenssignal für die IG Metall und ihre engagierten Betriebsräte“, lobt die Bezirksleiterin Barbara Resch. Viele Beschäftigte spürten den Druck durch internationale Konkurrenz, hohe Energiekosten und den Wandel der Technologien. „Umso mehr freut es mich, dass die IG Metall bei den bisherigen Wahlen sehr gut abschneidet.“

IG Metall sieht „bundesweit klaren Trend“

Nach dieser Lesart zeigen die Ergebnisse einen „bundesweit klaren Trend“: Über alle bisher ausgewerteten Betriebe hinweg liege die IG Metall bei einem Stimmenanteil von etwa 80 Prozent. Ähnlich das Bild im Südwesten: Bei Daimler Truck in Gaggenau sind 24 von 29 Sitzen an die IG Metall gegangen – lediglich am Standort Stuttgart wurde eine nur knappe Mehrheit mit 16 von 31 Sitzen erzielt. Bei Porsche in Weissach hat sie 25 von 35 Sitzen geholt, ein Plus von acht Mandaten. Bei ZF wurden in zwei Werken 28 von 33 Sitzen und 23 von 27 Sitzen errungen. Bei Audi Neckarsulm gingen demnach 33 von 39 Sitze an die größte deutsche Gewerkschaft.

Gemünzt ist die Zwischenbilanz auch auf die große Aufmerksamkeit für die ganz rechten Listen im Vorfeld; nun zeigt sich, dass deren Erfolge begrenzt sind. Motto: Rechte Listen sind die Ausnahme – kein Massenphänomen. Dem Gewerkschaftsbund zufolge gibt es bundesweit rund 180 000 Betriebsratsgremien, aber nur in ein paar Dutzend Fällen rechte Listen. Dennoch geht Resch weiter auf Angriff: „Wir sehen mit Sorge, dass Konflikte gezielt von außen in die Gremien hineingetragen werden“, sagt sie. „Pseudo-Gewerkschaften wie das ‚Zentrum’ liefern keine einzige sachliche Antwort – sie reiten lediglich auf einer Bugwelle der Verunsicherung, um Belegschaften zu spalten und sich Posten zu sichern.“ Und sie agierten als Vorfeldorganisation der AfD, die Arbeitnehmerinteressen etwa im Programm zur jüngsten Landtagswahl jedoch völlig vernachlässige.

Zentrum kommt bei Mercedes auf neun und drei Mandate

In Sindelfingen hat sich derweil der neue Betriebsrat von Mercedes-Benz konstituiert. Ergun Lümali, seit 2014 in dieser Funktion, wurde mit fast 95 Prozent der Stimmen erneut zum Vorsitzenden gewählt. Stefan Heinzl wurde als stellvertretender Vorsitzender bestätigt. Bei der Wahl hatte die IG Metall mit 48 von 57 Mandaten ihre klare Mehrheit im Betriebsratsgremium behauptet, bei einem vorherigen Stimmenanteil von 80,4 Prozent. Die „alternative Gewerkschaftsliste Zentrum“ kam hier auf drei Sitze.

Am Mercedes-Standort Untertürkheim hatte die IG Metall 31 von 43 Mandaten gewonnen und stellt 72 Prozent des Betriebsratsgremiums. Hier legte das Zentrum deutlich zu – mit einem Anteil von 21 Prozent der Stimmen, der ihr neun Mandate einträgt.