Der Vorsitzende Betriebsrat Ergun Lümali zeigt sich zufrieden nach den Betriebsratswahlen im Sindelfinger Mercedes-Werk. (Archivfotos) Foto: Marijan Murat/dpa

Bei den Betriebsratswahlen im Sindelfinger Mercedes-Werk gewinnt die IG Metall klar und hält Zentrum auf Abstand. Wir haben bei Betriebsratschef Lümali und Zentrum nachgefragt.

Die Mitarbeitenden im Sindelfinger Mercedes-Werk haben entschieden: Aus den vom 3. bis 5. März stattgefundenen Betriebsratswahlen geht die IG Metall gestärkt hervor. Die Gewerkschaft sicherte sich in Sindelfingen 48 von 57 Betriebsratssitzen. Das ist ein Stimmenanteil von 80,39 Prozent. Mit großem Abstand dahinter folgte Zentrum mit 6,1 Prozent. Die AfD-nahe Interessensvertretung hat nun drei statt wie zuvor zwei Betriebsräte.

 

Angesichts des deutlichen Erfolgs zeigt sich der Vorsitzende des Betriebsrats am Standort Sindelfingen und selbst IG-Metaller, Ergun Lümali, zufrieden. In einem Statement sagt Lümali: „Die Beschäftigten haben der IG Metall bei dieser Betriebsratswahl ein starkes Mandat erteilt. Das klare Ergebnis zeigt: Die Belegschaft setzt weiterhin großes Vertrauen in einen durchsetzungsfähigen IG Metall-Betriebsrat, der sich engagiert für ihre Interessen und die Zukunft des Standorts einsetzt.“ Von 2022 bis 2026 hatte die IG Metall 48 von 59 Sitzen inne.

Ergun Lümali und seine IG Metall haben einen Wahlerfolg feiern können. Foto: Mercedes-Benz

Mercedes-Betriebsratswahl in Sindelfingen: Beteiligung nochmals höher

Von den 35 460 Wahlberechtigten in Sindelfingen haben 21 766 Beschäftigte abgestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,4 Prozent. Im Vergleich zur letzten Betriebsratswahl ist dies ein Anstieg der Wahlbeteiligung um sechs Prozentpunkte (2022: 55,4 Prozent). Betriebsratschef Ergun Lümali erklärt dazu: „Besonders freut uns die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung von über 60 Prozent. Das ist ein starkes Signal für gelebte Mitbestimmung und das Interesse der Belegschaft an einer aktiven Interessenvertretung.“

Die Wahlen fielen in eine wirtschaftlich turbulente und mit der fast zeitgleich stattfindenden Landtagswahl auch politisch angespannte Zeit. Von der Erfolgswelle, auf der der politische Verbündete Zentrums, die AfD, derzeit reitet, wollte auch die rechte Mitarbeitervertretung profitieren. Entsprechend deutlich blies Zentrum – das deutliche inhaltliche und personelle Bezüge zur in Teilen rechtsextremen AfD aufweist – mit Niedergangsnarrativen, einer Gegenhaltung zum sogenannten „Verbrenner-Aus“ und dem Vorwurf der „Vetternwirtschaft“ an die IG Metall zum Angriff auf die Gewerkschaft. Am Ende blieb ein bedeutender Zuwachs von Betriebsratssitzen für das Sindelfinger Werk aus.

Der Dachverband DGB begrüßt den Wahlausgang bei Mercedes

Auf Anfrage unserer Zeitung wollte sich Zentrum nicht zu den Ergebnissen der Betriebsratswahlen in Sindelfingen äußern. Vielmehr möchte die Interessensvertretung noch die Resultate im Stuttgarter Stammwerk Untertürkheim (Wahl bis 9. März) und im Werk Rastatt am 12. März abwarten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) – zu dem die IG Metall gehört – bewertet auf Anfrage das Ergebnis der Betriebsratswahl in Sindelfingen so: „Herzlichen Glückwunsch an die IG Metall bei Mercedes in Sindelfingen – die Betriebsratswahlen sind für sie sehr gut ausgefallen. Die Betriebsräte und die Vertrauensleute der IG Metall sind nah dran an den Beschäftigten. Das Ergebnis zeigt deutlich, dass sich der engagierte Einsatz für sichere Arbeitsplätze, faire Arbeitsbedingungen und gute Arbeit auszahlt. Es ist ein starkes Signal, dass die Beschäftigten auf Mitbestimmung und eine starke Vertretung setzen“, betont der DGB-Landesvorsitzende Kai Burmeister.