Holz als Rohstoff ist teuer geworden. Foto: picture alliance/dpa/Patrick Pleul

Der Betriebshof in Vaihingen wird viel teurer als gedacht. Das ist kein Einzelfall, sondern ein Trend, der nicht nur Kommunen, sondern auch private Häuslebauer betrifft. Welche Gründe gibt es dafür?

Vaihingen - Die Betriebsstelle Vaihingen des Stuttgarter Tiefbauamts muss umziehen. Denn die Stadt hat das Grundstück an der Liebknechtstraße 47 an die Allianz verkauft, die am Rand des Synergieparks ihre neue Zentrale plant. Der Neubau für das Tiefbauamt soll an der Robert-Koch-Straße 89 entstehen. Der Entwurf sieht zwei parallele, eingeschossige Gebäuderiegel vor. Beide sollen in Holzbauweise und mit Holzfassade errichtet werden. Die Verwaltung schätzte die Kosten ursprünglich auf 2,644 Millionen Euro. Die Baugenehmigung liegt seit März 2020 vor.

Doch die Verwaltung konnte lange Zeit keine Firma finden, die den neuen Betriebshof bauen wollte. „Eine erste Ausschreibung brachte leider kein Angebot. Auch die zweite Ausschreibung war auf Grund einer deutlich überhitzten Marktsituation erfolglos“, heißt es in einer Gemeinderatsvorlage. Die Nachfrage bei potenziellen Anbietern habe ergeben, dass „zu dem avisierten Ausführungszeitraum keinerlei Kapazitäten vorhanden waren“. Die Vereinfachung der Ausschreibungsunterlagen und eine spätere Ausführungszeit erbrachten in der dritten Ausschreibung zwei deutlich überhöhte Angebote. Nach Rücksprache entschied die Verwaltung, die Ausschreibung aufzuheben, um bei einer erneuten beschränkten Ausschreibung mit drei Firmen ein günstigeres Angebot zu erzielen.

Die Firmen sind ausgelastet, Baumaterial ist teuer

Dieser Plan ging jedoch nicht auf. Zwar gingen drei neue Angebote ein, günstiger wurde es aber nicht. „Da die Angebote preislich sehr nahe beieinanderliegen, und durch eine erneute Ausschreibung keine günstigeren Preise zu erwarten sind, erfolgt die Beauftragung an den günstigsten Bieter“, heißt es in der Gemeinderatsvorlage. Das bedeutet, dass die Kosten von den ursprünglich geplanten 2,644 Millionen Euro um satte zwei Millionen auf jetzt 4,644 Millionen Euro steigen. Der Gemeinderat hat zugestimmt. Die Gründe für die Mehrkosten seien zum einen die derzeitige hohe Auslastung der Firmen, zum anderen die stark gestiegenen Preise für Holz und Dämmmaterialien.

Mehrkosten könnten an Endverbraucher weitergegeben werden

Die Handwerkskammer Region Stuttgart bestätigt beide Entwicklungen. Allerdings sei die Auslastung der Handwerksbetriebe kein neues Phänomen. „Vielmehr befindet sich die Baubranche derzeit auf Vorkrisenniveau“, sagt die Pressesprecherin Julia Häcker. Die Pandemie habe im zweiten Quartal 2020 zunächst zu einer sinkenden Auslastung geführt. Im ersten Quartal 2021 habe man dann deutlich gesehen, dass die Aufträge wieder zunehmen. „Wir sind im Bauhauptgewerbe wieder bei einer Auftragsreichweite von 20 Wochen, im Ausbaubereich bei 14 Wochen“, nennt Julia Häcker die Zahlen. Der anhaltende Bauboom gehe auf die gute Konjunktur zurück: „Unternehmen und Privatkunden investieren in Immobilien, die öffentliche Hand in die Infrastruktur unterstützt durch diverse Bundesprogramme“, sagt Julia Häcker.

In einer Pressemitteilung des Branchenverbands Bauwirtschaft BW vom Juni dieses Jahres ist zudem zu lesen: „Die Hand­werks­be­trie­be, vor al­lem aus den Bau- und Aus­bau­ge­wer­ken, se­hen sich zur­zeit mit mas­si­vem Ma­te­ri­al­man­gel und ho­hen Preis­stei­ge­run­gen kon­fron­tiert.“ Ins­be­son­de­re Holz, Be­ton­stahl, Gips, Dämm­ma­te­ria­li­en so­wie ver­schie­de­ne Kunst­stof­fe seien kaum noch lie­fer­bar und wenn, dann zu deut­lich hö­he­ren Prei­sen als noch vor we­ni­gen Mo­na­ten.

Darüber hinaus führe der stark ge­stie­ge­ne Be­darf an Rund­holz in Chi­na und an wert­vol­lem Schnitt­holz in den USA ak­tu­ell zu pre­kä­ren Lie­fer­eng­päs­sen bei hei­mi­schen Holz­bau-Be­trie­ben. Das führe dazu, dass Lie­fer­fris­ten von den Sä­gern und dem Holz­han­del nicht zu­ge­sagt wer­den kön­nen und Prei­se bei län­ger­fris­ti­gen Be­stel­lun­gen nicht ge­nannt wer­den.

Der Branchenverband weist auch daraufhin, dass die gute Auftragslage auf der einen Seite und die durch Knappheit verursachte Preissteigerung bei Rohstoffen auf der anderen Seite sich nicht nur auf kommunale, sondern auch auf private Bauvorhaben auswirken werde: „Wenn sich die Preis­spi­ra­le bei Bau­ma­te­ria­li­en so wei­ter dreht wie im ers­ten Quar­tal 2021, wer­den die Mehr­kos­ten bald auch den End­ver­brau­cher er­rei­chen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

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