Der Waldorfkindergarten zieht von Kemnat nach Scharnhausen um. Auf einem alten Gewerbe-Areal entsteht ein Neubau für 70 Kinder. Die Eröffnung ist im September 2023 geplant.
Ostfildern - Der Waldorfkindergarten Ostfildern hat eine Zukunft. Nach dem Aus für die Erweiterung der Einrichtung am bisherigen Standort in Kemnat, stand der Fortbestand des Kindergartens zunächst in Frage. Im vergangenen Jahr gelang es dem Trägerverein schließlich, ein abbruchreifes Fabrikgebäude mit großem Garten im Körschtal in Scharnhausen zu kaufen. Wenn alles nach Plan läuft, soll dort im September 2023 nun ein viergruppiger Kindergarten für 70 Kinder eröffnet werden.
Fitnessstudio muss weichen
„Das ist jetzt unser Anwesen – eine wirklich einmalige Lage, am Ortsrand und mitten in der Natur“, sagt Christiane Rapp und weist mit einer weit ausholenden Bewegung über ein etwa 2000 Quadratmeter großes, nach Süden hin abfallendes Grundstück am östlichen Rand von Scharnhausen. Derzeit steht dort ein verwittert wirkendes Gewerbegebäude, das Erdgeschoss wird noch von einem Fitnessstudio genutzt. Bröckelnde Garagen und zwei ramponierte Lagerhäuschen befinden sich zudem auf dem Areal, mit dazu gehört auch ein großes Wiesengrundstück mit Bäumen und Büschen. Begrenzt wird das Gelände vom Krähenbach, jenseits davon erstrecken sich Streuobstwiesen.
Lange Suche nach einem Grundstück
Christiane Rapp und ihr Mann Günther sind Mitglieder im Vorstand des Vereins Waldorfkindergarten Ostfildern. Seit 2013 betreibt dieser den Kindergarten in Kemnat. In der Einrichtung im zweiten Obergeschoss eines Bürogebäudes am Westrand des Gewerbegebiets werden derzeit rund 20 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren betreut. Gemessen am Bedarf und an der Nachfrage nach Betreuungsplätzen ist die Einrichtung jedoch viel zu klein. Zudem müssen die Kinder eine Straße überqueren, um in den Außenspielbereich zu gelangen. Über eine Verbesserung der Situation wird seit Langem nachgedacht.
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Vor einigen Jahren tat sich die Möglichkeit auf, das Grundstück, auf dem die Spielfläche liegt, zu kaufen und dort eine Kindertagesstätte mit Krippe und Ganztagsbetreuung zu bauen. Der Gemeinderat und die Stadtverwaltung unterstützten das Vorhaben, ein sogenannter Baukreis aus Vorstand und sachkundigen Eltern entwickelte Pläne für den Bau und die Finanzierung. Doch das Vorhaben blieb in der Projektphase stecken. Die Eigentümer entschieden sich, das Grundstück einschließlich der vom Kindergarten genutzten Außenfläche zu bebauen. Ohne Außenbereich erlischt allerdings die Betriebserlaubnis der Betreuungseinrichtung. Nach Monaten des Bangens und der Suche nach einem bezahlbaren Grundstück als Alternative meldete sich die Stadt beim Verein mit dem Hinweis auf das alte Gewerbegebäude in Scharnhausen. „Dann ging alles recht schnell. Wir sahen ein altes Fabrikgebäude, auf dem energetischen Stand der 70er-Jahre, dachten an den Kaufpreis, an die Kosten für einen Neubau. Aber wir sahen auch die Lage – ein idealer Platz für einen Waldorfkindergarten“, sagt Günther Rapp.
Ideale Bedingungen am Bachufer
„Mit Nebenkosten müssen wir nun rund 1,3 Millionen Euro finanzieren“, berichtet er. Dafür wird die alte Fabrik am Krähenbach abgebrochen und auf der Bodenplatte eine eingeschossige Kindertagesstätte gebaut. Dort sollen eine Krippengruppe für Kinder unter drei Jahren sowie eine Gruppe für über Dreijährige mit Ganztagsbetreuung untergebracht werden. Ein Bewegungsraum, Räume für Büro, Personal und sanitäre Einrichtungen kommen hinzu. Der Keller bleibt erhalten. Dort werden die Heizung, die Haustechnik und Lagerräume eingerichtet.
Bachufer und Streuobstwiese
Auf dem Grundstück wird überdies ein Häuschen als Basis für zwei Naturgruppen für Kinder ab drei Jahren gebaut. „Das Grundstück mit dem Bewuchs und dem Bachufer ist für Naturpädagogik ideal. Und wir hoffen, dass wir noch eine Streuobstwiese auf der anderen Bachseite pachten können“, sagt Christiane Rapp. Insgesamt werden im Waldorfkindergarten künftig rund 70 Kinder betreut. „Das ist bei dem großen Bedarf an Betreuungsplätzen in der Stadt eine wichtige Entlastung“, sagt Christiane Rapp fest, die sich freut, dass sich neben der Verwaltung auch Mitglieder des Gemeinderats für das Gelingen engagiert haben.
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Nun werden Angebote von Unternehmen für Abbruch und Neubau gesichtet, manches ist noch nicht in trockenen Tüchern. Dazu muss auch ein passendes neues Quartier für das Fitnessstudio gefunden werden. „Es werden wohl noch ein paar Wochen ins Land gehen, bis wir bauen können. Aber wir sind optimistisch, dass wir zu unserem Wunschtermin im September 2023 eröffnen können“, sagen Christiane und Günther Rapp.
Kinderbetreuung in Ostfildern
Plätze
In der Stadt Ostfildern gibt es in den kommunalen Kindertagesstätten derzeit etwa 1500 Betreuungsplätze, rund 870 davon sind Kitaplätze, für die Schulkindbetreuung stehen etwa 650 Plätze zur Verfügung. Kirchliche und private Träger stellen in den Stadtteilen weitere Betreuungsplätze bereit. Der Waldorfkindergarten Kemnat bietet derzeit rund 20 Plätze, am neuen Standort in Scharnhausen werden ab September 2023 rund 70 Kinder betreut.
Waldorfpädagogik
Basierend auf den Lehren von Rudolf Steiner wird im Waldorfkindergarten Ostfildern laut der Vereinshomepage über einen „rhythmisch gegliederten Tagesablauf“ den Kindern „Halt, Orientierung und Struktur“ vermittelt. Naturpädagogische Elemente spielen eine wichtige Rolle. „Das Draußensein in der Natur ist ein sehr wesentlicher Gesichtspunkt für unsere Arbeit mit den Kindern. Täglich findet viel Zeit im Freien statt, bei jedem Wetter. Die Kinder erleben hier die Natur mit allen Sinnen.“