Die Natur hat sich die brachliegende Baugrube längst zurückerobert. Jetzt soll es aber endlich losgehen an der Sessler-Mühle. Foto: Simon Granville

Zwei Jahre lag das Mühlenareal brach. Jetzt soll Leben in die leere Baugrube kommen. Bereits an diesem Freitag beginnen die Arbeiten der Schweizer Immoprojekt für betreute Wohnanlage. Die Mühlgasse muss während der gesamten Bauzeit gesperrt werden.

Viele haben wohl schon gar nicht mehr damit gerechnet. Nach monatelanger Verzögerung geht es nun aber doch los: An diesem Freitag starten auf dem Areal der ehemaligen Sessler-Mühle die Bauarbeiten für eine große betreute Wohnanlage mit Wohnungen, Räumen für eine Tagespflege und eine Wohngemeinschaft. Die Mühlgasse muss zu diesem Zweck für mindestens anderthalb Jahre streckenweise gesperrt werden. Die Anwohner sollen aber zu jeder Zeit Zugang zu ihren Häusern haben.

 

Dass die Sessler-Mühle ihren Betrieb einstellt, war für die Stadt zunächst eine Hiobsbotschaft. Die historische Mühle mit dem Mühlencafé war für die Einwohner einerseits ein beliebtes Wahrzeichen, für Landwirte eine wichtige Anlaufstelle. Auf ein positives Echo stieß dagegen die anschließende Ankündigung der Investoren von Schweizer Immoprojekt, auf dem Gelände eine Anlage für betreutes Wohnen zu errichten. Für Renningen eine besonders gute Nachricht. Denn in der Stadt gibt es bisher kein vergleichbares Angebot. Vorstöße der Stadt waren wegen fehlender Standorte stets gescheitert.

Seit dem Abriss 2021 herrschte Stillstand

Die Freude über das neue Projekt währte zunächst nur kurz. Denn nachdem die Sessler-Mühle im Frühling 2021 abgerissen worden war, passierte zunächst überhaupt nichts. Unterbrochene Lieferketten aufgrund der Corona-Pandemie und später des Krieges in der Ukraine und der damit zusammenhängenden Energiekrise erschwerten die weitere Planung. Hinzukam ein Einspruch gegen das Projekt durch einige Anwohner, die den Umfang des Gebäudes und die Bauart als viel zu massig für das historische Stadtviertel empfanden und sich eine abgespeckte Version wünschten. Nachdem über ein Jahr weiterhin nur eine leere Baugrube zu sehen war, häuften sich die Gerüchte, dass das Projekt gänzlich aufgegeben worden sei. Die Firma Schweizer Immoprojekt widersprach – und will ihre Ankündigung nun in die Tat umsetzen.

„Das Projekt ,Betreutes Wohnen Mühlenareal‘ wird am Freitag, 21. Juli, begonnen“, hieß es am späten Mittwochnachmittag in einer Mitteilung der Stadtverwaltung Renningen. Diese hatte selbst erst einen Tag zuvor von dem Baustart erfahren. Allerdings waren alle Vorkehrungen für die erforderliche Sperrung bereits im Vorfeld getroffen worden und mussten nun nur noch umgesetzt werden.

Vollsperrung für Autofahrer und Fußgänger

Für Autofahrer, Passanten und Anwohner bedeutet das größere Einschränkungen, wie die Stadtverwaltung mitteilt: Die Mühlgasse wird von diesem Freitag an für den gesamten Verkehr, auch für Fußgänger, voll gesperrt. Der Baustellenverkehr für die Maßnahme wird über die Brücke am Friedhof über den Feldweg und über die Brücke an der Mühlgasse geführt. Die Umleitung des Radverkehrs zum Gewann Bühl und Brühl erfolgt vorerst über die Wilhelmstraße. Der Fußweg an der ehemaligen Mühle zum Friedhof entfällt über die gesamte Bauzeit.

Für die Anwohner wird die Bauzeit wohl weniger schön. „In Baustellennähe wird es sicher etwas eng, aber niemand wird von der Außenwelt abgeschnitten“, sagt der Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler). Entweder in die eine oder die andere Richtung komme man in jedem Fall heraus. Für ihn ist die Nachricht über den Baustart eine überaus positive. „Wir warten ja seit Monaten, dass es losgeht.“ Man habe Verständnis für die Verzögerungen, von denen viele Bauprojekte betroffen sind. „Trotzdem ist man natürlich etwas ungeduldig, jetzt sind wir froh, dass die Bauarbeiten beginnen.“

Geplant ist auf dem Areal ein Gebäudekomplex mit insgesamt 55 Wohnungen in unterschiedlichen Größen. Zudem soll eine Tagespflege eingerichtet werden, acht Apartments für eine Wohngemeinschaft und eine Cafeteria mit einem Innen- und Außenbereich, fasst Petra Ruppitsch, Sprecherin der Schweizer Immoprojekt GmbH, zusammen. Die Tagespflege, bei der Senioren von morgens bis abends betreut werden können, werde nicht nur den Bewohnern der Anlage zur Verfügung stehen, sondern das Angebot könne von jedem genutzt werden. Die Wohngemeinschaft ist ein Angebot speziell für Menschen, die nicht mehr allein leben können, zum Beispiel wegen Demenz oder körperlicher Gebrechen.

55 Wohnungen, Tagespflege und eine Wohngemeinschaft

Auch bei den Bauherren ist die Erleichterung groß. „Die Vermarktung läuft auf Hochtouren, mittlerweile sind 70 Prozent der Wohnungen schon weg“, sagt Petra Ruppitsch. Verkauft werden allerdings nur die normalen Wohnungen, die Apartments der die Wohngemeinschaft werden nur vermietet. „Wir rechnen mit einer Bauzeit von etwa zwei Jahren.“ Bezugsfertig soll der Komplex Ende 2025 sein.