Das Areal rund um die frühere Lindenturnhalle soll sein Dasein als Brache bald beenden. Der Entwurf sieht eine Wohnbebauung für betreutes Wohnen mit 39 Wohnungen in Kombination mit einer Tagespflegeeinrichtung und einem Café vor. Foto: Kerstin Dannath

Ein Investor plant am Ortsausgang der Gemeinde einen viergeschossigen Komplex. Die Wohneinheiten sollen einzeln verkauft werden. Auch eine Tagespflegeeinrichtung ist auf dem Areal der früheren Lindenturnhalle vorgesehen.

Auf dem Areal rund um die abgerissene Lindenturnhalle in Köngen sollen 39 barrierefreie Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen mit betreutem Wohnen entstehen. Außerdem will die Stadt dort eine Tagespflegeeinrichtung und ein Café ansiedeln.

 

Nach einem langen Verfahren hat der Gemeinderat nun einstimmig den Sieger des Investorenwettbewerbs gekürt. Überzeugt hat die Kommunalpolitiker der Entwurf der Nürtinger Architektenpartnerschaft Weinbrenner, Single, Arabzadeh, die das Projekt zusammen mit der FWD Hausbaugesellschaft aus Dossenheim als Investor umsetzen will. Die Architekten sind in Köngen keine Unbekannten: Sie waren 2007/2008 für die Sanierung des Schlosses verantwortlich.

Helle Wohnungen mit hohem Energiestandard

Die auf dem bisher wenig ansprechenden Grundstück am Köngener Ortsausgang in Richtung Denkendorf geplanten Wohneinheiten sollen unterschiedliche Größen haben. „Die Dimensionen reichen von 47 bis 60 Quadratmetern, da ist für jeden etwas dabei“, sagte die Architektin Carla Single bei der öffentlichen Vorstellung des Entwurfs im Gemeinderat. Rund 70 Prozent der neuen Wohnungen sollen aus zwei Zimmern bestehen, 30 Prozent aus drei Zimmern. Weitgehend geschosshohe Holzfenster mit Dreifach-Isolierverglasung sollen die Wohnungen hell und freundlich machen und auch bei einer kleineren Grundfläche einen großzügigen Raumeindruck schaffen. Zur Denkendorfer Straße hin erscheint der Bau durch das bewusst zur Hauptstraße angeordnete Staffelgeschoss viergeschossig, wobei das leicht zurückgesetzte Erdgeschoss das nord-westliche Ende gliedert und die dort vorgesehenen Nutzungen von Café und Wohnen erkennen lässt. Hin zum Wohngebiet staffelt sich das Gebäude zu seinen drei Vollgeschossen ab und passt sich so besser in die eher kleinteilige Wohnbebauung in Richtung Süden an.

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Im Erdgeschoss sind der Gemeinschaftsbereich mit großem Foyer, die Tagespflege mit 15 bis 18 Plätzen sowie im Südflügel drei Wohnungen untergebracht, die sich zum Rilkeweg hin orientieren. Die übrigen 36 Wohnungen konzentrieren sich auf die beiden Obergeschosse und das Dachgeschoss, wo zudem eine Gemeinschaftsterrasse entstehen soll. Das Gebäude soll in KFW 40 EE oder in KFW 40+ Energiestandard errichtet werden. Dazu soll das Dach mit einer großen Fotovoltaikanlage bestückt werden. Die Fassade bekommt eine Klinkerhaut.

Sozialstation soll Tagespflege und betreutes Wohnen betreiben

Als Partner für die Tagespflege und das betreute Wohnen wurde auf Wunsch der Gemeindeverwaltung die Sozialstation Wendlingen, zu deren Trägern neben weiteren Kommunen auch Köngen gehört, mit ins Boot genommen. „Für uns war es keine große Frage, ob wir das wollen“, sagte Geschäftsführer Manfred Braun. Er zeigte sich sicher, dass das Konzept gut funktionieren werde. Auch von der bisherigen Zusammenarbeit mit dem Investor und den Architekten ist Braun angetan: „Wir wurden von Anfang an miteinbezogen.“ So wurde zum Bespiel im Betreuungskonzept bereits festgelegt, dass das Mindesteinzugsalter im betreuten Wohnen bei 60 Jahren liegt – Ausnahmen kann es geben, wenn eine Schwerbehinderung vorliegt. Ziel ist ein nach individuellem Bedarf abgestuftes Konzept, gemäß dem Grundsatz der Sozialstation: so viel Selbstbestimmung wie möglich und so viel Hilfe wie nötig.

Die Wohnungen sollen alle verkauft werden, vorrangig über regionale Partner wie die Kreissparkasse und die Volksbank. Für die langfristige Objektbetreuung und die Verwaltung der Immobilie soll ein seit Jahren auf betreutes Wohnen spezialisiertes Unternehmen zuständig sein.

Abriss der alten Turnhalle war nicht unumstritten

„Die Chancen, die in diesem Projekt liegen, sind viel größer, als das, was wir dafür opfern mussten“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Gerhard Gorzellik mit Blick auf den nicht unumstrittenen Abriss der alten Lindenturnhalle und des benachbarten Albvereinsheims. Ohne zusätzlichen Flächenverbrauch nutze man die Möglichkeit, attraktiven Wohnraum für Senioren zu schaffen und die Neugestaltung des Ortseingangs voranzutreiben. Die Grünen-Fraktionschefin Annelise Rahm hob die Nachhaltigkeit des Neubaus hervor: „Von der Energieeffizienz her ist der Entwurf großartig.“

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Das Projekt solle nun zügig vorangetrieben werden, kündigte Bürgermeister Otto Ruppaner an. Zunächst wird für das kommunale Grundstück ein Wertgutachten erstellt, danach werden der städtebauliche Vertrag sowie der notarielle Kaufvertrag zwischen der Gemeinde und dem Investor ausgearbeitet und dem Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt. Parallel soll bereits der Bebauungsplan aufgestellt werden. Die Bagger könnten dann Ende 2023 anrücken.

Sie wollen in Köngen bauen

Investor
 Die FWD Hausbau und Grundstücksgesellschaft ist seit über 40 Jahren als Bauträger und Investor tätig. In Baden-Württemberg realisierte sie nach eigenen Angaben bislang mehr als 100 Projekte. Das 1980 gegründete Unternehmen mit Sitz in Dossenheim im Rhein-Neckar-Kreis hat einen Jahresumsatz zwischen 160 und 180 Millionen Euro und rund 120 Mitarbeiter. In Wendlingen zeichnet die FWD für die Betreutes-Wohnen-Anlage im Taläcker, die 2016 fertiggestellt wurde, verantwortlich.

Architekten
Die Architektenwerkgemeinschaft Weinbrenner, Single, Arabzadeh ist ein international tätiges Unternehmen mit Sitz in Nürtingen und Stuttgart. Das Architekturbüro wurde im Jahr 1953 gegründet. Laut dem Geschäftsführer Afshin Arabzadeh kommen die meisten Projekte der Partnerschaft aus der öffentlichen Hand.