Foto: Leif-Hendrik Piechowski

SPD setzt auf neue Gespräche mit der Stadt – Fast alle Konzerte können verlegt werden.

Stuttgart - Am Sonntag findet das letzte Konzert in der Stuttgarter Rock-Discothek Die Röhre statt. Der Vorplatz des Clubs wird vom kommenden Montag an Teil des Bauvorfeldes des Verkehrs- und Städtebauprojekts Stuttgart 21. Ein gesicherter Zugang zur Röhre als ­Konzertbühne sei deshalb „aus sicherheits- und haftungsrechtlichen Gründen nicht möglich“, wie Markus Vogt, Sprecher der Stadt Stuttgart, sagt.

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Die Betreiber der Röhre werfen der Bahn als Bauherr von Stuttgart 21 und der Stadt ­Stuttgart als Projektpartner dagegen Ortsunkenntnis vor. Derweil laufen die Bemühungen, die Röhre-Konzerte zu verlegen, auf Hochtouren. Wichtig ist dies vor allem für die vielen Nachwuchsbands, die auf ihrer ersten Tournee in Stuttgart haltmachen wollen und jetzt keine passende Konzerthalle mehr haben.

30 Konzerte sind in der Röhre bis zum 25. Juni geplant gewesen. Darunter Szenegrößen wie die Emil Bulls oder Prinz Pi. Solche Konzerte ­werden ins LKA Longhorn in Stuttgart-Wangen verlegt. Unbekanntere Musiker wie The Dynamics und Down Below müssen in kleinere Clubs wie den Kellerklub oder das Universum ausweichen. „Unsere Veranstaltungen konnten wir alle in anderen Hallen unter­bringen“, sagt Arnulf Woock, Sprecher der Veranstalter Musiccircus und SKS Russ. „Von diesem Donnerstag an stehen auf unseren Webseiten die neuen Termine.“ Das Konzert der Band D-A-D, das die Röhre alleine geplant hat, wird in der Ludwigsburger Rockfabrik stattfinden. „Durch so etwas entstehen uns natürlich hohe Mietkosten. Ausfallen werden aber höchstens ein bis zwei Konzerte“, sagt Röhre-Mitbetreiber Jan Drusche.

SPD setzt sich für neue Gespräche ein

Die SPD-Gemeinderatsfraktion will sich mit der Situation nicht abfinden. In einem Antrag wird gefordert, „Klarheit für die Röhre“ zu schaffen. Ziel ist es, dass das Kulturreferat sich mit den Veranstaltern zusammensetzt, „um Lösungen zu finden ­beziehungsweise bei der Verlegung der Spielorte behilflich zu sein“. „Wir haben im Internet gesehen, dass es noch viele Konzerte gibt, die bisher keinen neuen Veranstaltungsplatz gefunden haben“, sagt SPD-Stadträtin Monika Wüst unserer Zeitung. Und: „Deshalb haben wir einen Hilferuf an die Verwaltung ­gesendet.“

Die Stadt, so Wüst, müsse noch einmal mit der Bahn reden, ob es nicht doch möglich sei, einen Zugang freizulassen, ­damit die Röhre-Betreiber weitere Zeit bekämen. „Darüber hinaus kann die Stadt ­Hilfe bei der Suche nach einem neuen Standort für die Röhre anbieten“, sagt Wüst und sieht eine Chance, die Wirtschaftsförderung mit ins Boot zu holen. „Deren Leiterin Ines Aufrecht war unheimlich aktiv bei der Suche für neue Räume der Kulturschaffenden in der ehemaligen Bahndirektion“, sagt Wüst. Die Stadt solle sich noch einmal mit dem Ambo-Kino als Standort beschäftigen. „Vielleicht sind auch die Wagenhallen geeignet.“

Betreiber gehen von langem Leerstand der Röhre aus

Röhre-Mitbetreiber ­Peter Reinhardt sieht gar noch Chancen für die Röhre selbst. „Da die Tunnelbohrplanungen sich eventuell noch ändern, gehe ich davon aus, dass die Röhre für die Baustelle erst in einigen Monaten, wenn nicht sogar Jahren gebraucht wird.“

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