Die Bewohner sollen nur einmal umziehen. Darum wird erst gebaut und dann das Gebäude mit den Pflegezimmern abgerissen. Platz zum Feiern gibt es auch im Neubau. Foto: Alexandra Kratz

Das Bethanien ist in die Jahre gekommen. Die Diak Altenhilfe will das alte Pflegeheim größtenteils abreißen und zwei neue Pflegeheime sowie ein Wohnhaus bauen.

Möhringen - Die Zahlen sprechen für sich. Die Plätze im Pflegezentrum Bethanien sind stark nachgefragt, die Einrichtung ist zu 98 Prozent ausgelastet. 80 Prozent der Bewohner kommen aus der Umgebung. Die Stadt Stuttgart geht davon aus, dass der Bedarf weiter steigt. Im Jahr 2020 werden 900 zusätzliche Pflegeplätze gebraucht, bis zum Jahr 2015 sind es wohl 2100. Der Grund dafür ist vor allem der demografische Wandel, das heißt, dass die Menschen immer älter werden.

„Aus all dem schließen wir, dass die 218 Pflegeplätze im Bethanien auch künftig dringend gebraucht werden“, sagte Florian Bommas am Montagvormittag bei der Pressekonferenz im Bethanien. Er ist der Geschäftsführer der Diak Altenhilfe und stellte die Neubaupläne vor. Denn das Heim am Onstmettinger Weg ist teilweise fast 40 Jahre alt. Es ist größtenteils sanierungsbedürftig. Zudem erfüllt es nicht mehr die heutigen Anforderungen an ein modernes Pflegezentrum. Vor allem gibt es im Bethanien nach wie vor Doppelzimmer. Und nicht jedes Zimmer hat auch eine eigene Nasszelle. So etwas ist mit der Landesheimbauverordnung nicht mehr zu vereinbaren. Darum hatte die Diak Altenhilfe einen Wettbewerb mit vier Architekturbüros ausgelobt. Am Freitag, 21. Oktober, kürte eine Jury die Architektenpartnerschaft Stuttgart (ARP) zum Sieger.

Ein grüner Anger als zentraler Treffpunkt

Das neue Bethanien besteht aus zwei Pflegeheimen mit zusammen 220 Plätzen. Damit wird eine zentrale Forderung der Landesheimbauverordnung erfüllt, denn die Zahl der Plätze verringert sich nicht. Der heute bereits bestehende gerontopsychiatrische Fachbereich mit 48 Plätzen bleibt. Er wird zu einem eigenständigen Pflegeheim für an Demenz erkrankte Menschen erweitert. Das Heim wird 100 Plätze und einen eigenen geschützten Garten haben. Dort, wo sich heute der Saal und die Küche befinden, entsteht ein zweites Pflegeheim mit 120 Plätzen. Zwischen diesen beiden neuen Pflegeheimen ist in einem weiteren Bauabschnitt ein Wohnhaus geplant. Dort könnten zum Beispiel Mitarbeiter, bedürftige Menschen oder Menschen mit Behinderung einziehen. In der Mitte des Geländes befindet sich ein Garten als Treffpunkt für alle. Die Architekten nennen diesen Bereich „grüner Anger“.

In den beiden Pflegeheimen gibt es Wohngruppen mit 15 Parteien. Sie bilden Hausgemeinschaften mit einer großen Wohnküche und einem gemeinsamen Wohnzimmer. Dieses Konzept ermöglicht es, dass mehr Personal direkten Kontakt zu den Bewohnern hat. Im neuen Bethanien gibt es ausschließlich Einzelzimmer mit eigenem Bad. Vorgesehen ist, einen Teil der Zimmer mit einem Durchgang zum Nachbarzimmer zu bauen, sodass Paare nah beieinander wohnen können. Der 600 Quadratmeter große Festsaal muss für den Neubau abgebrochen werden. „Es wird aber auch künftig einen großen Veranstaltungsbereich geben“, betonte Bommas. Denn der Diak Altenhilfe sei die Verankerung des Bethaniens im Stadtbezirk wichtig. Eine Besonderheit des Bethaniens ist zudem die kultursensible Pflege. Seit einigen Jahren baut das Team einen Wohnbereich speziell für orthodoxe Christen auf. Dieser bietet pflegebedürftigen orthodox-gläubigen Menschen eine Heimat, in der sie von Muttersprachlern betreut und von Pfarrern der orthodoxen Gemeinden seelsorgerlich begleitet werden.

Für eine neue Kapelle werden Spenden gebraucht

Ein großer Vorteil des Siegerentwurfs ist zudem, dass die Bewohner nur einmal umziehen müssen. Die beiden neuen Pflegeheime können gebaut werden, ohne dass zuvor Pflegezimmer abgerissen werden müssen. Das ist erst in einem späteren Bauabschnitt erforderlich, nämlich wenn das neue Wohnhaus entsteht.

Die beiden Pflegeheime schlagen mit 22 Millionen Euro zu Buche. Hinzu kommen die Kosten für das Wohnhaus, die aber noch nicht genau definiert sind. Die Diak Altenhilfe möchte Mitte 2018 mit dem ersten Bauabschnitt beginnen. Dem wird auch die Kapelle zum Opfer fallen. Um eine neue Kapelle bauen zu können, sammelt das Bethanien schon seit geraumer Zeit Spenden. Etwa 150 000 Euro werden gebraucht. Wann das neue Bethanien fertig ist, hängt vor allem davon ab, ob die beiden Pflegeheime nacheinander oder zeitgleich gebaut werden. Je nachdem könnte es 2022 oder aber auch erst 2024 werden.

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