Die neuen Preise ärgern vor allem die vielen Stammgäste. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Seit der Tariferhöhung hat das Mineralbad Leuze elf Prozent weniger Besucher als vor einem Jahr. In Zahlen ausgedrückt ist das eine ziemlich hohe Summe.

Stuttgart - Vor knapp einem halben Jahr erhöhte das Mineralbad Leuze den Eintrittspreis für Saunierer drastisch. Es gab damals schon Proteste, die aber vergleichsweise überschaubar waren, da der Sommer keine Hochzeit für die Sauna ist. Das könnte sich jetzt ändern, und einen deutlich spürbaren Rückgang der Besucherzahlen gibt es bereits jetzt.

 

31 891 Besucher weniger

Der Einschnitt am 5. Juni dieses Jahres war gravierend: Saunagänger mussten im Basistarif statt bisher 10,10 Euro plötzlich 15,50 Euro bezahlen, also satte 53 Prozent mehr. Die Reaktionen waren teils heftig: Es gab zwar auf der einen Seite einige Befürworter, die es gut fanden, dass durch den Extratarif für die Sauna etliche „Schaulustige“ abgehalten werden würden, den meisten war die Preiserhöhung aber zu gravierend. Bei den Bäderbetrieben gingen über 200 Protestbriefe ein und auch Vorschläge, die Erhöhung zu mildern, indem man im Basistarif die Grundzeit von zwei auf drei Stunden verlängert. Die Bäderbetriebe hielten aber an der neuen Tarifstruktur fest. Und das zeitigt jetzt Folgen: 2018 besuchten vom 1. Juni bis zum 31. Oktober exakt 291 561 Badegäste das Leuze, in diesem Jahr waren es im selben Zeitraum nach der Tariferhöhung für die Sauna nur noch 259 670, von denen 78 004 den neuen Saunaaufschlag zahlten. Insgesamt kamen also 31 891 Besucher weniger, die an der Kasse im Basistarif zwischen 322 000 Euro (nur Schwimmen) und 494 000 Euro (mit Sauna) bezahlt hätten.

Mehr Besuchen in vergleichbaren Bädern

Für die Bäderbetriebe hat der Rückgang aber nur zu einem überschaubaren Teil mit der Tariferhöhung zu tun. Insgesamt gingen seit zehn Jahren die Besucherzahlen zurück, von 865 635 im Jahr 2008 auf 664 907 Gäste im vergangenen Jahr. Laut Jens Böhm, dem Sprecher der Bäderbetriebe, würden sich durch den Bau des Rosensteintunnels „Verkehrsstaus auf den Zufahrtswegen, sich immer wieder ändernde Verkehrsführungen und verschiedene Änderungen der Gehweg- und Radwegführungen zum Bad“ ergeben. Dies würde die Badegäste vergraulen. Böhm ergänzt: „Darüber hinaus kämpfen wir Jahr für Jahr um Mittel, um das Leuze attraktiver zu machen.“ Fakt ist aber, dass vergleichbare Bäder in der Region nach der Preiserhöhung im Leuze ansteigende Besucherzahlen zu verzeichnen haben.

Ins Mineralbad Cannstatt kamen seit 1. Juni knapp 4000 Badegäste mehr als 2018. Das F3 in Fellbach meldet auf Nachfrage „einen leichten Anstieg der Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr“. Das Fildorado zählt im besagten Zeitraum eine Zunahme an Saunagästen von 2,4 Prozent. Das Spaßbad in Filderstadt vermutet dahinter aber das Sommerwetter, das nicht ganz so extrem heiß und trocken war wie 2018. Auch im F3 glaubt man eher nicht an einen Zusammenhang mit dem Leuze. Auszuschließen sei das allerdings auch nicht.

Preiserhöhung sei „sozial problematisch“

Auf jeden Fall hat das Leuze im Juni Stammkunden verloren, die bis heute nicht zurückgekommen sind. Zum Beispiel die Familie Kurth. Detlef Kurth monierte damals, dass er als Familie mit zwei Kindern 67,20 Euro statt 30,40 Euro zahlen müsste, und bezeichnet das als familienfeindlich. „Wir bleiben weiter fern“, sagt Kurth heute und bedauert zudem, dass er auf eine Erwiderungsmail an die Bäderbetriebe bis heute keine Antwort erhalten habe: Das sei eine „schlechte Kommunikationsform in einer Stadt, die auf Beteiligungskultur setzt“.

Nach 20 Jahren als Stammgast in der Sauna geht Joachim Maier mit seinen drei Saunakumpels zwar nun doch weiter einmal pro Woche ins Leuze, aber nur noch zwei statt früher drei Stunden. Auch er hatte die Bäderbetriebe erfolglos um ein Überdenken der neuen Tarife gebeten. Maier findet die Erhöhung „sozial problematisch“, weil er Saunagäste kenne, die aus finanziellen Gründen ihre Besuche zurückfahren oder ganz einstellen. „Viele der Stammgäste, die wir seit Jahren vom Sehen kennen, kommen nicht mehr“, sagt er, was sich mit den Rückgangszahlen des Leuze deckt. „Und die, die noch kommen, beschweren sich.“

Allerdings nicht alle. Bei einer Umfrage unserer Zeitung nach der Erhöhung gab es auch Zustimmung, da laut einiger Stammgäste diejenigen, die nur zum Gucken in die Sauna gingen, jetzt so gut wie weg seien.