Kanadas Staatschef Mark Carney (re.) war zu Besuch bei König Charles. Foto: imago/Images

Es ist ein Drahtseilakt für König Charles III: Der Monarch will Kanada den Rücken stärken – ohne US-Präsident Donald Trump zu reizen.

Der Mann trägt Holzfällerhemd und Krone, mit verzweifeltem Blick steuert er das Kajak. Sein einziger Gedanke: Bloß nicht Trump erwähnen! Wie es politische Analysen kaum besser vermögen, zeigt die Karikatur des Schweizers Peter Schrank das Dilemma von König Charles III: Einerseits sind der 76-Jährige Monarch – britisches Staatsoberhaupt und zugleich König von Kanada – und seine Gattin Camilla am Montag in die kanadische Hauptstadt Ottawa gereist, um den Untertanen den Rücken zu stärken gegen die Übergriffigkeiten des US-Präsidenten Donald Trump. Andererseits muss der König die Interessen seiner britischen Heimat im Auge behalten. Denn die Londoner Labour-Regierung unter Premier Keir Starmer will Trump bei Laune halten und Konfrontation vermeiden – nicht zuletzt der Ukraine zuliebe.

 

Dementsprechend akribisch dürfte der Besuch geplant worden sein. Hilfreich war sicherlich, dass die Beteiligten sich kennen, schließlich war der liberale kanadische Regierungschef Mark Carney im vergangenen Jahrzehnt Gouverneur der britischen Zentralbank. Seit Amtsantritt im März hat der 60-Jährige den Schulterschluss mit Europa gegen Trumps Zumutungen gesucht, reiste auch bereits zur Audienz beim König.

König Charles zeigte sich solidarisch mit Kanada

Charles hatte zuvor Solidarität bewiesen mit der Ex-Kolonie, die 1867 auf Autonomie pochte – 158 Jahre später aber so loyal zur britischen Krone steht wie kaum ein anderer Teil des einstigen British Empire. Als die kanadische Flagge im Februar ihr 60. Jubiläum feierte, pries der Monarch Kanada als „stolzes, standhaftes und mitfühlendes Land“. Im März pflanzte der Baumliebhaber im Garten des Buckingham-Palastes einen Ahorn, trug beim Besuch eines Flugzeugträgers seine kanadischen Orden – Zeichen, die auf der anderen Seite des Atlantiks dankbar aufgenommen wurden.

Nun also die Reise zur Eröffnung der neuen Legislaturperiode im Parlament von Ottawa, Charles wird die Thronrede halten, mit der die neue Regierung ihr Programm bekannt gibt. Die hat er zwar nur zu verlesen – die Formulierungen kommen aus der Schreibstube des Premierministers. Dennoch stellt die Tatsache, dass dies der König selbst und nicht wie sonst die Generalgouverneurin übernimmt, eine „klare Botschaft der Souveränität“ dar, wie Carney betont.

Der Premierminister hatte Trumps imperialen Ambitionen, Kanada als Bundesstaat in die USA einzugliedern, bereits im Weißen Haus die Stirn geboten. Sein Land stehe „nicht zum Verkauf, niemals“. Dem Gastgeber blieb nur festzuhalten, man solle „nie nie sagen“. In London wiederum hofft man darauf, dass der Besuch der Royals die geschäftlichen transatlantischen Beziehungen stärkt. So umwirbt die Stadt London eifrig kanadische Unternehmen. Bei einem Besuch beschwor Alastair King, britischer Finanzier und als Lord Mayor der Stadt Repräsentant des größten internationalen Finanzplatzes der Welt, kürzlich sein kanadisches Publikum: „Alles, was ihr bisher in New York gemacht habt, bietet London.“ Sollte sich Amerika als „ein wenig unzuverlässig“ erweisen, sei das gar kein Problem – „auf uns ist Verlass, bei uns herrscht Stabilität“.

Bald kommt Trump wieder nach Großbritannien

Aus der kanadischen Stadt Québec kam indes schon eine frohe Botschaft in Richtung Großbritannien: Der dort beheimatete Pensionsfonds CDPQ will in den nächsten Jahren umgerechnet 9,53 Milliarden Euro in die marode britische Infrastruktur investieren.

Die Aussichten sind also gut. Hauptsache, Charles absolviert seinen Drahtseilakt in gewohnter Eleganz. Die Retourkutsche könnte bei einem Fauxpas prompt folgen, muss der Monarch doch schon im Herbst Gastgeber für den US-Präsidenten spielen – bei dessen zweiten Staatsbesuch auf der Insel.