US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump betrachten den Schlüssel zur Grabeskirche in Jerusalem. Foto: POOL

An dem hochkomplexen Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern haben sich schon viele Vermittler die Finger verbrannt. Dennoch sieht Trump eine seltene Chance für die Region. Könnte gerade er jetzt Erfolg haben?

Jerusalem - Der blitzblaue Himmel strahlte um die Wette mit den Gesichtern der höchsten israelischen Staatsvertreter, die Donald Trump am Montagmittag bei seiner Landung auf dem Ben-Gurion-Flughafen ­begrüßten. Darauf verstehen sich die Israelis, solche Zeremonien locker, ohne Anflug von Steifheit, zu inszenieren – ganz im Gegensatz zum formellen Überschwang im saudischen Riad, von wo der US-Präsident samt Ehefrau Melania, Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner im Direktflug eingeflogen war. Natürlich war auch in Tel Aviv der rote Teppich ausgerollt. Aber zum militärischen Ehrenspalier gehörten ebenso Soldatinnen in kurzen Röcken. Bei uns, so lautete die Botschaft, sind Sie, Mr. President, bei wahren Freunden zu Gast.

„Wunderbar, hier in Israel zu sein“, ­bekannte Trump, der weiß, dass solche ­Bilder daheim bei seiner Wählerschaft bestens ankommen. Wie vertraut man miteinander ist, demonstrierten auch sein Wangenküsschen für die Premiergattin Sarah, die sich im knallroten Kleid herausgeputzt hatte, und das kumpelhafte Schulterklopfen, das Trump und Benjamin Netanjahu miteinander austauschten.   Und so wurde gleich zu Beginn allseits „das unverbrüchliche Band“ zwischen den Vereinigten Staaten und Israel in den höchsten Tönen gelobt und mit Komplimenten nicht gespart. Gar als „historisch“ pries Netanjahu den ­Besuch. Niemals zuvor habe ein US-Präsident gleich bei seiner ersten großen Auslandsreise Israel beehrt.

Netanjahu tritt gegenüber Trump selbstbewusst auf

Dass es den Israelis nicht an Selbstbewusstsein mangelt und ihrem Premier schon gar nicht, machte Netanjahu allerdings auch klar. Was Trump in seiner „starken Rede“ auf dem amerikanisch-arabischen Gipfel in Riad gefordert habe, tue Israel bereits seit 69 Jahren, also seit Staatsgründung, nämlich „den Terror bekämpfen“. Dennoch, so Netanjahu, „strecken wir unsere Hände aus, Frieden mit all unseren Nachbarn zu schließen, einschließlich den Palästinensern“.  

Von einer „seltenen Gelegenheit“, in diese Region Sicherheit und Stabilität zu bringen, um „eine Zukunft in Harmonie, Wohlstand und Frieden zu schaffen“, sprach wiederum Trump. Während seiner Tage in in Saudi-Arabien habe er „neue Gründe zur Hoffnung“ gefunden, wie etwa das dort unterzeichnete Abkommen zur Terrorbekämpfung. Was allerdings noch nicht heißt, dass Trump und Netanjahu, die sich so gerne als allerbeste Freunde geben, im Palästina-Konflikt auf Augenhöhe sind.

Die palästinensischen Pfadfinder mussten zu Hause bleiben

Staatsoberhaupt Reuven Rivlin verkniff sich jedenfalls nicht, auf den Jerusalem-Tag hinzuweisen, der in diesem Jahr, dem fünfzigsten seit der Wiedervereinigung der Stadt im Sechstagekrieg von 1967, besonders groß gefeiert werden soll. Am liebsten wäre es ­Israel gewesen, wenn Trump daran teil­genommen hätte. In Washington hatte man diese Einladung dankend abgelehnt, um die Palästinenser nicht zu verprellen, die ­Ost-Jerusalem als ihre Hauptstadt beanspruchen. Rivlin indes, der zu Gegnern einer Zwei-Staaten-Lösung zählt, hob Jerusalem als „das schlagende Herz des jüdischen ­Volkes seit 3000 Jahren“ hervor. Wer von einem Frieden träume, betonte Rivlin beim Empfang für Trump in Beit Hanassi, der ­Jerusalemer Staatsresidenz, müsse sicherstellen, dass weder der Iran, noch die Terrorgruppe Islamischer Staat oder die islamistische Hamas weiter Fuß fassen könnten. ­Umso glücklicher sei er, Rivlin, aber, „dass Amerika wieder in der Region präsent ist“.

  Das Klein-Klein des israelisch-palästinensischen Konflikts überschattete derweil Trumps als privat deklariertes Besuchs­programm am Nachmittag in der Jerusalemer Altstadt. Vorgesehen war ursprünglich, dass eine Parade palästinensischer Pfad­finder ihn auf dem 300 Meter langen Fußweg zur Grabeskirche mit Dudelsack und ­Trompeten geleiten sollte. Israel sperrte sich dagegen, weil die jungen Scouts traditionelle Wimpel in den palästinensischen Nationalfarben – schwarz-weiß-grün-rot – ­tragen. Um eine Konfrontation zu vermeiden, mussten die Pfadfinder zu Hause ­bleiben.

Trump steckt Gebetszettel in die Ritzen der Klagemauer

So blieb die Trump-Familie mit den Kirchenführern in dem christlichen Heiligtum unter sich.   Aber auch Netanjahu durfte nicht mit, als der US-Präsident anschließend unter massivem Begleitschutz seiner Bodyguards zur Klagemauer pilgerte. Darauf hatten wiederum die USA Wert gelegt, um jegliche politische Parteinahme in der heiklen Jerusalem-Frage zu vermeiden.

Immerhin, es war das erste Mal, dass ein amtierender US-Präsident seine Hand auf die heilige Stätte der Juden legte. Nach jüdischer Sitte steckten er und Tochter Ivanka auch einen Gebetszettel in die steinernen Ritzen. Ihr Wunsch dürfte mit Frieden in Nahost zu tun haben. Wie er sich den genauer vorstellt, wollte der mächtigste Mann der Welt am Abend unter vier Augen mit Netanjahu sowie beim Festbankett in der Premierresidenz bereden.