Um Windkraft geht es in der Reihe „Walk & Talk“ von Nabu Fellbach und SV Fellbach. Der Experte Tilmann Wied spricht darüber, was alles bei einem Standort zu beachten ist.
Bei der Ausfahrt auf die Schwäbische Alb in der Reihe „Walk & Talk“ von Nabu Fellbach und SV Fellbach geht es zum Windpark Laichingen. Geführt wird die Tour von Tilmann Wied, der sich hauptberuflich mit der technischen Infrastruktur für erneuerbare Energien befasst. Wir haben bei ihm nachgefragt, was es bei einem Standort zu berücksichtigen gibt.
Herr Wied, was macht den Windpark Laichingen auf der Schwäbischen Alb aus, wo die Reihe „Walk & Talk stattfindet?
In dem Projekt wurde als eines der Ersten ein Identiflight-System verbaut, das geschützte Vogelarten erkennt und die Windkraftanlagen abstellt, bevor es zu einer Kollision kommt. Da es in der Umgebung des Projektes Rotmilane gibt, war dieses System für die Genehmigung ein wesentlicher Faktor. Zudem ist der Windpark einfach und umweltfreundlich mit dem Zug und zu Fuß erreichbar. Wir fahren mit dem schnellsten Regionalzug Deutschlands laut Werbung der Deutschen Bahn mit 200 Kilometern pro Stunde zum Bahnhof Merklingen/Schwäbische Alb und wandern von dort zum Windpark.
Welche Kriterien sind entscheidend für die Auswahl der Standorte?
Die Windhöffigkeit, also die Windstärke, und die Netzverfügbarkeit.
Was muss alles bei der Installation der Windräder beachtet werden?
Sämtliche Umwelt- und Baugenehmigungsauflagen sowie die Belange der Kommunen und Anwohner.
Wie aufwendig ist der Transport und wie lange muss im Voraus geplant werden?
Der Transport in diesem Projekt war dank der nahen Autobahn nicht sehr aufwendig. Die Planung der Transportstrecke beginnt im Grunde schon bei der Projektierung, wenn sich die Frage stellt, ob man einen Standort überhaupt erreicht. Dies ist drei bis fünf Jahre vor Errichtung. Die eigentliche Transportgenehmigung wird dann circa sechs Monate vor dem geplanten Transport angestoßen.
Welche Faktoren gilt es beim Naturschutz zu beachten? Die Veranstaltung findet ja gemeinsam mit dem Nabu Fellbach statt.
Sämtliche Belange des Forstes, Artenschutzes, des Bodenschutzes, der Lärm - und Lichtemissionen sowie des Gewässerschutzes.
Um die Akzeptanz zu erhöhen, sollen Kommunen und Anwohner an Windkraftanlagen mitverdienen. Wie erfolgreich ist das Konzept aus Ihrer Sicht?
Je enger die Kommunen und Anwohner eingebunden sind, desto erfolgreicher ist ein Projekt. Es muss Vertrauen und Transparenz hergestellt werden, ansonsten ist eine langfristige und nachhaltige Zusammenarbeit nicht möglich – aber das gilt für alle Investitionsprojekte.
In diesem Projekt begann diese Zusammenarbeit 2014 mit dem Abschluss der Flächenmodellnutzungsverträge. Die Fertigstellung war dann zehn Jahre später. Alle Beteiligten brauchen also einen langen Atem. Es bestand hier auch eine Crowdfunding-Bürgerbeteiligungsmöglichkeit.
Wie lange beträgt in etwa der Zeitraum, in dem eine Windkraftanlage die Energie wieder erzeugt hat, die für Herstellung und Bau benötigt wurde?
Das hängt vom Bautyp und der Windhöffigkeit ab. Genaue Daten für dieses Projekt habe ich da nicht. Wissenschaftliche Studien ergaben Werte von drei bis acht Monaten.
Mit welchen Argumenten versuchen Sie, auf Energiewende-Gegner zuzugehen?
Persönlich versuche ich, zunächst einmal die vorgebrachten Sachargumente zu verstehen und zuzuhören. Da jede Industrie und jede Form der Energieerzeugung Vor- und Nachteile hat, ist es sinnvoll, diese herauszuarbeiten, und dann abzuwägen. Einmal abgesehen vom Klimaschutz liefert uns die geopolitische Lage hier sicherlich gute Argumente für die erneuerbaren Energien.
Welche Zukunftstrends gibt es in der Windenergie?
Die Windkraftanlagen werden immer leistungsfähiger. Momentan werden auch verstärkt sogenannte Hybridkraftwerke geplant, die Windkraft mit Fotovoltaik und großen Batteriespeichern verknüpfen und so an einem Netzknoten die Lastkurve des Verbrauchs abdecken können.
Wie viele Haushalte wird der Windpark in Laichingen versorgen?
Etwa 5000 Durchschnittshaushalte
Welche Rolle spielt die Kommunikation vor Ort?
Eine sehr wesentliche.
Reihe „Walk & Talk“
Nabu und SV Fellbach
Ein Windkraft-Standort wird in der Reihe „Walk & Talk“ von Nabu Fellbach und SV Fellbach am Sonntag, 15. Juni, besucht. Bei der Ausfahrt gibt es Informationen über die Auswahl der Standorte, die Installation der Windräder, den Vogelschutz und manches mehr. Geführt wird die ganztägige Tour von Tilmann Wied. Treffpunkt ist an der U-Bahn-Haltestelle Lutherkirche um 9.10 Uhr. Bei dieser Veranstaltung werden rund zwölf Kilometer gewandert. Anmeldungen erbeten bis Freitag, 13. Juni, über den SV Fellbach unter walk-talk@svf-outdoorsport.de. Bitte mit Angabe, ob eine Fahrkarte benötigt wird. Dann wird ein Gruppenticket organisiert.