Der Stuttgarter Zoo zeigt seit 1967 die Welt unter Wasser im Aquarium, von der Nordsee bis zum Pazifik, vom Schwarzwaldbach bis zum Mekong. Wir tauchen mit ein.
Wer das schlichte graue Betongebäude vor dem Maurischen Garten in der Stuttgarter Wilhelma betritt, dem fällt beim Gang durch das Haus bald auf, dass das Aquarium in drei Teile gegliedert ist: Im Norden sind die Wassertiere der gemäßigten Zone zu finden, der Südteil zeigt die tropischen Süßwasserfische und Bewohner der Korallenriffe. Dazu hin gibt es noch Landtiere: Sie sind in Terrarien zu sehen. Hier können Echsen, Schlangen und Fröschen bestaunt werden. In der Mitte des Aquariums befindet sich die Krokodilhalle mit einer begehbaren Brücke, von der aus auch Deutschlands größtes Leistenkrokodil namens Frederick zu beobachten ist.
Das Aquarium steht übrigens auf dem ehemaligen historischen Prachtbau, dem Maurischen Festsaal, von dem nur noch ein kleiner Rest im Maurischen Garten vor dem Seerosenteich zu sehen ist. Den Maurischen Festsaal hat König Wilhelm I. von Württemberg nach den Entwürfen von Karl Ludwig von Zanth erstellen lassen. Der Saal mit vergoldeten Kronleuchtern und „Diwanfenstern“ entstand zwischen 1847 und 1851. 1944 wurde der Festsaal im Krieg schwer getroffen, ebenso das „Maurische Landhaus“. Die Ruine wurde abgerissen und darauf das Aquarium gebaut.
Das Zuhause für die Welt unter Wasser in der Stuttgarter Wilhelma wurde eigenen Angaben zufolge sechs Jahre lang von 1961 bis 1967 geplant und gebaut. Die Hülle und der Grundriss sind in der Zeit bis heute gleich geblieben. Im Inneren gab es immer wieder Veränderungen. So ist hier auch ein Korallenriff, ein Baggersee, die Sonora-Wüste und der asiatische Regenwald zu erleben – und außergewöhnliche Fische.
Australischer Lungenfische – ein lebendes Fossil
„Der Australische Lungenfisch ist bis zu 1,70 Meter lang“, weiß Wilhelma-Sprecher Birger Meierjohann. Die Fischart gibt es schon seit über 380 Millionen Jahren. Sie lebt ursprünglich im südöstlichen Queensland in Australien. „Er ist damit ein lebendes Fossil“, so Meierjohann. Seine Besonderheit: Er kann sowohl über Kiemen als auch über die Lunge atmen. Letzteres ist aber nur in äußerst sauerstoffarmen Gewässern notwendig.
Schwarzfleck-Kugelfisch mit papageienartigem Schnabel
Der Schwarzfleck-Kugelfisch hingegen kann bis zu 30 Zentimeter lang werden. Ursprünglich stammt er aus dem Indopazifik und ernährt sich unter anderem von Krustentieren, Korallen und Muscheln, die er mit seinem papageienartigen „Schnabel“ knackt. „Damit sich dieser regelmäßig abnutzt, bekommen die Kugelfische in der Wilhelma sogar Krebsscheren zum Fressen“, erklärt Meierjohann. Und Vorsicht: In der Haut, der Muskulatur und den Organen des Kugelfisches ist Tetrodotoxin enthalten, eines der stärksten Gifte im Tierreich.
Bangai-Kardinal ist ein Maulbrüter
Der Bangai-Kardinal kann rund acht Zentimeter lang werden. Die Fischart stammt ursprünglich aus Indonesien. Das Besondere: Bangai-Kardinäle sind so genannte Maulbrüter. Die Gelege mit 20 bis 40 Eiern bleiben einen Monat lang im Maul des Männchens. Nach dem Verlassen des Mauls sind dann die Jungfische vollkommen eigenständig.
Glühkohlenfisch kann das Geschlecht wechseln
Der bis zu 14 Zentimeter lange Anemonenfisch ist im östlichen Indischen Ozean beheimatet. Alle Anemonenfische kommen als Männchen zur Welt, können aber später ihr Geschlecht wechseln und zu Weibchen werden. Sie leben in Symbiosen mit Seeanemonen.
Der Zitteraal schickt Stromstöße
Der Zitteraal kann bis zu 2,80 Meter lang werden. Er stammt aus Südamerika. Der größte Teil ihres Körpers besteht aus drei elektrischen Organen, die aus umgewandelten Muskelzellen bestehen. Auf diese Weise kann er Stromstöße zur Orientierung im trüben Wasser, zur Revierabgrenzung und zum Auffinden von Partnern erzeugen. Mit Stromstößen von bis zu 800 Volt ist er in der Lage, Beute zu töten und sich zu verteidigen.
Piranhas haben messerscharfe Zähne
Der bis zu 50 Zentimeter lange Piranha ist eine der bekanntesten Fischarten Südamerikas. Das Erstaunliche: Er verfügt über messerscharfe Zähne – sie sind allerdings für den Menschen längst nicht so gefährlich, wie oft berichtet wird. Dafür erfüllen sie aber eine wichtige Funktion als Gesundheitspolizei, da sie sich auch von Aas und kranken Tieren ernähren.
Mangarahara-Buntbarsch- seltenster Fisch der Welt
Eine der seltensten Fische der Welt: Wissenschaftlich beschrieben wurde dieser bis 25 Zentimeter lange madegassische Barsch erst 2006. Er galt damals aber schon in der Natur als ausgestorben. Lediglich drei Männchen existierten in menschlicher Obhut. 2013 wurden dann 13 Exemplare in einem Wasserloch auf Madagaskar wiederentdeckt. Durch gezielte Erhaltungszucht in Zoos und Aquarien konnte eine Reservepopulation aufgebaut und die Art somit gerettet werden.
Beulenkopf brütet im Maul die Eier aus
Der bis zu 35 Zentimeter lange Beulenkopf kommt ausschließlich im ostafrikanischen Tanganjikasee vor – und zwar in Wassertiefen von bis zu 40 Metern. Als Maulbrüter nimmt das Weibchen die rund 50 Eier nach der Ablage ins Maul auf – und bewacht ihren Nachwuchs nach dem Schlüpfen noch rund sechs Wochen lang.
Vieraugenfisch hat zweigeteilte Augen
Die bis zu 30 Zentimeter langen Fische leben an den seichten Küsten Mittel- und Südamerikas – meist im Brack- und Meerwasser, manchmal aber auch im Süßwasser. Ihre Besonderheit: Ihre Augen sind zweigeteilt, sodass sie beim Schwimmen an der Oberfläche gleichzeitig über und unter Wasser scharf sehen können.
Sterlet – einziger Stör ganzjährig im Süßwasser
Der bis zu einen Meter lange Sterlet stammt aus Zuflüssen des Schwarzen, des Kaspischen, des Asowschen und des Nordpolarmeeres. Es handelt sich um den einzigen Stör, der ganzjährig im Süßwasser vorkommt. Früher stieg er die Donau zum Ablaichen weit hinauf bis nach Baden-Württemberg. Heute gilt er durch den Verlust von Laichplätzen, die Verbauung und Verschmutzung von Flüssen und Überfischung als vom Aussterben bedroht.
Bitterling brauch Muschel zur Fortpflanzung
Der Bitterling ist ein nur sechs bis neun Zentimeter langer in Deutschland heimischer Fisch. Zur Fortpflanzung ist er auf die Große Flussmuschel und die Große Teichmuschel angewiesen: Mit Hilfe einer Legeröhre wird der Laich im Kiemenraum der Muscheln abgelegt, wo sich die Eier weiterentwickeln. Im Gegenzug heften sich die Larven der Muscheln an die erwachsenen Bitterlinge und werden von ihnen weiterverbreitet.