Betül Sahin, Beba Hadis und der Imam (von links) zeigen den Besuchern den mit Teppichen ausgelegten Gebetsraum. Foto: Eva Herschmann

Das ehemalige Firmengelände in der Salierstraße wurde dank zahlreicher Spenden der 185 Mitglieder Schritt für Schritt umgebaut.

Schmiden - Die Moschee Fatih Camii entspricht von außen so gar nicht den Vorstellungen von einem islamischen Gotteshaus. Minarette gibt es keine. Das Gebäude in der Salierstraße in Schmiden, das früher ein Möbelhandel war, ist ein schmuckloser Flachdachbau. Der Muslimische Verein ist 1998 als Mieter eingezogen und kaufte 2013 das ehemalige Firmengelände mit Hilfe von Spenden der rund 185 Mitglieder. Seitdem wird in Eigenarbeit umgebaut. Denn eine Moschee ist nicht nur ein ritueller Ort des gemeinschaftlichen islamischen Gebets und der Wertevermittlung, sondern auch sozialer Treffpunkt. Fast jedes Wochenende werde geschafft, sagte Beba Hadis, der stellvertretende Vorsitzende. Sobald die Baustelle beendet ist, will der Verein verstärkt an die Öffentlichkeit, um „Vorurteile abzubauen und Missverständnisse auszuräumen“. Ehrenamtliche des Arbeitskreises Internationales Café haben sich schon mal umgeschaut.

Der Eingangsbereich ist modern eingerichtet – mit großer Theke und vielen Sitzgelegenheiten

Der Eingangsbereich ist modern eingerichtet – mit einer großen Theke, vielen Sitzgelegenheiten und einem Fernseher. Hier empfingen Beba Hadis und Betül Sahin, die Jugendbetreuerin ist und in der Moschee Koranunterricht gibt, die Gäste. „Klassen der Hermann-Hesse-Realschule und des Gustav-Stresemann-Gymnasiums kommen seit Jahren regelmäßig. Wir sind ein offenes Haus“, sagte Beba Hadis. Und eines, das sich allein über Spenden finanziert. Im Islam gibt es keine Kirchensteuer. „Bei uns besteht keine Pflicht, monatlich etwas abzugeben, aber jeder spendet jährlich, meist während des Ramadans, Geld an die Moschee.“ Bilder von der Kermes, einem Fest, das einmal im Jahr gefeiert wird, vom Hamsi, dem Sardellen-Fest und vom Fastenbrechen vermittelten einen Eindruck vom Vereinsleben. Und Beba Hadis hatte noch ein großes Anliegen. „Islam bedeutet Frieden, islamischer Terror ist also ein Widerspruch. Die ihn ausüben, sind auch unsere Gegner, weil sie unsere Religion missbrauchen. Wir leiden darunter.“

Männer und Frauen beten in getrennten Gebetsräumen

Der erste Weg beim Rundgang führte die 18-köpfige Gruppe in den Gebetsraum der Männer. Alle zogen ihre Schuhe aus, bevor sie den mit Teppichen ausgelegten Raum betraten. Drinnen wurden sie vom Imam erwartet. Alle drei Monate wechselt der Geistliche, weswegen der derzeitige Imam aus der Türkei auch kein Deutsch spricht. Doch Beba Hadis übersetzte und erklärte die Bedeutung der Gebetsnische, die Mihrāb genannt wird und der Qibla-Wand, die anzeigt in welche Richtung Mekka liegt. Der Imam zeigte, wie er zum Gebet ruft und betete mit Beba Hadis. „Die Frauen haben ihren eigenen Gebetsraum im ersten Stock“, sagte der stellvertretende Vorsitzende. Dass nicht gemeinsam gebetet werde, und wenn, die Frauen hinter den Männern knien, liege nicht an einer Rangfolge, sondern daran, dass es der Konzentration der Männer kaum dienlich sei, wenn sie stets die Frauen im Blick hätten, sagte Beba Hadis. Und: „Alle Fragen werden beantwortet, wir haben nichts zu verbergen.“

Zum Abschluss gab es ein Essen für die Gäste

Zum Abschluss gab es ein Essen für die Gäste. Die Gastgeber tischten Fladenbrote, Pistazien, Gurken, Tomaten, Tee und Süßigkeiten auf. „Alles, was das Herz begehrt“, sagte Peter Wetzel vom Arbeitskreis Internationales Café. Wichtiger war ihm aber, dass er einen Einblick bekommen hat: „Alles hat einen harmonischen Eindruck gemacht, und ich bewundere die Leistung der Mitglieder für die Moschee.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: