Selina Schubnell hält ein Kaninchen der Rasse „Kleinsilber hell“ auf dem Arm: Ihre Kinder Paul und Mia streicheln es. Foto: Simon Granville

Nicht alles, was Hasen und Eier vereint, hat auch gleich mit Ostern zu tun. Das wird bei einer Stippvisite beim Kleintierzuchtverein Friolzheim deutlich. Dennoch wollen die Züchter das Fest nutzen.

Großer Aufruhr bei den Kleintierzüchtern in Friolzheim. Offenbar erwartet ein Großteil der Hühner, Enten und auch der majestätische Pfau in den Außenvolieren an diesem Mittwochabend die Futterlieferung – und tut dies auch lautstark kund. Doch es ist die Presse, die auf der Anlage nahe der östlichen Ortseinfahrt vorbeischaut, und eben nicht der Körnerservice. Enttäuscht zieht das Federvieh von dannen.

 

Kleintierzucht und Ostern: Das hat eigentlich nichts miteinander zu tun

Der Grund für den Besuch: das bevorstehende Osterfest. Der Gedanke: Wenn irgendwo Eier und Hasen in Perfektion vereint anzutreffen sind, dann ja wohl bei einem Kleintierzuchtverein. Im Laufe des Termins, bei dem Vereinsmitglied Selina Schubnell, ihr Ehemann Tizian sowie Kaninchenzuchtwart Daniel Lang bereitwillig Auskunft geben, wird aber klar: Das stimmt so nicht wirklich.

„Kleintierzucht hat mit Ostern eigentlich gar nichts zu tun“, betont Daniel Lang, als man im Vereinsheim zusammensitzt – und fügt hinzu: „Obwohl zur Osterzeit bei uns ständig das Telefon klingelt, weil alle kleine Hasen haben wollen.“ Diese sind gerade fast alle noch sehr jung. Nur wenige Minuten zuvor hat Selina Schubnell eines der kleinen Tierchen aus dem Stall geholt. Sohn Paul durfte es halten, Tochter Mia schaute interessiert zu.

Ist das der Züchternachwuchs? Die Frage stellt sich in Friolzheim wie in fast allen anderen Vereinen. Und da kommt Ostern dann doch zumindest ein bisschen gelegen. Mit einer Osteraktion an diesem Samstag will der Verein die Gelegenheit nutzen, Kindern die Kleintierzucht näherzubringen. Die Jungen und Mädchen basteln und suchen Eier. „Außerdem zeigen wir natürlich unsere Tiere“, sagt Selina Schubnell. Es seien jedoch schon alle Plätze belegt. „Wir wollen im Sommer aber wieder eine ähnliche Aktion starten“, kündigt sie an.

Zuchterfolg ist eine Frage der Ambition

Ansonsten gibt es bei Kaninchenzüchtern kaum einen Ausspruch wie „Oh, was für ein süßer Osterhase!“. Der Blick auf die Tiere entscheidet sich je nach Ambition des Züchters oder der Züchterin. „Wenn man zum Beispiel bei Deutschen Meisterschaften antritt, muss man wissen, was man da tut“, sagt Daniel Lang, der seine Tiere tatsächlich dort präsentiert. Das setze auch einen tieferen Einblick etwa in die Genetik voraus – und damit die Thematik, welche wünschenswerten Merkmale unter welchen Voraussetzungen weitergegeben werden. Es wird klar: Für Begriffe wie „süß“ oder „putzig“ bleibt da vergleichsweise eher wenig Raum.

Kaninchennachwuchs: Die Tiere sind noch sehr jung. Foto: Simon Granville

Lang, 48 Jahre alt, züchtet Kaninchen, seit er 30 ist. Selina Schubnell, die 32-jährige Tochter des Vorsitzenden und mit den Tieren aufgewachsen, hat im vergangenen Jahr nach längerer Pause wieder damit angefangen. Mit ihrem Mann hält sie auf ihrem alten Bauernhof in Hinterzarten im Schwarzwald derzeit zwei Exemplare: Janosch und Sabrina, zwei sogenannte Blaue Wiener.

Manche Rassen klingen wie Apfelsorten

Die Rassebezeichnungen sind bei Kaninchen ohnehin ein Thema für sich: Deutsche Riesen, Teddywidder, Farbenzwerg, Perlfeh, Sachsengold, Triantha und viele andere – manches hört sich an wie eine Apfelsorte. Woher die Bezeichnungen genau stammen, weiß auch Daniel Lang nicht bei allen ganz genau. Bei den Blauen Wienern ist es noch relativ leicht. Der Name ist eine Kombination aus Fellfarbe und Herkunft. Alles weitere ist im sogenannten Kaninchenstandard zu finden, also im großen Nachschlagewerk für Züchter.

Bei den Kleintierzüchtern in Friolzheim hält so gut wie jedes der elf aktiven Mitglieder sowohl Hühner als auch Kaninchen. Was von beidem schwieriger ist? Selina Schubnell glaubt, dass die Hühnerzucht anspruchsvoller sei. Am Ende ist sie sich mit Daniel Lang jedoch einig: Auch hier ist es eine Frage der Ambition, mit der man die Sache betreibt.

Beide eint ebenfalls, dass das eigene Federvieh eigentlich derzeit so nebenher läuft. Bei den Schubnells „läuft“ es sogar im wahrsten Sinne: Der Auslauf für die Hühner auf dem Schwarzwaldhof ist riesig. „Es ist schön, wenn dabei ab und zu ein paar Eier herausspringen“, ergänzt Daniel Lang und lacht.

Nicht jeder Hase ist automatisch ein Osterhase

So endet der nur in Teilen österliche Ortstermin in Friolzheim unter neuerlicher großer Gackerei und mit der Erkenntnis, dass nicht jeder Hase auch gleich zwangsweise die Eier versteckt.

Kleintierzucht: die Ursprünge

Anfänge
 Der Ursprung der Kleintierzucht liegt in der Selbstversorgung der Menschen mit Nahrung. So war eine der Hochzeiten der Zucht etwa nach dem Zweiten Weltkrieg.

Arten- und Rassenerhalt
 In den 1970er Jahren rückte schließlich der Erhalt der Rassevielfalt in den Vordergrund – was nicht heißt, dass nicht ab und zu auch Tiere geschlachtet werden.