Ein Dieseltriebwagen auf einer Sonderfahrt bei Gammertingen Foto: Klaus Franke

Eine der schönsten Bahnstrecken auf der Alb wird wiederbelebt – zwischen Engstingen und Gammertingen rollen bald wieder Pendlerzüge. Für die Gemeinden ist das ein Segen.

Gammertingen - Jahrzehntelang war eine der charmantesten Bahnstrecken in Baden-Württemberg nahezu stillgelegt. Durch die kleine Albgemeinde Gammertingen rollte noch der eine oder andere mit Holz oder Zement beladene Güterzug, gelegentlich brachten Dampfzüge oder ein Rad-Wander-Shuttle Touristen in die strukturschwache Gegend. Aber das war es dann auch. „Wir sind auf der Alb etwas abgehängt, der Trauf ist eine Art natürliche Grenze“, sagt Bürgermeister Holger Jerg. Umso mehr freut er sich über die Wiederbelebung einer vernachlässigten Verbindung: Von Mitte 2019 an sollen zwischen Engstingen und Gammertingen wieder regelmäßig Personenzüge fahren.

Schüler können von Bussen auf die Bahn umsteigen, die Straße wird entlastet. „Das ist eine einzigartige Gelegenheit, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen“, lobt Jerg die Investition. Er hat für die Erhaltung der Gleise gekämpft. „Es ist gut, wenn das Land auch in der Fläche Züge bestellt.“ Der ländliche Raum brauche dringend gute Verkehrsanbindungen und eine konsequente Elektrifizierung.

Die Schwäbische Alb-Bahn soll die Strecke künftig betreiben

Die Reaktivierung der Strecke wird knapp 1,3 Millionen Euro kosten. Etwa die Hälfte des Geldes stammt aus Förderprogrammen, die andere Hälfte übernehmen die Firma SWEG Schienenwege, der Landkreis Reutlingen und die einzelnen Kommunen. Die Schwäbische Alb-Bahn soll die Strecke künftig betreiben. Geplant ist eine neue Haltestelle am Schulzentrum in Großengstingen, etliche bestehende Bahnsteige werden modernisiert.

Auch Landrat Thomas Reumann freut sich: Das sei ein großer Gewinn für die Gemeinden auf der Reutlinger Alb. „Die Bahn ist ein unverzichtbarer Aktivposten für den aufstrebenden Tourismus“, betonte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und begrüßt den Ausbau des Nahverkehrs auf der Schwäbischen Alb.

Deutlich verbessert wird auch die Vernetzung Richtung Ulm. Vorgesehen sind weitere Verbindungen zwischen Gammertingen und Münsingen sowie zwei Fahrtenpaare nach Ulm. „Mit einem täglichen Zugangebot, aber auch mit der neuen Regio-Buslinie Bad Urach–Münsingen wird der Nahverkehr in dieser Region immer mehr eine bequeme Alternative zum Auto – sowohl für die Menschen auf der Alb als auch für ihre Besucher“, erklärt der Verkehrsminister in einer Pressemitteilung. Das Biosphärengebiet sollte möglichst gut mit umweltfreundlichen Transportmitteln erreichbar sind, findet Hermann.

Für Mike Münzing, den Bürgermeister von Münsingen und Vorsitzenden des Tourismusverbands Schwäbische Alb, ist die Reaktivierung der Strecke ein Erfolg auf ganzer Linie. Eines Tages könnte Engstingen ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt werden, sagt Münzing mit Blick in die Zukunft. Wenn die geplante Regionalstadtbahn Neckar-Alb Wirklichkeit werde, rücke auch ein bequemer Schienenalbauf­stieg näher. Dann könne sich Stuttgarts zweiter Speckgürtel allmählich in Richtung Schwäbische Alb ausdehnen.

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