Besser Essen Wie zu Omas Zeiten

Von Susanne Hamann  

Die Eselsmühle in Musberg ist ein hübsches Ausflugsziel für gestresste Großstädter

Leinfelden-Musberg - Gemütlicher geht es kaum: die Wände in warmem Dottergelb getüncht, acht alte Holztische mit rot-weiß karierten Deckchen, bunt zusammengewürfelte Stühle mit bequemen Kissen. Auf den Simsen vor den Sprossenfenstern lagert allerlei jahreszeitlich passender Deko-Krimskram wie Tannenzapfen oder rote Glasherzen. Liebevoll nostalgisch ist die Gaststube der Eselsmühle. Wie zu Omas Zeiten, so richtig zum Wohlfühlen. Drei Häuser zählen zu dem Ensemble im Siebenmühlental. Ein Ort mit Tradition: Über 600 Jahre schon dreht sich hier ein Mühlrad am Reichenbach. Seit 1937 befindet sich das fünf Hektar große Gelände mit einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeensemble im Besitz der Familie Gmelin-Bauer. Inzwischen hat die dritte Generation die Leitung.

Hinter einer kleinen Holztür können Besucher sich das große Mühlrad ansehen, das sich noch immer wild schnaufend durchs Wasser pflügt. Seine Kraft treibt allerdings keine Mühlsteine mehr an. "Seit vier Jahren mahlen wir nicht mehr selbst. Die Anlage war einfach zu alt und produzierte im Vergleich zu modernen Mühlen zu wenig", erklärt Natalie Barthels. Die 40-jährige promovierte Ärztin führt gemeinsam mit ihrem Mann Meinrad Bauer (52) die Eselsmühle. Heute konzentriert sich der Familienbetrieb auf die Bäckerei, die Landwirtschaft und die Gastronomie. Im Nebengebäude wird in acht alten Öfen über Tannen- und Fichtenscheiten ein wunderbares Holzofenbrot gebacken. Die knusprigen Laibe und andere Köstlichkeiten bietet die Familie - unterstützt von fast 40 Mitarbeitern - im hauseigenen Kaufladen feil (das Brot gibt es auch in vielen Bioläden zu kaufen). Direkt über dem Laden befindet sich das kleine Restaurant, die Mühlenstube. Im Sommer kann man wunderschön im gepflasterten Hof sitzen, im Winter ist es umso uriger in der Stube. Für Festgesellschaften steht ein umgebauter Stall zur Verfügung.

Bei unserem Besuch zur Mittagszeit ist das Café gut gefüllt. Alle Tische sind belegt, an einem rücken fremde Leute kurzerhand zusammen und kommen gleich ins Gespräch: "Die Maultaschen sehen aber gut aus." - "Schmecken auch prima." - "Dann nehme ich die auch." Unkompliziert und lässig geht es in der Mühlenstube zu. Das Publikum: wanderlustige Senioren, Mütter mit Babys, die beim Spaziergang ein Kaffeepäuschen einlegen, und Büromenschen, die in ihrer Mittagspause etwas Gesundes zu sich nehmen möchten. Denn die Eselsmühle ist ein Demeter-Betrieb. "Auch im Restaurant verwenden wir konsequent Bioprodukte und bereiten alle Gerichte frisch zu", sagt Natalie Barthels.

Küchenchef Murat Gögüs kocht regional-schwäbisch, auf der Karte stehen viele vegetarische Gerichte. Das Wirsingsüppchen mit Walnussbaguette (4,50 Euro) schmeckt vorzüglich, der Demeter Salat mit warmem Honig-Sesam-Ziegenfrischkäse (11 Euro) besticht durch Top-Frische. Eine ungewöhnliche, aber durchaus leckere Kombination sind die Nuss-Maronen-Kartoffel-Rösti mit Bergkäse überbacken (9 Euro), stilecht im gusseisernen Pfännle serviert. Die vegetarische Maultasche mit Ricotta, Parmesan und Spinat gefüllt und in Salbeibutter geschwenkt (9,50 Euro) ist etwas flach geraten und ähnelt mehr einer dicken Lasagneplatte, schmeckt aber ebenfalls köstlich. Der Vollkornteig stammt selbstverständlich aus der hauseigenen Bäckerei.

Wer nach dem Essen noch ein paar Schritte geht, kann übrigens auf dem Gelände auch vier echte Esel entdecken: Trip, Luc, Oskar und Aisha heißen die Grautiere.

Mühlenstube, Eselsmühle, 70771 Leinfelden-Musberg, www.eselsmuehle.com. Geöffnet dienstags bis sonntags von 12 bis 23 Uhr, montags geschlossen, Telefon 0711 / 7542805. Der Kaufladen ist montags bis samstags von 9 bis 18 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Direkt an der Mühle gibt es nur wenige Parkplätze. Am besten stellt man seinen Wagen auf dem Platz unter dem Viadukt direkt an der Kreisstraße ab und geht ein paar Schritte zu Fuß.
 

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