Die Klosterschmiede-Chefs Karl (li.) und Jürgen Schempf (beide stehend) mit Gästen Foto: StN

Der Schwabe bekommt in der Klosterschmiede  das serviert, was er kennt und schätzt.

Ach, wie herrlich ist es, an einem sonnigen Frühlingssonntag im nagelneuen Cabrio (das sich die Freundin für diesen Anlass von ihrem Freund geliehen hat) ins Klosterstädtchen Maulbronn zu fahren. Am besten auf der Landstraße, dann hat man auch was von der Blütenpracht.

Die Idee mit Maulbronn haben allerdings viele, das Kloster, 1147 gegründet, gilt als besterhaltene mittelalterliche Anlage nördlich der Alpen und gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Die ehemalige Zisterzienserabtei ist ein beliebtes Ausflugsziel. Am Wochenende strömen Hunderte, wenn nicht Tausende. Angelockt vom weitläufigen, um einen riesigen Hof gruppierten Klosterensemble mit Kirche, Küferei, Fruchtkasten, Lapidarium, Brunnenhaus und evangelischem Internat, in dem unter anderen auch Hermann Hesse, Friedrich Hölderlin oder Johannes Kepler die Schulbank drückten.

Wer bei so viel Hochkultur Appetit bekommt, und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, findet hier ein Kleinod gehobener schwäbischer Gastlichkeit und Tradition. "Die Klosterschmiede ist seit 1686 nun schon in der zehnten Generation in Familienhand", erzählt der Inhaber Jürgen Schempf stolz. Der Betriebswirt und sein Bruder teilen sich die Aufgaben: Für Küche, Karte und Produktgestaltung ist Mitinhaber und Küchenmeister Karl Schempf verantwortlich - Jürgen Schempf für die kaufmännische Seite.

Das Restaurant in dem schmucken Fachwerkhaus brummt, und man ist gut beraten, vorab einen Tisch zu reservieren, um am Wochenende überhaupt einen Platz zu bekommen. Und das, obwohl man das Preisniveau durchaus als gehoben bezeichnen kann. Doch die Klosterschmiede ist keine Versorgungsstation für Touristen. Im Gegenteil. Das liegt am stilvollen Ambiente der vier Gasträume, darunter die besonders originelle Fauststube. Und natürlich am Speisenangebot, vor allem an den Maultaschen, die angeblich in Maulbronn erfunden wurden. Die sind hausgemacht und stehen in vielen Varianten auf der Karte: klassische Maultaschen, Lachsforellen-, Gemüse-, Geflügel- sowie je nach Saison Reh- oder Pilzmaultaschen. "Mein Vater hat es mit der längsten Maultasche der Welt ins Guinnessbuch geschafft", erzählt Jürgen Schempf.

Der Schwabe bekommt hier auch sonst das serviert, was er kennt und schätzt: Flädlesuppe, Zwiebelrostbraten, Württemberger Lammrücken, Weideochsen-Rückensteak, Saiblingsfilet, Schupfnudeln, jede Menge Spätzle, aber auch Petersilienwurzelpüree und Rosmarinkartoffeln. Und der Weinkeller ist gut gefüllt.

"Saisonal passend bieten wir Bärlauch- und Spargelgerichte an, gelegentlich auch schwäbische Klassiker wie Saure Nierle oder Kutteln", zählt Jürgen Schempf auf. Die Frage, ob etwa japanische Besucher Gefallen an solchen Spezialitäten finden, amüsiert ihn. "Neugierig sind solche Gäste schon, aber essen würden sie so etwas nicht." Meine Freundin und ich lassen uns Zwiebelrostbraten (21 Euro) und Lammrücken (26 Euro) schmecken, das Lammfleisch vor allem ist butterzart und mit einer köstlichen Gewürzkruste bedeckt. Fein abgeschmeckt sind auch die Soßen.

"Wir verwenden ausschließlich frische Produkte aus der Region", sagt Jürgen Schempf, "bei uns gibt es weder Convenience- noch Tiefkühlprodukte." Er hätte es eigentlich gar nicht sagen müssen, man sieht, riecht und schmeckt es.

Schade, dass wir bei unserem Besuch nur Wasser, aber keinen Wein probieren dürfen und auch auf einen Nachtisch verzichten müssen - denn wir fasten: kein Alkohol, nichts Süßes. Selten fällt das so schwer wie in dieser Umgebung. Zumal der Blick zu den Nebentischen Grund zu der Annahme gibt, dass der Schwarzwälder Eisgugelhupf eine prima Abrundung gewesen wäre. Nun ja, wir nehmen einen doppelten Espresso, ohne Zucker versteht sich. Und lassen uns wenigstens eine große Packung Herrgottsbscheißerle zum Mitnehmen einpacken.

Klosterschmiede, Klosterstraße, 75433 Maulbronn, Telefon 07043/108-0, www.klosterschmiede.de. Geöffnet täglich 11.30-14.30 Uhr und ab 17.30 Uhr bis mindestens 21 Uhr (open end), Sa und So durchgehend geöffnet und warme Küche.

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