Die Wahl ist längst gelaufen, doch noch immer nicht abgeschlossen. Foto: Gottfried Stoppel

Warum ist Schorndorf noch nicht fertig? Wer ist der Stimmenkönig? Wo sind die fleißigsten Wähler? Und warum ist die Ali sauer auf die Grünt? Antworten aus der Wahlnachlese gibt es hier.

Rems-Murr-Kreis - Der Auszählmarathon in den 31 Kommunen des Rems-Murr-Kreises ist beendet. Was beim Blick auf die Ergebnisse aufgefallen ist.

Waiblingen wird fertig

In der Kreisstadt hatte man die Auszählung am Montagabend abgebrochen und am Dienstag bis in den Nachmittag hinein weiter gezählt. Den hohen Anteil an Briefwählern, die bessere Wahlbeteiligung im Vergleich zu vor fünf Jahren und die komplizierte Auszählarbeit durch viele Listen und häufiges Kumulieren und Panaschieren hatte der Oberbürgermeister Andreas Hesky als Grund für das lange Warten auf das Endergebnis genannt. Am Ende bestätigte sich, was bereits die Zwischenergebnisse am Montag signalisiert hatten: Die vier großen Fraktionen von CDU, SPD, Freien Wählern und Alternativer Liste (Ali) verlieren je einen Sitz. Dafür ziehen die AfD mit zwei Stadträten und die Tierschutzpartei mit einem Abgeordneten neu ins Stadtparlament ein. Einer derjenigen, die höchst unglücklich mit dem Wahlergebnis in der Hauptstadt des Rems-Murr-Kreises sind, ist Alfonso Fazio, der Fraktionssprecher der Ali-Fraktion. Die Alternative Liste hat – bei einem Minus von rund einem halben Punkt – nicht vom ansonsten quasi allgegenwärtigen Boom für die Grünen profitiert. Der Grund sei klar, schimpfte Fazio im Waiblinger Ratssaal als die ersten Zahlen über den Bildschirm liefen. Die Liste Grünt, die mit vollem Namen Grüne, Natur- und Tierfreunde heißt und schon in der vergangenen Periode mit einem Rat im Gremium saß, habe der Ali die Stimmen weggeschnappt, so Fazio – und das, obwohl dort – im Gegensatz zur eigenen Liste – „kein Grüner dabei ist. Die haben mit Absicht „Grün“ mit in ihren Namen gesetzt, das ist doch Wählertäuschung“.

Schorndorf muss noch etliche Zweifelsfälle prüfen

Noch länger dauert es dieses Mal in der Daimlerstadt. Wegen einer deutlich höheren Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren und vor allem wegen „kniffliger Fälle“ wird das Endergebnis der Kommunalwahl sogar erst an diesem Mittwochvormittag feststehen. „Der Gemeindewahlausschuss muss in etlichen Fällen prüfen, ob die Art und Weise der Stimmabgabe gültig ist“, erläutert der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich. Einige Wähler hätten ihre Striche oder Ziffern nicht deutlich genug gemacht, manches Kreuzchen sei so verrutscht, dass es keinem Kandidaten eindeutig zugeordnet werden könne. „Und es gibt viele Rechenfehler“, sagt Hemmerich. Wenn aber 33 anstatt 32 Stimmen vergeben werden, dann sei der ganze abgegebene Wahlzettel ungültig. „Das ist natürlich schade für die Kandidaten“, sagt Hemmerich.

Der Stimmenkönig kommt aus Backnang und ist eine Frau

Kreisweite Stimmenkönigin ist wie schon vor fünf Jahren die Backnanger Ärztin Ute Ulfert. Hinter ihrem Namen machten bei der Gemeinderatswahl in Backnang 15 439 Wähler ihr Kreuzchen – und das, obwohl Backnang gar nicht die meisten Wahlberechtigten im Rems-Murr-Kreis hat. Die nennt mit Abstand die Stadt Waiblingen ihr eigen. Dort kam der Bäckermeister Hermann Schöllkopf für die CDU/FW auf 12 938 Stimmen. Den zweiten Platz auf dem Treppchen hat der Fellbacher Ulrich Lenk für die FW/FDP (13 832) inne, gefolgt von seinem Ratskollegen Jörg Schiller, der für die Fellbacher CDU 12 989 Stimmen ergatterte.

Winterbach wählt am zahlreichsten

Die fleißigsten Wähler auf kommunaler Ebene kommen aus Winterbach. Dort lag die Wahlbeteiligung für den Gemeinderat bei 69,2 Prozent, für die Europawahl sogar bei 72,6 Prozent. Die Gemeinde Berglen folgt auf Platz zwei mit einer Beteiligung von 67,6 Prozent.

Die Big zieht erstmals in ein Ortsparlament ein

Erstmals in ein Ortsparlament des Rems-Murr-Kreises ist in Backnang ein Vertreter des Bündnisses für Innovation und Gerechtigkeit (Big) gewählt worden. Mit dem Slogan „Aus Backnang für Backnang“ hatte der Industriemechaniker Erdal Demir für sich und die in Köln von Muslimen gegründete Partei geworben, die in Backnang 8498 Stimmen (2,3 Prozent) erreicht hatte.

Wo die SPD keine Verluste hat hinnehmen müssen

Ja, es gibt sie noch, die Orte an denen die SPD zumindest bei den Kommunalwahlen Zuwachs verzeichnet. Beispiel Korb: Da haben es die Sozialdemokraten auf ein Plus von 2,8 Punkten gebracht. Allerdings war es dort auch nicht einfach, die Ausbeute von 2014 zu unterbieten. Denn damals standen 9,4 Prozent zu Buche – jetzt sind es 12,2. Im Korber Rat macht sich das nicht bemerkbar. Es bleibt bei den zuvor belegten Sitzen.

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