Fische, Matrosen, Gewitter: Im städtischen Feierraum gibt es ein besonderes Gastspiel. Das junge Publikum ist bei „Post von Opa“ voll dabei.
Ist es schwer, heutzutage Kinder für eine Theateraufführung zu begeistern? Auf der Mattscheibe gibt es eine vielfältige, manchmal unselige Konkurrenz von bunt schillernden, manchmal auch schrillen Filmen. Untermalt nicht selten durch aggressive bis laute Musik.
Selbst die pädagogisch einigermaßen unbedenkliche „Paw Patrol“ präsentiert sich mit viel Action. Dennoch: Zum Schauspiel waren am Sonntagfrüh im städtischen Feierraum jetzt erstaunlich viele Kinder samt Eltern/Großeltern gekommen, hörten konzentriert zu und verabschiedeten die drei Darstellerinnen mit viel Applaus.
Die Kinder sind voll dabei
Diese haben es intelligenterweise auch gar nicht erst versucht, mit der bunten Bilderwelt der elektronischen Medienkonkurrenz aufzunehmen, sondern setzen dort an, wo die Kinder eigentlich am ehesten zu begeistern sind, nämlich im Bereich der Fantasie. Außerdem dürfen die kleinen Besucher beim Ohrwurm „Post von Opa“ stets mitsingen. Denn der fiktive Opa berichtet in seinem Brief von der abenteuerlichen Reise auf einem Schiff, erzählt von Fischen, vom Hafenaufenthalt, von der Musik der Matrosen, vom Tanzen und Feiern und vom müde sein und zu Bett gehen.
Die Erlebnisse werden häufig eher pantomimisch angedeutet, als voll ausgekostet, sodass der Impetus darin besteht, dass die jungen Zuschauer Anstöße bekommen, die angedeutete Realität in der eigenen Vorstellung weiterzuentwickeln. Mit dem einsetzenden Schlaf endet dann auch leise das Stück. Abseits jeglicher Effekthascherei werden die kurzen Briefzitate des fiktiven Großvaters mit mit passenden Musikstücken illustriert, nicht nur auf dem Klavier, sondern auch im Zusammenspiel von Querflöte und Geige, sodass die Aufmerksamkeit der Kinder immer wieder neu geweckt wird.
Wenn es um Regen, Gewitter und Meeresrauschen geht, dann werden natürlich auch Geräuscherzeuger mit eingesetzt und beim Donner dürfen die Kinder wie die Darstellerinnen mit den Füßen auf dem Boden stampfen. Begeisterung auslösendes Detail: Als der Opa schreibt, dass er den Transport von Hühnern auf einem Schiff gesehen hat, erklingt, vielen wahrscheinlich wohl bekannt, der berühmte Satz der Küchlein tanzend in ihren Eierschalen aus Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“.
Die nächsten Projekte warten schon
Wie es wahrscheinlich auch zur Erlebniswelt der Kinder gehört, werden die beobachteten Fische als große selbst gebastelte Silhouetten von Hand vor dem Wasser hin- und herbewegt. Dazu erklingt ein munterer Walzer der drei Darstellerinnen. Sie schaffen es sogar, zu dritt Klavier zu spielen, was aber keine Erfindung unserer heutigen Tage ist, sondern auch bei Wolfgang Amadeus Mozart überliefert ist.
Die Darstellerinnen Melissa Rümpler, Leonie Mohl und Miriam Schmidt sind ausgebildete Musikpädagoginnen und arbeiten im Bereich der elementaren Musikpädagogik an der Musikschule Böblingen und Filderstadt. „Wir haben während des Studiums an der Hochschule in Stuttgart an den Projekten der Kinderkonzerte mitgearbeitet und haben diese Ideen übernommen“, sagt Melissa Rümpler, die sich freuen würde, gerade dieses Projekt auch noch anderweitig aufführen zu können. Das nächstes Projekt ist bereits in Planung. Es beschäftigt sich mit dem Phänomen der Zeitmaschine. „Am 12. und 13. Oktober widmen wir uns zusammen mit dem Paul-Gerhardt-Orchester in Stuttgart den verschiedenen Musikepochen.“
Das nächste Projekt der hauseigenen Theatergruppe findet ebenfalls im Oktober statt. Es ist eine Musik- und Tanzshow, die sich dem Thema Geisterbahnhof widmet.