Der Ausbilder Stelian Kirr (rechts) erklärt dem Praktikanten Abdul Athar, worauf er achten muss. Foto: Gottfried Stoppel

Die Firma Herrmann in Plüderhausen gibt auch jungen Menschen eine Chance, die schlechte Startbedingungen haben. Die Handwerkskammer Region Stuttgart würdigt das nun mit der Verleihung der Bildungspyramide.

Plüderhausen - Noten sind für die Firma Herrmann nicht alles, wenn es darum geht die passenden Azubis und Praktikanten zu finden. „Wir geben auch Jugendlichen eine Chance, die nicht unbedingt die besten in der Schule sind“, sagt Hansjörg Ludwig, der Geschäftsführer des mittelständischen Handwerksbetriebs mit rund 80 Mitarbeitern. Dieser Umstand und einige andere Faktoren wie die Vorbildfunktion in Sachen Ausbildung haben die Handwerkskammer Region Stuttgart (HWK) überzeugt, sodass sie jüngst die Plüderhausener Firma – gemeinsam mit fünf weiteren Betrieben aus der Region – mit der Bildungspyramide ausgezeichnet hat.

„Die Ausbildung eigener Fachkräfte ist bei uns schon lange ein Thema in der Firma“, sagt Ludwig. Bereits seit 20 Jahren bildet der Betrieb, der sich auf Gebäudetechnik und -automation spezialisiert hat, aus. Seit 2003 können junge Menschen zum Beispiel den Beruf des Elektronikers für Automatisierungstechnik bei Herrmann erlernen – ein Bildungsgang, der damals gerade erst eingeführt worden war.

Sechs Azubis, zwei Studenten, zwei Praktikanten

Heute hat die Firma, die 1979 gegründet wurde, sechs Azubis, zwei Studenten der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und zwei Praktikanten unter Vertrag. Sechs verschiedene Ausbildungsgänge bietet das Unternehmen. Und all das immer mit dem Ziel, die eigenen Auszubildenden am Ende zu übernehmen. „Wir haben jetzt erst wieder zwei eingestellt“, so Ludwig.

Die Handwerkskammer haben mehrere Faktoren überzeugt, auf die der Geschäftsführer stolz ist – wie etwa die Erfolge der ehemaligen Azubis: Drei Elektroniker für Automatisierungstechnik haben es bei Azubi-Wettbewerben zum Kammersieger gebracht, weitere drei zum Landessieger. 2013 hat ein Herrmann-Azubi den zweiten Preis beim Bundeswettbewerb für die besten Auszubildenden geschafft.

Stolz ist Hansjörg Ludwig auch auf seinen Ausbildungsleiter, dessen Beispiel zeigt, wie die Firma sich um ihre Azubis kümmert – und das von Anfang an. Sebastian Zehnder ist ein echtes Eigengewächs: Nach der Realschule machte der heute 32-Jährige eben diese Ausbildung als Elektroniker in der Automatisierungstechnik, dann sattelte er den Techniker für Automatisierungstechnik und Mechatronik drauf. Das war dem ehrgeizigen jungen Mann nicht genug. Denn berufsbegleitend absolvierte er ein Studium der Elektrotechnik. Heute ist er Projektleiter in Hauptverantwortung und Ausbildungsleiter – und weiß, was Azubis und Praktikanten brauchen.

Es muss menschlich passen

Noch ganz am Anfang seiner Herrmann-Laufbahn steht Abdul Athar. Bei dem 28-Jährigen ist der weitere Weg noch offen. Seit kurzem ist der junge Mann aus Afghanistan Praktikant bei Herrmann. „Ich hoffe, dass ich im Herbst einen Ausbildungsplatz hier bekomme“, sagt der zurückhaltende junge Mann. Seine Chancen dafür stehen laut Ludwig recht gut. „Wir engagieren uns schon länger für Benachteiligte oder für Menschen mit Migrationshintergrund“, sagt der Geschäftsführer. Bei der Einstellung achten er und Ausbildungsleiter Zehnder vor allem darauf, ob es menschlich passt, ob der Bewerber Potenzial zeigt und einen Ehrgeiz entwickeln kann. „Wir sind da recht offen“, so Ludwig.

Das alles hat offensichtlich bei der Handwerkskammer Anklang gefunden. „Die Preisträger bestechen durch eine herausragend Qualität und Kontinuität in der Ausbildung“, sagt der Hauptgeschäftsführer Thomas Hoefling: „Sie nutzen innovative Ausbildungselemente, engagieren sich ehrenamtlich, unterstützen besonders benachteiligte Jugendliche oder schaffen Ausbildungsplätze für junge Menschen mit einer Behinderung oder einem Migrations- und Flüchtlingshintergrund.“ So habe die Firma Herrmann bereits mehrfach Auszubildende aufgenommen, die in anderen Firmen entweder entlassen wurden oder dort sehr unglücklich waren.

Hansjörg Ludwig war zunächst überrascht, freut sich aber über die Auszeichnung mit der Bildungspyramide: „Es ist eine schöne Anerkennung – auch für alle Ausbilder im Betrieb.“

Bildungspyramide als Anerkennung

Preis:
Die Handwerkskammer Region Stuttgart hat die Bildungspyramide inzwischen zum 14. Mal an vorbildliche Unternehmen verliehen – darunter jeweils ein Gewinner aus Stuttgart sowie jeweils allen Landkreisen, die zur Region Stuttgart gehören.

Faktoren:
Die Jury bewertet den besonderen Einsatz für die Ausbildung im Handwerk. Dabei spielen Elemente wie die Anzahl der Azubis, Erfolge der Azubis bei Leistungswettbewerben des Deutschen Handwerks oder auch zusätzliche Förderangebote und erschwerte Umstände beim Zustandekommen des Ausbildungsvertrags eine Rolle.

Betriebe:
Die Gewinner der Auszeichnung in diesem Jahr sind die Zimmerei Bohnet in Mötzingen (Kreis Böblingen), die Firma Alber Bad & Heizung aus Filderstadt (Kreis Esslingen), Emil Rapp Bauunternehmung aus Geislingen (Kreis Göppingen), die Firma Raff + Grund aus Freiberg am Neckar (Kreis Ludwigsburg), die Firma Mink Orthopädieschuhtechnik aus Stuttgart sowie das im Artikel vorgestellte Unternehmen Herrmann aus Plüderhausen.

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