Martina Buckenmaier von Riani (links) und Sükriye Döker vom Zauberfaden mit den neuen Kissen, die man gemeinsam herstellen will. Foto: Frank Eppler

Das Modelabel will das Flüchtlingsprojekt weiter unterstützen. Die Nähwerkstatt soll jetzt mit der Erstellung einer neuen „Home-Kollektion“ beauftragt werden.

Schorndorf - Begonnen hat es mit Stoffspenden, dann gab es den zeitlich befristeten Auftrag, kleine Kosmetiktäschchen als Give-aways für Kunden anlässlich der Fashion-Week in Berlin zu produzieren. Nun will das Schorndorfer Modelabel Riani die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Integrationsprojekt Zauberfaden auf eine ganz andere Ebene heben. Die Nähwerkstatt der gemeinnützigen Organisation, in der zurzeit 13 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Gambia, Eritrea oder dem Irak arbeiten, soll mit der Erstellung einer neuen „Home-Kollektion“ beauftragt werden.

Dinge, die das Zuhause schöner machen

Die Idee war, etwas zu finden, das handwerklich vergleichsweise einfach umzusetzen ist und dennoch den eigenen hohen Qualitätsansprüchen genügt, sagt Martina Buckenmaier, die Geschäftsführerin von Riani. Mit edlen Kissen, deren Stoffe aus den Resten der jeweils aktuellen Kleidermodelinie gefertigt werden, will man die Home-Kollektion nun erst einmal starten. Je nachdem, wie sie angenommen wird, soll sie um andere Accessoires, etwa Tagesbettdecken, erweitert werden – um „Dinge, die das Zuhause schöner machen“, wie es die Modemanagerin ausdrückt.

Finanzielle Erträge seien dabei nicht zu erwarten. Im Gegenteil: wie bereits vorherige Aufträge versteht Martina Buckenmaier auch das neue Projekt als Unterstützung einer, wie sie findet, „ganz tollen Integrationsarbeit“. Für jene umgerechnet etwa 35 Euro Stundenlohn, die Riani an den Zauberfaden zahlt, könnte das Unternehmen in seinen Produktionsstätten in Polen, der Ukraine oder Ungarn ganz andere Dinge erwarten. Zudem leistet die Schneidermeisterin Corinna Schweissgut im Musteratelier von Riani wertvolle Vorarbeit, indem sie nicht nur die Prototypen fertigt, sondern auch die kompletten Arbeitsabläufe für die Zauberfaden-Näher ersinnt.

Allumfassende Integrationsarbeit

Mit Lohnarbeit hat der Riani-Auftrag freilich auch nichts zu tun. Die Einnahmen fließen in das Gesamtprojekt, betont die Zauberfaden-Mitbegründerin Sükriye Döker, die neben Klaus Österle als Geschäftsführerin der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft (gUG) fungiert. Deren Ziel sei nicht, einen Produktionsbetrieb zu entwickeln, sondern eine „allumfassende Integrationsarbeit“ zu leisten. Dazu gehöre das Erlernen der deutschen Sprache ebenso wie „in allen Belangen in unsere Kultur einzuführen“, wie es Sükriye Döker ausdrückt, bis hin zu einer psychologischen Betreuung der vielfach traumatisierten Flüchtlinge. Die regelmäßige Arbeit – zu lernen, wie wichtig hier Dinge wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Termintreue genommen würden, sei indes ein wichtiger Bestandteil des Konzepts.

Aufträge wie jener von Riani wiederum seien nicht nur Beschäftigungstherapie, sondern auch wichtig, um das Überleben der gemeinnützige Organisation zu sichern, sagt Matthias Römer. Der Mann, der bis vor einem Jahr noch Geschäftsführer der Klingele Papierwerke in Remshalden gewesen ist, kümmert sich ehrenamtlich um die Finanzen und stellt die Kontakte aus seinem früheren unternehmerischen Netzwerk zur Verfügung.

Taschen aus Getreidesäcken

Riani ist nicht der einzige Auftraggeber, für den die Nähmaschinen in der Zauberfaden-Werkstatt rattern. Taschen und kultige Matchsäcke, gefertigt aus antiken Getreidesäcken der Hahn´schen Mühle, sind dort beispielsweise schon entstanden. Der Berufsbekleidungshersteller Kübler aus Plüderhausen hat unlängst spezielle Schürzen für seine Mitarbeiter bestellt.

Natürlich sei das langfristige Ziel, den Schützlingen zu einem regulären Arbeitsverhältnis zu verhelfen, sagt Matthias Römer, bei zweien habe das auch schon geklappt. Aber grundsätzlich sei die Integration ein langer Weg. „Wir müssen in Zeiträumen von zwei bis fünf Jahren denken.“

Das Integrationsprojekt und das Modelabel

Zauberfaden Das Integrationsprojekt Zauberfaden ist im Februar 2015 in einem Nebenraum des Schorndorfer Club Manufaktur gestartet worden. Mit Utensilien einer Schorndorfer Schule, die ihren Handarbeitsraum aussortiert hatte, wurde dort eine kleine Nähwerkstatt eingerichtet. Die Idee: unter Anleitung sollte Geflüchteten die Möglichkeit gegeben werden, einfache Gebrauchsgegenstände zu nähen. Nebenher sollten die Teilnehmer Deutsch lernen und sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen. Das Konzept ging auf. Schon bald meldeten sich so viele Interessenten an, dass nicht nur zusätzliche Nähmaschinen besorgt werden mussten, sondern auch größere Räumlichkeiten notwendig wurden. Die Werkstatt ist jetzt im Schock-Areal eingerichtet. In ehemaligen Lagerräumen der Firma Riani arbeiten zurzeit 13 Näher aus sechs Nationen.

Riani Mit dem Entwurf der „Bucki Hose“ hat Jürgen Buckenmaier 1968 in seiner Heimatstadt Schorndorf den Grundstein für die zehn Jahre später gegründete Riani Bucki Mode GmbH gelegt, die seit 2006 nur noch unter Riani firmiert. Das Modeunternehmen mit dem vor drei Jahren bezogenen Stammsitz am Riani-Platz in Schorndorf ist eigenen Angaben zufolge mittlerweile in 32 Ländern vertreten und beschäftigt mit den Fertigungsbetrieben in Polen, Ungarn, der Türkei und Tschechien 350 Mitarbeiter. In der Heimatstadt betreibt die Firma eine eigene Boutique.

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