Reinhild Enßlin-List in ihrem neuen Laden in der Innenstadt. Foto: /Simon Granville

Seit mehr als sieben Jahren betreibt Reinhild Enßlin-List ihr Keramikatelier „Lust & Laune“ in Ludwigsburg. Jetzt ist sie in die Innenstadt umgezogen und berichtet, wie sich unterschiedliche Charaktere auf die Keramikgestaltung auswirken.

Was ein Umzug bewirken kann. Vor einigen Wochen ist das Keramikatelier „Lust & Laune“ aus der Südstadt mitten in die Innenstadt gezogen, in die Seestraße 18. Seitdem freut sich Inhaberin Reinhild Enßlin-List über wachsende Kundschaft, die die Keramikgestaltung ganz neu entdecken. „Wir sind ja schon seit siebeneinhalb Jahren in Ludwigsburg. Wir dachten eigentlich, dass es mittlerweile jeder mitgekriegt hat, dass es uns gibt“, sagt Enßlin-List. „Wir haben aber immer wieder Kunden, die sagen: Wie euch gab’s davor schon?“

 

Reinhild Enßlin-List berichtet leidenschaftlich von ihrem Laden und zeigt große Begeisterung für ihre Arbeit mit den Kunden. Jeder sei willkommen, vom Hobbykünstler bis zum Kindergeburtstag. Die Fähigkeiten klaffen auseinander, manchmal braucht es auch emotionales Fingerspitzengefühl.

Doch was bietet „Lust & Laune“ überhaupt an?

In dem Atelier können die Kunden aus mehr als 150 verschiedenen Rohlingformen ein Modell auswählen, das sie bemalen wollen. Nach einer Farbeinweisung durch die Mitarbeiter können sie mithilfe von Pinsel, Schwamm, Schablone, Stempel oder frei Hand die weißen Rohlinge individuell gestalten – so wie es der Name des Ateliers schon sagt, ganz nach Lust und Laune. Neben Angeboten für Einzelpersonen bietet das Atelier „Lust & Laune“ auch verschiedene Konzepte für größere Gruppen oder Veranstaltungen an, beispielsweise für Kindergeburtstage, Firmenevents oder Junggesellenabschiede. Diese können entsprechend der Kundenwünsche individuell gestaltet werden. Für Kindergeburtstage gibt es ein festes Programm des Ateliers. Man kann einen Kuchen mitbringen und einen Tisch decken lassen.

Das Besondere an dem Atelier ist für Enßlin-List nicht nur das Bemalen der Keramik, sondern das Miteinander der unterschiedlichen Kunden und Mitarbeiter, die ihre verschiedenen Persönlichkeiten in das Zusammentreffen einbringen. Jedes Produkt würde seine eigene Entwicklungsgeschichte widerspiegeln, aber auch die Persönlichkeit der Person, die es gemacht hat. Die Kunden würden ihre eigenen Dynamiken mit in das Malen legen, weshalb trotz des gleichen Angebots an Materialien und Farben immer wieder individuelle Werke entstehen. „Bei uns kann man nichts falsch machen, man kann es immer nur anders machen. Aber das ist das Schöne. Wir machen hier keine Massenware, wir haben lauter kleine Unikate.“

Einfach mal loslassen

Reinhild Enßlin-List freut es besonders, wenn Kunden über die Zeit ihre Scheu ablegen. Besonders Erwachsene würden anfangs eine gewisse Überforderung verspüren und verkrampfen – aus Angst, ihr Werk könnte nicht gut werden. Kinder hingegen seien nicht so verkopft, sondern ungehemmter.

Mit der Zeit würden jedoch alle diese Unsicherheit ablegen und Spaß haben. Dennoch kann es vorkommen, dass Kunden mit ihrem Werk unzufrieden sind und sich Frust aufbaut, weil es nicht so wird, wie sie es sich vorgestellt haben. In diesen Fällen versuchen die Mitarbeiter sie zu unterstützen und die Werke nachzubessern.

/Simon Granville

Die Inhaberin legt den Kunden dann ans Herz, einfach mal loszulassen und nicht zu perfektionistisch zu sein. Man müsse nicht gleich beim ersten Mal perfekt malen. Auch ein künstlerisches Talent sei nicht nötig: „Ein bisschen Spaß an der Farbe reicht schon – eigentlich noch nicht mal Spaß an der Farbe, sondern einfach Lust was zu machen.“

Der erste Spaß beginnt laut Reinhild Enßlin-List beim Malen, der zweite beim Abholen, wenn die Kunden das fertige Werk sehen und der dritte, wenn man die Keramik dann auch tatsächlich benutzt: „Egal ob Kinder oder Erwachsene, es ist schon lustig, wie stolz man ist, wenn man aus seinem eigenen Becher trinkt.“