Thomas und Sonja Herrmann in ihrem Café, das sie Mitte Januar eröffnet haben. Gleich nebenan befindet sich ihre Rösterei. Foto: Frank Eppler

In einem Nebenraum ihrer Rösterei in Winnenden-Hertmannsweiler betreiben Sonja und Thomas Herrmann ihr kleines Café „Von Herrmanns“. Neben Kaffeespezialitäten bieten sie viele besondere Leckereien an.

Welche Zutaten Sonja und Thomas Herrmann für ihren Schmandkuchen verwenden, das wüssten viele Gäste gar zu gerne. Manche bitten einfach gerade raus um das Rezept, andere versuchen, durch geschicktes Fragen herauszufinden, was so alles in den Kuchen hinein gehört. Beide Strategien laufen ins Leere – das Rezept für den Schmandkuchen behalten die Herrmanns ebenso für sich, wie das ihrer anderer Spezialitäten, sei es die Eierlikörtorte, der Quarkkuchen oder ihr Dauergebäck Bobbes, das sie in den Varianten Mohn, Rum-Rosine und Nuss-Mandel anbieten.

 

„Meine Großeltern stammen aus Königsberg, sie hatten dort eine Backstube“, erzählt Thomas Herrmann. Morgens um 5 Uhr schlägt für ihn die Stunde: dann backt er in Frühschicht die Kuchen, die er und seine Frau wenige Stunden später im eigenen Café anbieten. Letzteres haben Sonja und Thomas Herrmann Mitte Januar in einem Raum neben ihrer Kaffeerösterei „von Herrmanns“ im Industriegebiet Krebäcker in Winnenden-Hertmannsweiler eröffnet. Die Laufkundschaft hält sich im Gebiet Krebäcker zwar eher in Grenzen, aber etliche Besucher nutzen das Café als Ziel von Spaziergängen, Wanderungen und Radtouren, der Rest nimmt das Auto. Rund 26 Gäste haben im Innenbereich Platz.

Der Ausbau ging langsam voran

Zuvor hatte das Paar rund zwei Jahre lang Gäste in der Winnender Markthalle bewirtet. Zum Ende des vergangenen Jahres haben Sonja und Thomas Herrmann dort jedoch ihre Zelte abgebrochen und sich aus dem für sie kostenintensiven Projekt zurückgezogen. „Eigentlich wollten wir das Café parallel zur Markthalle betreiben, doch diese hat uns personell und finanziell so gebunden, dass immer etwas liegen blieb und der Ausbau nicht recht voran ging“, sagt Thomas Herrmann. Inzwischen ist das meiste fertig – bis auf die Terrasse vor der Tür, die künftig Platz für rund 16 Gäste bieten soll und auf der auch Hunde willkommen sind.

Weil für den Anschluss des Elektroherds noch ein Starkstromkabel verlegt werden muss, bieten die Hermanns derzeit keinen Mittagstisch an. „Der kommt aber noch“, versichert das Paar. Einstweilen gibt es an sechs Tagen jeweils mehrere Kuchen zur Auswahl, außerdem haben Gäste die Möglichkeit zu frühstücken. Entweder ganz klassisch mit frischen Brötchen, Croissants, Wurst und Käse, auf der Karte stehen zum Beispiel aber auch Pancakes. So oder so gilt laut Sonja Herrmann die Devise: „Wir machen so viel wie möglich selbst und richten das Frühstück so an, wie es die Leute für sich zu Hause eher nicht tun.“

Den Käse holen die Herrmanns von einer Molkerei in Hohenlohe, die Frühstückseier stammen von glücklichen Hühnern aus der Gegend. Die Bohnen für ihre Kaffeespezialitäten müssen da schon deutlich weiter reisen. Die Coronapandemie wirke sich gerade in der Kaffeebranche immer noch sehr deutlich aus, berichtet der Kaffee-Sommelier Thomas Herrmann. Die Preise für die Container seien extrem gestiegen, hinzu kämen logistische Probleme. „Richtig gute Kaffees, zum Beispiel aus Äthiopien, sind immer noch schwierig zu beschaffen. Deshalb mussten wir ein bisschen umstellen.“

Zusätzlich zu den bewährten Espressomischungen, die allesamt nach Hunderassen benannt sind – vom „mutigen Jack Russell“ bis hin zum „stolzen Bernhardiner“ – haben Herrmanns das Sortiment um noch einige Espressosorten erweitert. Dazu gehört beispielsweise der Direktimport Pacha Mama aus Peru.

Seit der Pandemie sind gute Kaffees schwer zu beschaffen

Demnächst bekommt die Rösterei eine Röstmaschine mit größerem Fassungsvermögen geliefert, außerdem unterstützt von Juli an ein Mitarbeiter das Ehepaar. „Er hat bei einem Röster gearbeitet“, sagt Thomas Herrmann, der bislang hauptsächlich für das Rösten zuständig war, sich künftig aber wieder mehr um den Vertrieb kümmern will.

Fruchtige Kaffeesorten sind nicht jedermanns Sache

Langfristig werde Kaffee auch wegen der sich verändernden Klimabedingungen immer mehr zum Luxusgut werden, sagt der Kaffee-Experte: „Da wird sich einiges verändern.“ Nach wie vor gilt jedoch, dass jedes der etwa 60 Länder, in denen Kaffee angebaut wird, eine anders schmeckende Ware erzeugt. Die südamerikanischen Kaffees schmecken oft nussig-schokoladig, asiatische würzig-holzig und typisch für afrikanischen Kaffee ist der hohe Säureanteil, der einen fruchtigen Geschmack bringt. Letzterer findet laut Thomas Herrmann in Stuttgart Fans, stößt aber bei seiner Kundschaft in Winnenden selten auf Begeisterung.

Mehr zum Thema unter www.vonherrmanns.de

Kaffee, Kuchen, Knuspermüsli

Serie
Hier gibt es nicht nur Kaffee und Kuchen. Cafés sind Treffpunkte des gesellschaftlichen Lebens. Und sie haben ihre Besonderheiten. In unserer Serie Kaffeeklatsch stellen wir sie vor.

Angebot
  Auf der Speisekarte des Cafés stehen neben Kaffeespezialitäten auch verschiedene Frühstücksangebote, von der klassischen Variante mit Backwaren und Käse- und Wurstteller über Pancakes bis zum selbst gemachten Knuspermüsli. Zudem gibt es Kuchen. In Zukunft wollen Herrmanns auch einen Mittagstisch anbieten.

Anfahrt
 Das Café im Gebäude der Rösterei von Herrmanns findet man in der Krebäckerstraße 21/3 in Winnenden-Hertmannsweiler. Es hat dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet, am Wochenende ist es von 10 bis 16 Uhr offen. Derzeit stehen rund 25 Innensitzplätze zur Verfügung, geplant ist eine Terrasse mit weiteren 16 Plätzen. Reservierung unter 0 71 95/590 60 00.