Serda Bingöl hat in seinem Burger-Laden Fritzl's Burger in Esslingen ein besonderes Konzept gestartet. Foto: Roberto Bulgrin

Der Ton ist ausnahmsweise schroff: Bei Fritzl's Burger in Esslingen werden Kundinnen und Kunden einmal im Monat beleidigt. Wie läuft das ab?

Es ist eine freundliche Begrüßung – noch. Wer am ersten Dienstag im Monat das Esslinger Burger-Restaurant Fritzl's Burger betritt, bekommt ein ungewöhnliches Erlebnis geboten. Direkt nach dem anfänglichen „Hi“ legt Inhaber Serda Bingöl seinen Gästen ein Dokument vor. „AGB – Beleidigungstag“ steht darauf ganz oben in großen Buchstaben. Wer teilnehmen will, muss unterschreiben. Bingöl stimmt mit einem Lächeln ein: „Sobald du da unterschreibst, bist du Dreck für mich.“

 

Sitzt die Unterschrift, verändert sich der Gesichtsausdruck des 27-Jährigen. Seine freundlichen Züge weichen genervtem Stirnrunzeln. „Was willst du?“, fragt er. Der Ton für den Abend ist gesetzt. Es wird geseufzt, unflätig geantwortet, Speisekarten fliegen auf den Tisch, hier und da wird beleidigt – aber nie unter der Gürtellinie. Das ist Bingöl wichtig: „Ich bin eigentlich ein netter Typ, gerade gegenüber älteren Gästen fällt es mir manchmal schwer, während der Aktion respektlos zu sein.“

Beleidigungen in Esslinger Burgerladen kommen gut an

Doch an diesem Tag gehört es zum Konzept. Fritzl's Burger will modern unterwegs sein, die eigentlich alten Gaststätten-Räume sind schick eingerichtet, über Lautsprecher spielt Hip-Hop-Musik. Inhaber Serda Bingöl ist sehr aktiv in den Sozialen Medien und bewirbt sein Restaurant auf vielfältige Art und Weise. Es passt: „No risk no story“ ist auf dem Arm des 27-Jährigen eintätowiert - „kein Risiko, keine Geschichte“.

Dass so ein Beleidigungstag durchaus ein Risiko ist, zeigt nicht nur die von den Gästen benötigte Unterschrift zum Start. Rechtliche Schritte sind damit ausgeschlossen, Missverständnissen beugt das nur bedingt vor. Einmal habe er auf den Satz eines Besuchers mit einer provokanten Antwort reagiert. „Das ging ihm dann zu weit“, erzählt Bingöl. „Aber dann muss man sich eben kurz erklären und wieder Frieden schließen.“ In der Regel komme das neue Konzept sehr gut an, vor allem mit jüngeren Gästen entstehe häufig eine lustige, hitzige Atmosphäre.

Die AGB erstrecken sich über mehrere Seiten. Foto: Sebastian Xanke

Fritzl's Burger will in die Pliensaustraße expandieren

So ist es laut den Beleidigungs-AGB auch gedacht: „Zwischen Gästen und Personal findet ein humorvoller, respektloser und beleidigender Schlagabtausch statt. Alle Aussagen erfolgen im Rahmen eines Spiels und dienen ausschließlich der Unterhaltung“, steht am Anfang.

Wenn der Beleidigungstag weiter gut angenommen werde, wolle er ihn beibehalten, sagt Bingöl. Grundsätzlich laufe das Geschäft gut. In der Pliensaustraße 27 plant er einen zweiten Burgerladen. Nach dem Essen ist Zeit für den Abschied. „Tschüss“, ruft der Gast. „Verpiss dich“, lautet die Antwort.