Elsbeth Koch betreibt mit ihrem Mann Winfried seit 35 Jahren die „Besenwirtschaft Gohl - Bei d’r Elsbeth“. Foto: Caroline Holowiecki

Die Besenwirtschaft ist der Inbegriff von schwäbischer Geselligkeit. Doch wie funktioniert das Konzept in Zeiten der Coronapandemie? Ein Besuch in Stuttgart-Degerloch.

Degerloch - Laut, eng, weinselig: Der Besen ist der Inbegriff von schwäbischer Geselligkeit. Dafür ist auch die Degerlocher Besenwirtschaft Gohl, die den Beinamen „Bei d’r Elsbeth“ trägt, bekannt. Seit 35 Jahren führen Elsbeth und Winfried Koch das Lokal. Im bäuerlichen Anwesen schenken die Kochs im Herbst und im Winter ihren Weine aus, dazu wird deftige Hausmannskost serviert. Das Ganze hat eine lange Familientradition. Das Haus wurde 1891 vom Landwirt und Weingärtner Imanuel Kies, dem Urgroßvater der heutigen Besenwirtin, erbaut.

Seit Corona ist bei den Kochs jedoch vieles anders. Statt Schulter an Schulter mit fremden Gruppen im Haus zu sitzen, werden die Gäste im Außenbereich empfangen. „Da muss alles auseinandergezogen werden“, sagt Winfried Koch. Hinterm Haus dürfen nur 40 Personen Platz nehmen. Mehr ist nicht erlaubt, und mehr ist womöglich von einigen Gästen auch gar nicht gewünscht. „Die Enge sucht keiner“, betont er. Laut dem 73-Jährigen geht dadurch allerdings etwas verloren. „Es entsteht nicht die Besenatmosphäre, die drinnen entsteht. Das ist eher wie eine Gartenwirtschaft“, findet er. Hinzu kommt: Es gebe Beschwerden aus der Nachbarschaft. Es sei zu laut.

Nach den ersten Tagen ist die Bilanz der Wirte durchwachsen

Am 14. Juni ist die Besenwirtschaft Gohl in die Saison gestartet. Obwohl der urige Außenbereich etwa am Donnerstagabend gut gefüllt ist, ist Winfried Kochs Bilanz der ersten Tage durchwachsen. „Es könnten ruhig noch mehr sein“, sagt er. Er glaubt, dass die Außengastro-Testpflicht – in Stuttgart gilt sie seit Samstag, 19. Juni, nicht mehr – viele abgeschreckt hat. „Natürlich ist das ein Hemmschuh, auf jeden Fall“, denn anderswo, etwa im Kreis Esslingen, sei das Testen für den Biergartenbesuch viel früher gefallen. Überhaupt seien viele Menschen unsicher, was wo für wen gelte.

Erklären und kontrollieren, das sei für die Kochs und ihr Team zeitintensiv. Und Juni, Juli, das ist sowieso eigentlich gar nicht ihre Zeit. „Das ist vollkommen außergewöhnlich“, sagt Winfried Koch. Normalerweise werde bei d’r Elsbeth von Januar bis März und dann wieder im September bewirtet. „Im Sommer müssen wir in den Weinbergen arbeiten“, erklärt er. Auch mancher Gast sei im Hochsommer keine deftigen Speisen gewöhnt. „Das passt überhaupt nicht zum heißen Wetter“, sagt der Wirt.

Warum er und seine Frau dann trotzdem öffnen? Die Antwort fällt klar aus. „Weil wir seit letztem September, als wir zugemacht haben, nichts mehr verdient haben.“ Die klassische Besen-Saison ist wegen Corona ins Wasser gefallen. Bereits im August 2020 hat das Paar sich daher mit einer Öffnung außer der Reihe versucht. Wie lang der Sommer-Besen diesmal gehen soll? „So lang es geht“, sagt Winfried Koch. Vorerst habe er den Betrieb bei den Behörden bis Mitte August angemeldet.

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