Am Friedrichsberg in Möhringen hängen Warnzettel. Foto: Caroline Holowiecki

An einer Straße in Stuttgart-Möhringen werden seit Monaten immer wieder Autoreifen beschädigt. Viele Anwohner sind verunsichert und warnen sich gegenseitig mit Zetteln an Laternenmasten. Die Polizei ermittelt.

Möhringen - Ruhe liegt über dem Friedrichsberg in Stuttgart-Möhringen. Mehrfamilienhäuser säumen die Straße zwischen dem Körschtal und dem Friedhof. Die umliegenden Straßen haben Märchennamen – Sindbad-, Dornröschen- und Rübezahlweg. Alles wirkt idyllisch. Nur die vielen weißen Zettel an den Laternenmasten stören das Bild. „Nägel in Reifen“, steht dort fett gedruckt. In der Vergangenheit seien mehrfach Autoreifen beschädigt worden, so die Information. Der Schreiber sucht weitere Betroffene.

Die Polizei ist eingeschaltet. Dieser Tage veröffentlicht sie eine knappe Meldung. Unbekannte hätten offenbar schon seit September 2020 mehrere Autoreifen an der Straße Friedrichsberg zerstochen. Zuletzt habe es am 5. Februar einen solchen Zwischenfall gegeben. „Die Täter beschädigten die Räder mit Schrauben, die sich in die Reifenflächen bohrten“, heißt es dort. Der Sachschaden liege bislang bei mehreren Hundert Euro. Zeugen und Geschädigte könnten sich beim Polizeirevier in Möhringen melden.

Spärliche Antworten von der Polizei

Betroffene sind gegenüber unserer Zeitung mit Details zurückhaltend. Sie wollen die Arbeit der Polizei nicht gefährden, sagen sie. Nur so viel berichtet eine Person: Die Taten würden so ausgeführt, dass man sie gegebenenfalls erst nach Tagen oder Wochen bemerke und dann möglicherweise nicht mehr zum Tatort zuordnen könne, „deshalb blieb es lange unentdeckt“.

Auch bei der Polizei erhält man auf Nachfrage nur spärliche Antworten zu den Fällen in Stuttgart-Möhringen, „aus ermittlungstaktischen Gründen“, sagt der Sprecher Sven Burkhardt. Ob sich die Fälle in einem bestimmten Teil der langen Wohnstraße häufen, gibt der Polizeisprecher nicht preis.

Auch eine genaue Zahl, wie viele Autos bisher beschädigt wurden, nennt Sven Burkhardt nicht. Das liege aber auch daran, dass sich inzwischen neue Zeugen und Geschädigte gemeldet hätten, „da fehlen noch Informationen“. Der Polizeisprecher geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Zu lebensgefährlichen Situationen sei es bislang nicht gekommen, aber „eine latente Gefahr ist immer da“, sagt er.

Zunächst an einen Bubenstreich gedacht

Die Zettel, die nun überall an der Straße hängen, und die veröffentlichte Polizeimeldung haben viele Anwohner in Stuttgart-Möhringen beunruhigt. „Es gibt immer mehr Verrückte“, sagt ein Senior, der gerade mit seiner Frau den Gehweg entlanggeht. Ein Mann, der ein paar Blumen ins Haus trägt, berichtet, dass er zunächst an einen Bubenstreich geglaubt habe. Dann aber habe seine Frau in der Nachbarschaft von zehn Zentimeter langen Nägeln gehört.

Eine betroffene Person fasst es so zusammen: „Wir Bewohner des Friedrichsberg sind schockiert und nehmen die Taten sehr ernst. Die möglichen Folgen dieser Taten können schreckliche Folgen für Leib und Leben haben.“ Man müsse sich nur vorstellen, jemandem platze auf der Autobahn der Reifen. „Es ist einfach unglaublich. Wer macht so was?“

Zeugenaufruf Wer etwas gesehen hat und einen wichtigen Hinweis geben kann, kann sich beim Polizeirevier 4 Balinger Straße unter Telefon 0711/89 90-34 00 melden.

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