Das Böblinger Stadtfest geriet teilweise zu einer nassen Angelegenheit. Nicht immer war das Wetter daran schuld. In der Nacht auf Samstag sorgte eine beschädigte Trinkwasserleitung für Aufregung. Mittendrin: Gastwirt Freddy Nestele.
Freddy Nestele hat schon viel erlebt. Dass der Gastwirt beim Böblinger Stadtfest einmal den „Major Tom“ machen würde, hätte er sich aber wohl nie träumen lassen. Weil in der Nacht auf Samstag ein aus der Verankerung gerissenes Standrohr in der Poststraße eine Meter hohe Wasserfontäne verursacht hatte, war der 62-Jährige kurzzeitig erst „völlig losgelöst“ und dann sehr unsanft wieder gelandet. Beim Versuch, den Schwall zu stoppen, wurde Nestele in die Höhe geschleudert und erlitt beim Aufprall eine Platzwunde am Kopf und einige Prellungen.
Wie konnte das passieren? „Da ist ein Abschleppfahrzeug an einem quer über die Straße geführten Schlauch hängen geblieben“, erklärt Böblingens Pressesprecher Gianluca Biela. Wie ein Polizeisprecher bestätigt, ist dabei das Rohr aus der Verankerung gerissen worden. Daraufhin schoss ein Wasserstrahl senkrecht in den Nachthimmel. Laut den Böblinger Stadtwerken (SWBB) liegt der Versorgungsdruck dort bei 5,5 Bar. Der Abschleppwagen war übrigens unterwegs zur Pfarrgasse, wo laut Biela ein Falschparker die Rettungsgasse blockiert hatte.
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst waren zügig vor Ort, Nestele wurde ins Krankenhaus gebracht, hatte aber wohl Glück im Unglück. Die Polizei spricht von „leichten Verletzungen“. Um das Standrohr kümmerte sich ein Mitarbeiter der Stadtwerke. Weil laut SWBB das Wasser großräumig an mehreren Stellen abgestellt werden musste, dauerte dies rund zwei Stunden. In dieser Zeit flossen 200 000 Liter die Poststraße hinunter.
Vermieterin rechnet mit bis zu 100 000 Euro Schaden
In den Gebäuden Poststraße 51 und 53 stand das Wasser laut Vermieterin Dagmar Reichle jeweils 1,5 Zentimeter hoch. „Der Gutachter schätzt den Schaden auf minimum 80 000 Euro“, sagt Reichle – wobei sie selbst eher mit 100 000 Euro rechne. Besonders betroffen sind die Räume der Firma Marquardt Küchen in der Nummer 53. Den Schaden an der Wasserleitung beziffern die Stadtwerke mit rund 3000 Euro. Insgesamt dürfte dies in Böblingen wohl das teuerste Falschparken aller Zeiten gewesen sein.