Der Polizeibeamte Kevin Coo stellt die Arbeit der Polizei vor. Foto: Cedric Rehman

Vertreter vieler Betriebe sind in die Degerlocher Fritz-Leonhardt-Realschule gekommen, um Ausbildungen zu präsentieren. Doch viele Schüler wünschen sich den Hochschulabschluss.

Degerloch - Eines hat die 13-jährige Schülerin Elena Müller an diesem Morgen auf jeden Fall gelernt. Im Labor arbeiten, das wäre nichts für sie. „Dazu braucht man zu viel Mathe“, sagt sie. Für das Berufsbild einer Pharmazeutisch-Technischen Assistentin (PTA) könnte sie sich eher erwärmen. „Die arbeiten ja mehr mit Menschen“, erklärt sie. Müller und einige ihrer Schulfreundinnen haben den Vortrag einer Apothekerin in einem Klassenzimmer der Degerlocher Fritz-Leonhardt-Realschule angehört. Jetzt stehen sie vor einem anderen Raum, in dem der Polizeibeamte Kevin Coo erklärt, wie junge Leute Polizisten werden. In der Hand haben sie einen Zettel. Darauf sind verschiedene Vorträge von Betriebsvertretern sowie über Wege zum Abitur eingetragen, die in unterschiedlichen Klassenräumen stattfinden.

Die Mädchen sollten als Schüler der achten Klasse drei Veranstaltungen besuchen und auf ihrem Zettel ankreuzen. Für sie ist die Teilnahme an der Berufsbörse noch freiwillig. Neunt- und Zehntklässler müssen dagegen obligatorisch fünf Veranstaltungen besuchen.

Mittelstand fürchtet Fachkräftemangel

Die Berufsorientierungsbeauftragte der Schule, Isabelle Hübsch-Leckies, freut sich, das zahlreiche Betriebe Vertreter geschickt haben, um sich den Schülern zu präsentieren. Ganz uneigennützig scheint dies nicht zu geschehen. Die Unternehmen würden sich sichtlich Mühe geben, um die Schüler zu werben, berichtet die Lehrerin. „Es gibt sogar manchmal kleine Präsente“, erzählt sie. Die Motivation der Unternehmen liegt dabei auf der Hand. Seit Jahren klagt gerade der Mittelstand über einen Fachkräftemangel. Er könnte in der Zukunft dramatische Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, lautet die beunruhigende Prognose. Schon heute berichten viele Branchen von Problemen, Auszubildende zu finden.

Aber unter den Schülern der Degerlocher Realschule scheint es eine Präferenz zu geben, nach der Mittlere Reife das Abitur anzustreben und nicht eine Ausbildung zu beginnen. Zumindest antworten an diesem Morgen auf den Fluren der Schule viele, dass sie gern einen Hochschulabschluss machen würden. Es scheint fast so, als hätten einige von den Unkenrufen gehört, dass Digitalisierung und die sogenannte Industrialisierung 4.0 viele nichtakademische Berufsbilder in den kommenden Jahrzehnten überflüssig machen könnten. Doch vielen geht es offenbar eher um die Neigung. Auf die Frage, warum sie Abitur machen und Medizin studieren will, antwortet die Schülerin Maya Schweizer: „Weil das mein Traum ist, seitdem ich Kind bin.“

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