Oft erwerben die Nachwuchskräfte ihre Fähigkeiten in Handwerksbetrieben und wechseln dann als gut ausgebildete Kräfte beispielsweise in die Industrie. Foto: dpa/Oliver Berg

Wer Nachwuchskräfte an sich binden will, muss sie gut behandeln und gut bezahlen, denn der Markt an gut ausgebildeten Kräften ist leergefegt, meint Thorsten Knuf.

Berlin - Kann sich noch jemand an die frühen 2000er Jahre erinnern, als der Mangel an Ausbildungsplätzen eines der drängendsten Probleme im Land war? Es war die Zeit, als der Kanzler Gerhard Schröder hieß und der Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement. Damals glich die Lehrstellensuche oft einem Glücksspiel. Ganze Abschlussjahrgänge verließen die Schulen in dem Bewusstsein, dass sie auf dem Arbeitsmarkt im Grunde nicht gebraucht werden. Die Misere war eine Folge der schwachen Konjunktur und der demografischen Situation, insbesondere in den neuen Bundesländern. Lang, lang ist’s her.

Heute prügeln sich nicht die Jugendlichen um die Ausbildungsplätze, sondern die Arbeitgeber um die Azubis. Etliche Lehrstellen in Handwerk, Industrie und Dienstleistungen bleiben unbesetzt. Die Wirtschaft brummt zwar nicht mehr, aber die meisten Unternehmen haben doch noch gut zu tun. Viele von ihnen könnten sogar mehr Aufträge annehmen, wenn sie nur genügend Fachkräfte hätten. Doch der Arbeitsmarkt ist vielerorts leer gefegt. Und die Berufsausbildung im Dualen System stößt ganz grundsätzlich an Grenzen, wenn jeder zweite junge Mensch ein Hochschulstudium beginnt.

Erst die Mühe – dann leere Hände

So gesehen ist es nachvollziehbar, dass Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer laut über Ablösesummen für Nachwuchskräfte nachdenkt, die gleich nach der Lehre von anderen Unternehmen abgeworben werden. Etliche Betriebe scheuen keine Kosten und Mühen, um junge Leute auszubilden. Nach drei Jahren stehen sie dann aber mit leeren Händen da, weil die Kräfte bei der Konkurrenz anheuern oder die Branche wechseln.

Die große Frage ist allerdings, wie solche Ablösesummen geregelt werden sollen, ohne Schaden anzurichten. Gesetzliche Regelungen würden die Flexibilität des Arbeitsmarktes einschränken, das können die Unternehmen und ihre Verbände nicht ernsthaft wollen.

Nachwuchskräfte gut behandeln

Vermutlich würden Betriebe und Arbeitnehmer auch eine beträchtliche Kreativität entwickeln, um einschlägige Vorschriften zu umgehen. So bleibt den Unternehmen vermutlich nichts anderes übrig, als ihre Nachwuchskräfte gut zu behandeln und gut zu bezahlen – und sie so an den Betrieb zu binden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: