Berufliche Weiterbildung Gewappnet für die Zukunft

Von Prof. Dr.-Ing. Gerhard Hillmer – Lesedauer: 3 Minuten  

Müssen gewappnet sein für komplexe Arbeitswelten: Fach- und Führungskräfte   Foto: chombosan, Fotolia
Müssen gewappnet sein für komplexe Arbeitswelten: Fach- und Führungskräfte Foto: chombosan, Fotolia

Weiterbildende hochqualifizierende Lehrinstitute müssen Berufstätige heute nicht nur zu Fach- und Führungskräften ausbilden. Sondern sie auf eine Zukunft mit einigen Unbekannten vorbereiten.

Wer sich heute in seinem Beruf weiterentwickeln will, findet sich in einer Arbeitswelt wieder, die zu keiner Zeit so komplex und dynamisch war.

Dass die Digitalisierung um sich greift, spüren wir hautnah und tagtäglich. Zusätzlich erleben wir aber auch einen Umbruch in unserer Gesellschaft: Geburtenrate, Sterberate und Migration verändern unsere Bevölkerungsstruktur – und damit die Berufswelt. Um gut ausgebildete Fachleute tobt der War for Talents, viele Branchen suchen händeringend nach Fachkräften. Und Statistiken zeigen, dass nicht wenige Erwerbstätige, geplagt von Unsicherheit, Zukunftsangst oder permanenter Überbelastung, krank werden.

Soziale und Selbstkompetenzen sind wesentlich

Zweifelsohne gibt es für Berufstätige, die sich qualifiziert weiterbilden wollen, zahlreiche sehr gute Weiterbildungseinrichtungen, die diesen Ambitionierten umfassende Fach- und Methodenkompetenzen vermitteln. Doch das heutige und sicherlich auch künftige Berufsleben verlangt dem Arbeitenden noch eine ganze Reihe weiterer Kompetenzen ab, die Lehrinstitutionen genauso lehren sollten.

Empirisch lässt sich beobachten: Je höher der oder die Beschäftigen die Karriereleiter erklimmen, desto unverzichtbarer werden dabei persönliche und soziale Fähigkeiten. Eine Faustregel sagt: Bei einem Abteilungsleiter sind fachliche und persönliche Qualifikationen etwa je zur Hälfte an seinem Erfolg beteiligt. Auch wissen Personalverantwortliche: Es sind nicht fachliche Schnitzer, die Manager und Managerinnen zu Fall bringen, sondern deren persönliche Mankos.

Welche aber sind nun die sogenannten Sozial- und Selbstkompetenzen, die auf dem Weg nach oben wesentlich sind? Beispielhaft, alphabetisch und nicht nach Wertigkeit geordnet sind es: analytische Fähigkeiten, Ausstrahlungskraft, Begeisterungsfähigkeit, Beharrlichkeit, Blick fürs Wesentliche, Durchsetzungskraft, Dynamik, Kommunikationsfähigkeit, Kontaktstärke, Kreativität, Loyalität, Präsentationsstärke, Pünktlichkeit, Sorgfalt, Stehvermögen, sympathische Erscheinung, taktisches Geschick, Tatkraft, Überzeugungskraft, Zuverlässigkeit.

Sich selbst kennen macht fit für die Zukunft

Daher sollten Weiterbildungsinstitute Lernwillige dabei unterstützen, sich ihrer Stärken und Talente bewusst zu werden. Viele tappen im Dunkeln, wenn sie artikulieren sollen, welche persönlichen Eigenschaften sie eigentlich auszeichnen. Doch genau dieses Selbstbewusstsein kann in einem Vorstellungs- oder Personalgespräch die entscheidende Rolle spielen.

Auch fischen viele bei der Frage im Trüben, wo und wie sie ihr Potenzial am besten zur Geltung bringen können. Für einen Vorstandsposten in einem multinationalen Konzern taugt beileibe nicht jeder. Und nicht jedem ist in die Wiege gelegt, ein Firmengründer zu sein. Deshalb sollten Berufstätige, die den Anspruch haben, den passenden Job zu finden, mindestens auf diese Fragen Antworten finden: Bin ich eher ein Entscheider oder ein Berater? Rufe ich meine besten Leistungen im Team ab oder performe ich als Einzelkämpfer so richtig gut? Bin ich eine Führungspersönlichkeit oder arbeite ich lieber als Fachkraft mit höherem Spezialisierungsgrad? Und so weiter.

Ganzheitliche Förderung ist nachhaltig

Je früher sich der Berufstätige mit den eigenen Stärken, Talenten und Werten auseinandersetzt, desto eher wird er die richtige berufliche Laufbahn einschlagen, sich auf dieser nachhaltig weiterentwickeln, was wiederum auch dem Arbeitergeber sehr zugute kommen kann.

Fördern Universitäten, Hochschulen und andere Weiterbildungsanbieter neben den Fach- und Methodenkompetenzen die ganzheitliche, am Potenzial des Menschen orientierte Entwicklung, besteht die Chance, dass diese Persönlichkeiten die Zukunft positiv und nachhaltig gestalten. Und auch mit Herausforderungen fertig werden, die wir heute noch nicht kennen.


Autor

Prof. Gerhard Hillmer ist Leiter des Departments Wirtschaftsingenieurwesen am MCI Management Center Innsbruck und lehrt am Center for Advanced Studies der Dualen Hochschule Baden Württemberg (DHBW CAS) das Seminar „Personal Leadership Development, Erfolgsbausteine für eine nachhaltige Karriereentwicklung“ (im Bereich „Fachübergreifende Kompetenzen“)

Das DHBW CAS bietet berufsintegrierende und berufsbegleitende Masterstudiengänge in den Fachbereichen Wirtschaft, Technik und Sozialwesen sowie andere Weiterbildungsmöglichkeiten.