Kreativität und Geschmack sind gefragt: Die Schülerinnen dürfen selbst eine Schaufensterpuppe bekleiden. Foto: Lichtgut/Schmidt

Beim ersten Berufecasting an den beruflichen Schulen lernten zahlreiche Neuntklässler die unterschiedlichsten Ausbildungsberufe in ihrer ganzen Vielfalt kennen.

Was machen eigentlich ein Maler oder ein Lackierer im Arbeitsalltag? Wie verbringt ein Gestalter für visuelles Marketing seine Arbeitszeit? Antworten auf diese und viele weitere Fragen zu den unterschiedlichsten Ausbildungsberufen bekommen zahlreiche Schüler in dieser Woche in den beruflichen Schulen in Stuttgart.

 

Bei drei bis vier Stunden langen Terminen können sich die Gruppen aus je fünf Schülern einem Projekt widmen, um so einen Überblick über einen Ausbildungsberuf zu erhalten. „So sollen die Schüler die schönen Seiten des Berufs kennenlernen“, erklärt Felix Winkler, der Schulleiter an der Schule für Farbe und Gestaltung, der die Berufecasting-Aktion initiiert hat.

Auswahl aus 75 Berufen

1300 Praktikumsplätze an 19 Berufsschulen in ganz Stuttgart wurden bei der Aktion ausgeschrieben, die seit Montag bis zu diesem Freitag stattfindet. Anmelden konnten Schulen ihre Schüler ab der neunten Klasse für 75 Berufe. Besonders beliebt waren KFZ-Mechatroniker und Industriemechaniker. Aber auch die Berufe Konditor und Hauswirtschafter seien bereits am ersten Tag ausgebucht gewesen, so Winkler.

Auch das Berufecasting für den Ausbildungsberuf zum Gestalter für visuelles Marketing in der Schule für Farbe und Gestaltung in Feuerbach ist am Dienstagvormittag gut besucht. Konzentriert und gut gelaunt sitzen knapp 10 Schülerinnen um einen Tisch und zeichnen auf kleine Papierkreise. Mit kunstvollen Schwüngen zaubern sie Wörter wie ihre Namen, Schriftzüge oder Parolen. Im Anschluss werden diese Papierkreise in eine Buttonform gepresst. „Wir machen hier Buttons und Handlettering. Das ist in dem Beruf wichtig, weil man ja auch mal eine Tafel oder ähnliches gestalten muss“, erklärt Bettina Müller-Zigelli, Lehrerin für visuelles Marketing. „Die Schüler bekommen einen Überblick über alles, was man in der Ausbildung so macht.“ Neben Handlettering können die Schüler an dem Vormittag noch Plotten, den Bereich Computer-Zeichnungen kennenlernen und Schaufensterpuppen bekleiden. Vor allem der letzte Punkt stößt bei vielen modeaffinen Schülern auf ein positives Echo.

Modeberufe sind angesagt

„Ich habe mich dafür entschieden, in diesen Beruf reinzuschnuppern, weil ich Mode mag“, so die Schülerin Sabrin von der Schloss-Realschule in Stuttgart-West. Auch ihre Mitschülerinnen Christina und Fatima freuen sich vor allem auf den kreativen Teil. Schließlich unterscheide dies das Berufecasting von gewöhnlichen Praktika, wie die Schülerin Fatima erklärt: „Ich habe schon Praktika gemacht. Das hier finde ich viel besser. Es ist kreativer als ein Praktikum und man lernt viele unterschiedliche Bereiche kennen.“ Auch Sabrin und Christina gefällt die Aktion. Ob sie sich eine Ausbildung als Gestalterin für visuelles Marketing vorstellen können, wissen sie nach dem Vormittag beim Berufecasting aber trotzdem noch nicht. „Ich habe festgestellt, dass mir bei diesem Beruf die soziale Seite fehlt, das Arbeiten mit Menschen“, so Sabrin. Dennoch ist das Fazit von ihr und ihren Mitschülerinnen durchweg positiv: „Ich finde die Aktion wirklich sehr gut und auch die Lehrkräfte sind alle sehr nett.“

Lehrer sollen Wissen weitertragen

Die Lehrkräfte, die die Schüler begleiten, sind ebenfalls begeistert von der Aktion: „Ich finde das eine gute Aktion, um die Berufe kennenzulernen. Es zeigt, wie vielfältig diese sind“, so Hanna Tafelmaier, Lehrerin an der Alexander-Fleming-Schule.

Dieses Feedback freut vor allem Schulleiter Felix Winkler: „Die Lehrer sind wichtige Multiplikatoren, die dem Projekt auf Dauer auch zum Erfolg verhelfen können.“ Schließlich seien sie es, die in dieser Woche ebenfalls die Berufe kennenlernen und ihr Wissen dann nach außen in die Schulen tragen, um es dort an zahlreiche Schüler weiterzugeben.