Bernd Zimmer hat sein Atelier in Münchingen. Seine Werke, unter anderem das neunteilige Wandrelief „Nachtzeichen“ und „la décision“, zeigt er nun in Korntal. Foto: factum/Bach

Bernd Zimmer zeigt seine Skulpturen und Zeichnungen in der Galerie 4/1. Er befasst sich mit der Schönheit der Kunst, die doch niemals Kitsch sein will.

Korntal-Münchingen - Die Vernissage am Sonntagmorgen ist ungewöhnlich. Bernd Zimmer stellt sich vor dem Publikum, das zur Vernissage in die Galerie 4/1 gekommen ist, den Fragen seiner Künstlerkollegin Elke Bach. Es ist ein munteres Gespräch, das auch von den humorvollen Antworten des Bildhauers lebt. Er, der Schorndorfer, nimmt die Zuhörer mit in sein Münchinger Atelier, in seine Kunst. Vor allem gewährt er sein Schaffen, wenn er seine Arbeitsweise mit eigenen Worten schildert.

39 Arbeiten sind zu sehen

In der Galerie des Kunstvereins sind 39 Arbeiten des Künstlers zu sehen, Skulpturen, Wandreliefs und Zeichnungen. Die Skulpturen sind vielfach aus Alabastergips. Er arbeite vorwiegend mit schnellen Materialien, sagt Zimmer, der das im Gespräch auch gleich begründet: „Die Lebenszeit ist begrenzt, und ich habe so viele Ideen.“ Der 1959 in Ludwigsburg geborene Zimmer arbeitet als Dozent und freischaffender Künstler. Die Ideen, die er umsetzt, schlummern zuvor durchaus auch etliche Jahre in seinem Skizzenbuch, er habe etliche davon. „Da ist die Idee erst einmal sicher.“ Soll sie umgesetzt werden, müsse sie dafür reif sein, sagt Zimmer. Sie verändere sich in dieser Zeit, vor allem aber wird sie reduziert: konzentriert auf das Wesentliche, auf die Aussage, die Schönheit. Und doch ist den Arbeiten trotz der Ästhetik stets ein Bruch immanent. „Reine Schönheit würde im Kitsch münden“, sagt Zimmer. „Die Kunst darf nicht dekorativ werden. Das wäre verheerend.“

„La décision“, französisch für Entscheidung, heißt eine Arbeit, die entstand, als er selbst vor einer eben solchen stand. Und doch ist die Form auch in dieser Arbeit abstrakt. Für persönliche Befindlichkeiten ist in der Kunst Zimmers kein Platz, denn die Form müsse allgemeingültig sein, sagt er. In der Ausstellung wird klar, welche Konsequenz das für die Arbeiten hat: Sie sind reduziert auf die klare Form. Die Konzentration darauf gibt ihnen einen kraftvollen Ausdruck. Darauf verwies Elke Bach auch zuvor im Gespräch mit Bernd Zimmer.

Das Haus ist ein zentrales Motiv

In den Räumen der Galerie wird dem Betrachter schnell deutlich, wie das gemeint ist. Da schälen sich glatte Flächen und geometrische Figuren aus dem archaisch anmutenden Alabasterklumpen. Immer wieder zu sehen: ein Haus. Haus VIII, Haus IX, Haus X, heißen die Werke. Sie sind so unterschiedlich, nicht nur des Materials wegen, ob Steatit oder Selenit. Auch der Form wegen, die aus dem Material entwächst. In ihrer Unterschiedlichkeit eint sie aber eben doch die Anmutung: So massiv sie wirken, so lichtdurchflutet sind sie auch, des Materials wegen, aber immer auch, weil das Haus offen ist: es hat Fenster, Tore. Niemals wird es konkret, es bleibt immer abstrakt, ein Durchlass.

Dabei muss es nicht bei der glatten Oberfläche bleiben. Die Struktur wird verändert, spätestens wenn die Arbeit sonst zu glatt, zu kitschig wirkte. Das Haus ist eines der Grundformen, die bei Zimmer immer wiederkehren. Dabei achtet Zimmer stets auf die Proportionen. Sie müssen stimmen. „Sie sind wichtig“, sagt Bernd Zimmer, auch aber nicht nur, weil sie ein „urbildhauerisches Thema“ seien. Sondern auch, weil sie ein Teil der Schönheit ausmachen.

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