45 Sekunden bis zwei Minuten dauert es, bis die Fußgängerampel an der Berliner Straße auf Grün umspringt. Foto: Roberto Bulgrin

Passanten, die kreuz und quer über die Berliner Straße in Esslingen rennen – dieses Bild aus dem vergangenen Jahr ist passé, seit die Stadt eine neue Ampel aufgestellt hat. Kritik gibt es jedoch an den langen Umschaltzeiten. Das sagt der Baubürgermeister.

Die Zeit der wild kreuzenden Fußgänger an der Berliner Straße in Esslingen ist nach Darstellung der Stadtverwaltung vorbei. Durch die Einrichtung einer dritten Ampel auf Höhe des Supermarktes im Wohn- und Geschäftszentrum Qbus im Herbst des vergangenen Jahres sei die Situation an der viel befahrenen Straße am Rande der Altstadt entschärft worden.

 

Zu Passantenstaus kommt es nach Angaben von Baubürgermeister Hans-Georg Sigel wegen der zusätzlichen Signalanlage nicht: Die Fußgängerampel an der Fleischmannstraße und die dritte Ampel an der Fußgängerquerung arbeiteten synchronisiert. Außerdem würden die Signale zusätzlich so gesteuert, dass der Busverkehr Vorrang habe. Dadurch komme es nicht zu einer Behinderung des fließenden Verkehrs oder gar zu einer Staubildung.

Wartezeiten von bis zu zwei Minuten

Doch viele Fußgänger klagen über lange Wartezeiten aufgrund der Ampelschaltung und der zusätzlichen Signalanlage in der Berliner Straße. Auch während der Aktion „Redaktion vor Ort“ unserer Zeitung auf dem Esslinger Bahnhofsvorplatz Mitte Mai wurde dieses Thema immer wieder von Passanten angesprochen und Kritik geübt. Die Stadtverwaltung erkennt die vorgebrachten Missstände jedoch nicht. Die Grünzeiten für Fußgänger würden zwar variieren, sagt Hans-Georg Sigel. Doch im Regelfall belaufe sich die Wartezeit an den Ampeln in der Berliner Straße auf rund 45 bis 90 Sekunden. In bestimmten Fällen, etwa wenn mehrere Busse in engen Zeitabständen ankämen, könne die Wartezeit auch bis zu zwei Minuten betragen. Das Provisorium auf Höhe des Supermarktes im Qbus werde im Laufe des Jahres durch eine dauerhafte Ampel ersetzt.

Das Fazit aus Sicht des Bürgermeisters für Stadtentwicklung, Infrastruktur, Bauen und Umwelt: „Die jetzige Ampelschaltung stellt für uns einen guten Kompromiss zwischen den Anforderungen des Busverkehrs und akzeptablen Wartezeiten für Fußgänger dar.“ Die weitere Ampel habe zu einer Entlastung geführt: „Unserer Einschätzung zufolge hat sich die Situation deutlich verbessert“, sagt Sigel. An der Berliner Straße hatte die Stadt auf Höhe des Qbus auch bauliche Veränderungen für Kosten in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro vorgenommen. Durch den Rückbau einer Fahrspur sollte Raum für barrierefreien Fußverkehr und Grünflächen geschaffen werden. Der Wegfall einer Fahrbahn hat sich laut Stadt nicht nachteilig auf die Verkehrsführung ausgewirkt. Eine Staubildung sei bis auf wenige Ausnahmen nicht zu beobachten: „Lediglich bei einem besonders hohen Verkehrsaufkommen wie an verkaufsoffenen Sonntagen und zur Zeit des Weihnachtsmarkts ist die reduzierte Spuranzahl bemerkbar“, so Sigel. An diesen Tagen sei das Parkhaus regelmäßig voll belegt. Deshalb bilde sich eine Warteschlange: „Diese reicht in manchen Fällen bis in die Berliner Straße hinein und behindert so teilweise den fließenden Verkehr.“

Kaum Verkehrsbehinderungen

Eine Mobilitätsstation mit einem Fahrradparkhaus mit 370 Plätzen, einer Ausleihstation und einer Werkstatt für Räder sowie Schließfächern für persönliche Gegenstände wurde im Oktober 2023 im Qbus eröffnet und ist seither in Betrieb. Weitere Umbauten sind laut Sigel nicht geplant. Bezüglich der immer wieder aufkeimenden Diskussion, die Berliner Straße in eine Fahrradstraße umzuwandeln, gebe es zurzeit keine Planungen.